Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Neustadt Seltene Quappen und Edelkrebse leben in Poggenhagen
Umland Neustadt

Seltene Quappen und Edelkrebse leben in Poggenhagen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
13:33 12.02.2020
Sebastian Lechner (von links) wirft gemeinsam mit Christoph Eilers, Monika Strecker, Carsten Brauer und Matthias Emmrich einen Blick auf die Edelkrebse. Quelle: Mirko Bartels
Anzeige
Poggenhagen

Ein Mekka der Fischzucht liegt am Rande Poggenhagens: Vor rund 20 Jahren hat die Familie Göckemeyer das Grundstück der ehemaligen Gemeindekläranlage an der Poggenhagener Straße gekauft. Begonnen hat der Familienbetrieb als Teichwirtschaft mit Forellen und zur Rettung des deutschen Edelkrebses. Mit den Jahren hat sie sich zu einem viel beachteten Standort für Artenschutzprogramme entwickelt. Inzwischen haben die Betreiber ihr Gelände erweitert und wollen den Anbau von Brunnenkresse weiter kultivieren. Der Landtagsabgeordnete Sebastian Lechner (CDU) und sein Cloppenburger Kollege Christoph Eilers haben nun einen Blick hinter die Kulissen der Teichwirtschaft geworfen und dabei viel über seltene Edelkrebse, das Ausbrüten von Quappen und die Vorteile einer Brunnenkressezucht erfahren.

Vier Jahre lang gab es Gastronomie bei der Teichwirtschaft

Gemeinsam mit seiner Frau züchtet Steffen Göckemeyer die Forellen im Nebenerwerb, räuchert und verkauft sie einmal im Monat. „Früher hatten wir auch eine kleine Gastronomie, die Forellenquelle.“ Das Kleinod an der Wunstorfer Straße zwischen Wald und Teichen war Ausflugsziel zahlreicher Gruppen, diente Heimatforschern und örtlichen Jägern als Stammlokal. 2015 ließ sich die zusätzliche Arbeit für die Familie nebenberuflich nicht länger stemmen. Göckemeyers schlossen die Quelle.

Pächter seit 2016: Der Anglerverband Niedersachsen

Seit 2016 gibt es einen Pächter auf dem Gelände: Der Anglerverband Niedersachsen (AVN) führt in Poggenhagen Artenschutzprogramme durch, die es in dieser Form nur an wenigen Standorten gibt. „Der AVN versteht sich seit Langem nicht nur als Betreuer und Dienstleister der lokalen Angelvereine, sondern engagiert sich zusätzlich für die Entwicklung gesunder Gewässer mit artenreicher Fauna“, sagt Vizepräsident Heinz Ryka.

Die Quappe gehört zu den gefährdeten Tierarten in deutschen Gewässern – in Poggenhagen wird sie nachgezüchtet. Quelle: Mirko Bartels

„Wir beschäftigen uns hier mit dem einheimischen Edelkrebs und der Quappe“, erläutert der Biologe Matthias Emmrich den Besuchern. Die Krebse sind von zugereisten Verwandten aus Amerika in deutschen Gewässern weitgehend verdrängt worden. In vier Teichen wird der Astacus astacus nun nachgezüchtet, um später ausgewildert zu werden. „Die Tiere sind insgesamt genügsam“, sagt Emmrich. Als Nahrung dienen Wasserschnecken, Aas und vegetarische Kost. Sehen kann man die Tiere schlecht, sie wühlen gerne im Schlamm. Zwei Schutzstationen gibt es derzeit in NiedersachsenPoggenhagen ist eine davon.

Die Quappe laicht 700.000 Eier je Kilo Körpergewicht

Auch die Quappe gehöre zu den bedrohten Arten. Die alte, heimische Fischart wird in Poggenhagen nachgezüchtet. „Durch Querverbauungen der Flüsse werden die Tiere daran gehindert, in die noch vorhandenen überschwemmbaren Auen zu gelangen. Die benötigen sie für eine erfolgreiche Vermehrung“, sagt Biologe Emmrich. Dabei gehört die Quappe zu den produktiven Tieren, wenn es um den Nachwuchs geht: 700.000 Eier und mehr je Kilo Körpergewicht sind möglich. In deutschen Gewässern ein Spitzenwert.

Die Besucher werfen einen Blick auf die Quappeneier. Quelle: Mirko Bartels

Hilfe bietet die Brut- und Aufzuchtstation auf dem Gelände in Poggenhagen. Massenhaft Quappeneier reifen in sogenannten Zugergläsern unter streng kontrollierten Bedingungen, werden später aufgezogen. „Ein Ziel der Wiederansiedlung ist eine Bekämpfung der Schwarzmeergrundel“, sagt Emmrich. Diese verdrängt heimische Fischarten und beeinflusst auch die Bestände von Muscheln und Schnecken deutlich. Die Quappe hat sich als äußerst effiziente Grundeljägerin erwiesen und soll deshalb gefördert werden.

Auch politische Probleme gab es zu besprechen: So sind die Angler mit der kürzlich erfolgten Verlängerung der Schonzeit für den Kormoran nicht einverstanden. Die Vögel richteten regelmäßig große Schäden bei der Nachzucht in ihren Gewässern an, sagten sie.

Lesen Sie auch

Von Mirko Bartels

Die Pflegeberatung der Region Hannover streicht ihre Sprechstunden in Mandelsloh. Beraterin Britta Pfohl kommt künftig nur noch nach Neustadt und Wunstorf.

12.02.2020

Das Tierheim Wunstorf sucht dringend ein neues Zuhause für zwei kastrierte Kaninchenböckchen, die aber einzeln abgegeben werden, weil sie sich nicht gut miteinander vertragen. Klopfer und Strolch sollten am liebsten jeweils zu einem Weibchen vermittelt werden.

12.02.2020

Das Land lässt in den nächsten Wochen zunächst Sand und vielleicht auch noch Schlamm auf der Südseite aus dem Steinhuder Meer holen. Beide Materialien sollen mit der bestehenden Leitung ans Nordufer transportiert werden.

11.02.2020