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Neustadt Ausbau von Windenergie in Neustadt bleibt gefährdet
Umland Neustadt

Windkraftenergie in Neustadt ist blockiert

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18:01 02.08.2019
Windenergieanlagen stehen in Mandelsloh auf einem Feld. Quelle: Holger Hollemann/dpa
Neustadt

Vier Jahre lang hat Kai Nülle an dem Flächennutzungsplan für Windenergie im Neustädter Land gearbeitet. Vier Jahre, die den Stadtplaner sehr viel Zeit und Energie gekostet haben. Dennoch geht der Bau neuer Windkraftanlagen im Neustädter Land derzeit nicht voran. „Wir kommen auf kommunaler Ebene nicht weiter“, sagt Nülle. „Es muss auf bundespolitischer Ebene eine Lösung gefunden werden.“ Ein Hauptgrund sind die von der Deutschen Flugsicherung vorgegebenen 15 Kilometer Abstand zu den sogenannten Drehfunkfeuern zur Navigation von Flugzeugen. Diese Sender würden derzeit Bauvorhaben in der Region Hannover blockieren. Eine kürzlich veröffentlichte Branchenumfrage des Berliner Vereins Fachagentur Windenergie an Land, der sich für die Energiewende einsetzt und des Bundesverbands Windenergie bestätigt die Probleme beim Ausbau der Windenergie, die besonders in der Region Hannover ausgeprägt seien. Stadtverwaltung, Planerallianz der Windkraftunternehmer und Bürgerinitiative fordern eine politische Lösung.

Ein Drehfunkfeuer zur Navigation von Flugzeugen im Flugverkehr. Quelle: DFS

Bau von Windenergieanlagen in der Region liegt flach

Stadtsprecherin Pamela Klages betitelt ein Schreiben der Stadt mit der Überschrift: „Der Windkraftstandort Neustadt bleibt gefährdet.“ Im Neustädter Land könnten derzeit in einem Radius von 15 Kilometern um das Drehfunkfeuer Nienburg weder neue Windkraftanlagen errichtet noch alte Anlagen wiederhergestellt – repowert – werden. Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherheit – beziehungsweise die Deutsche Flugsicherung – verweigere mit Hinweis auf die Flugsicherheit die Genehmigung. Der Hagener Alexander Jäger-Bloh ist Sprecher der Planerallianz, deren Mitglieder rund 70 Windkraftanlagen im Neustädter Land, im Landkreis Nienburg und dem Heidekreis betreiben. Er sagt: „Eine Reihe von älteren Anlagen steht jetzt zur Erneuerung an. Doch der Ersatz von älteren Windenergieanlagen durch neue, wesentlich leistungsfähigere Anlagen scheitert an blockierenden Vorgaben der Deutschen Flugsicherung.“ Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Branchenumfrage des Vereins Fachagentur Windenergie. „Nun ist belegt, was wir bereits seit Längerem empfindlich spüren: Der Raum Hannover ist massiv vom Genehmigungsstopp betroffen“, betont Eike Müller, Projektleiter Windenergie bei der Klimaschutzagentur Region Hannover. „Unter solchen Voraussetzungen können die Klimaschutzziele in der Region nicht erreicht werden.“ Dabei würden aussichtsreiche Optionen für eine Lösung des Problems auf dem Tisch liegen. Diese würden die Luftverkehrssicherheit im vollen Umfang gewährleisten, auch bei weiterem Windenergieausbau, sagt Müller.

Eilveser Bürger wollen vier Windkraftanlagen bauen

Auch Marcus Biermann wünscht sich eine schnelle Lösung. Der Eilveser ist Geschäftsführer der Firma Bürgerwindpark Eilvese. Die 20 Gesellschafter wollen in ihrem Ort vier Windkraftanlagen bauen, um die Energieversorgung selbstständig zu organisieren. „Unser Bauantrag wurde von der Region Hannover abgelehnt. Dagegen haben wir Einspruch eingelegt.“ Derzeit laufe beim Verwaltungsgericht Hannover das Verfahren, die Gesellschafter warten auf den zweiten Verhandlungstermin. Ihr Problem: Ihre Windkraftanlage steht 8,5 Kilometer von dem Drehfunkfeuer entfernt, das seien 6,5 Kilometer zuviel. Biermann sagt: „Wir geben nicht auf. Wir haben schon sehr viel Geld investiert. Die gesamten Planungskosten betragen schon jetzt 350.000 Euro.“ Was der Geschäftsführer sich wünschen würde? „Die lokale Politik muss auf Verkehrsminister Andreas Scheuer zugehen und Druck machen.“

Alexander Jäger-Bloh ist Sprecher der Planungsallianz, die gegen die Deutsche Flugsicherung klagt. Quelle: Kathrin Götze

Jäger-Bloh beschäftigt vor allem die verschenkte Energie. „Durch die Verweigerung werden hier derzeit 450 Gigawatt Strom pro Jahr nicht erzeugt. Damit könnten 130.000 Haushalte mit Strom versorgt werden.“ Und er fügt an: „Wir setzen große Hoffnungen auf den von Bundeswirtschaftsminister Altmaier anberaumten Windenergiegipfel.“

An der Nienburger Straße hoffte Stadtplaner Nülle derzeit, dass seine Arbeit nicht umsonst war. Er meint: eine Flugsicherung sei auch durch einen Umbau des Drehfunkfeuers möglich. „Wir sitzen alle wie die Maus vor der Schlange und warten auf eine bundespolitische Entscheidung.“

Mehr zum Thema:

Branchenumfrage der Fachagentur Windenergie an Land im Detail

Von Marleen Gaida

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