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Neustadt Derwisch und Chöre zeigen religiöse Mystik
Umland Neustadt Derwisch und Chöre zeigen religiöse Mystik
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00:19 24.02.2019
Veysel Inan führt den Derwischtanz in der katholischen Kirche St. Peter und Paul vor. Quelle: Kathrin Götze
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Neustadt

Ein Mann dreht sich im Kreis, sein weißes Gewand wirbelt um die Beine. Er dreht sich und dreht sich, hebt die Arme, während zwei Begleiter um ihn herum gehen. Ein Derwisch tanzt in der katholischen St. Peter und Paul-Kirche – der Auftakt zu einer gelungenen Veranstaltung des interreligiösen Dialogs. Tanz, Musik, Wort und Bild sind schon seit Jahrhunderten Medien, mit denen sie Weltreligionen ihre Botschaften transportieren.

Ein tanzender Derwisch, Gospelgesang mit Händeklatschen: In der katholischen Kirche St. Peter und Paul sind solche Auftritte nicht alltäglich. Sie gehören zum interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen.

Von katholischer Seite tritt der Kirchenchor auf, singt ein Lied, das der Jesuit Friedrich Spee im 17. Jahrhundert geschrieben hat: „Die ganze Welt Herr Jesu Christ“, besingt das Osterwunder der Auferstehung, „Urständ“, und handelt vom Wunsch des Menschen, mit der Schöpfung eins zu werden, die Diakon Claus Crone erläuterte. Eine Parallele zum Derwisch-Tanz, der laut Erklärung von Asim Demir, dem Vorsitzenden der muslimischen Mevlana-Gemeinde, symbolisch dafür steht, in Einklang mit der Rotation der Planeten im Weltall und der kleinsten Zellen zu gelangen.

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Eine dritte Sicht bringt der Kumbayah-Chor mit Gospel-Songs hinein, zur evangelisch-baptistischen Tradition gehören: „Gonna lay down my burden, down by the riverside“ (“Ich werde meine Last ablegen, unten am Flussufer“), handelt vom Wunsch afrikanischer Sklaven in Amerika, das Joch der Sklaverei abzuwerfen, und vom Wunsch nach Erlösung nach dem Tod. „Manchmal enthielten die Lieder aber auch verschlüsselte Hinweise auf Fluchtwege“, sagt Pastor Tim Kröger. Gedanken und Anregungen, die die Besucher in eine anschließende Gesprächsrunde bei Tee und Häppchen mitnahmen.

Von Kathrin Götze