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Pattensen Tödlicher Arbeitsunfall: Praktikant seit sechs Monaten im Betrieb
Umland Pattensen Tödlicher Arbeitsunfall: Praktikant seit sechs Monaten im Betrieb
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00:18 02.02.2018
Polizei und Gewerbeaufsichtsamt prüfen, wie es zu dem tödlichen Arbeitsunfall in Pattensen kommen konnte. Quelle: Uwe Dillenberg
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Pattensen/Hannover

 Die Polizei hat ihre Ermittlungen zum tödlichen Arbeitsunfall am Montagnachmittag in Pattensen aufgenommen. Gegen 14.15 Uhr war ein 16-jähriger Praktikant bei Kranarbeiten von schweren Aluminiumteilen erschlagen worden. „Wir prüfen, wie es zu dem Unfall kommen konnte“, sagt Polizeisprecher Philipp Hasse, „allerdings stehen unsere Ermittlungen noch am Anfang.“ Bisherigen Erkenntnissen zufolge wollte der Jugendliche die Aluminiumteile an einem Kran in einer Halle befestigen, als sich die Elemente lösten und herabfielen.

Nach HAZ-Informationen stammt der 16-Jährige aus Holzminden und ging dort auf eine Berufsschule für Metallbau. In Pattensen absolvierte er demnach ein zwölfmonatiges Praktikum in einem Betrieb an der Johann-Koch-Straße. Ein halbes Jahr hatte der 16-Jährige bereits hinter sich gebracht. Seine Arbeitskollegen riefen sofort nach dem Unfall den Rettungsdienst, doch der Jugendliche erlag wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Der Geschäftsführer des Betriebs wollte sich auf HAZ-Anfrage nicht äußern.

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Im Zusammenhang mit dem Arbeitsunfall ermittelt neben der Polizei auch das Gewerbeaufsichtsamt Hannover. Ein Mitarbeiter war am Dienstag in dem Pattenser Betrieb, um sich die Situation vor Ort anzusehen und mit Zeugen zu reden. „Wir gucken ausschließlich darauf, wie der Unfall geschehen ist“, sagt Behördenleiter Bernd Reese. Es gehe dabei um die Frage, „ob aus Sicht des Arbeitsschutzes so gehandelt wurde, wie es sein sollte“. Unter anderem prüfen die Experten, ob ein Fremdverschulden zu dem Unfall führte oder der 16-Jährige selbst dafür verantwortlich war. Die Ermittlungen finden in engem Austausch mit der Polizei und der Berufsgenossenschaft als Unfallversicherungsträger statt.

Laut Reese spiele es keine Rolle, dass der Jugendliche Praktikant war. „Wichtig ist, dass er so in die Arbeiten eingewiesen worden war, dass er sie ausführen konnte.“ Es gebe keine Bereiche, die kategorisch für Praktikanten tabu seien. „Es kommt darauf an, was die Person kann“, sagt Reese. Neben dem nötigen Wissen könne es natürlich sein, dass ein Mitarbeiter aufgrund seiner kürzeren oder längeren Betriebszugehörigkeit manche Arbeiten schlechter beziehungsweise besser könne. Reese spricht in diesem Zusammenhang von einer „schwimmenden Grenze“.  Die Aufklärung des Unfallhergangs, sofern sie möglich sein wird, könne unter Umständen eine lange Zeit dauern.

Von Kim Gallop und Peer Hellerling