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Nachrichten Bergfest für Ramona Schumann
Umland Pattensen Nachrichten Bergfest für Ramona Schumann
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00:20 02.05.2018
"Ich bin sprachlos": Bürgermeisterin Ramona Schumann (zweite von links) bei der Verkündung der Wahlergebnisse mit Georg Frühwirt (rechts), Ralf Karow und Gertraude Kruse. Quelle: Daniel Junker
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Pattensen

 Fast wäre es ein Durchmarsch geworden: Ramona Schumann (SPD) fehlten 2014 im ersten Wahlgang nur acht Stimmen für eine absolute Mehrheit in der Wahl zur Bürgermeisterin von Pattensen. Die damals 34-Jährige setzte sich in der anschließenden Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Axel Müller mit 67,4 Prozent der Stimmen durch. Müller verlor in allen Ortsteilen. „Ich bin sprachlos“, kommentierte Schumann, die eine von nur zwei Frauen an der Verwaltungsspitze in den 21 Kommunen der Region Hannover ist. Am 1. November 2014 trat sie offiziell die Nachfolge von Günther Griebe im Rathaus an. 

Wir zeigen Stationen ihrer Amtszeit als Bürgermeisterin.

Im Interview mit dieser Zeitung nach 100 Tagen im Amt beschrieb die 1979 in Georgsmarienhütte geborene Schumann ihre neue Aufgabe als „aufregend, anregend, lehrreich und vieles mehr“. Dabei hatte sie zu dem Zeitpunkt vermutlich nur einen kleinen Einblick in die Berufswelt bekommen, die sie in den nächsten Jahren erwarten sollte: Bis zum Umzug in das neue Rathaus die Koordination von Mitarbeitern an drei verschiedenen Standorten, 70-Stunden-Arbeitswochen, die Verantwortung von Projekten in zweistelliger Millionenhöhe, Repräsentantin in der Öffentlichkeit und ebenso auch Zielscheibe von öffentlicher Kritik. 

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Ungewöhnlich war, dass ihr Gegenkandidat in der Stichwahl direkt im Anschluss ihr Stellvertreter im Rathaus wurde: Axel Müller ist der Erste Stadtrat in Pattensen. Schumann kommentierte das ein Jahr nach ihrem Amtsbeginn: „Herr Müller und ich ergänzen uns hervorragend.“

Die mit ihren beiden Töchtern in Schulenburg lebende Diplom-Verwaltungswirtin kann auf abgeschlossene Großprojekte wie die Sanierung der KGS für mehr als 20 Millionen Euro oder den Neubau des Rathauses für rund 7 Millionen Euro zurückblicken. Dem gegenüber steht allerdings auch ein enormer Schuldenanstieg der Stadt. Die Verschuldung durch Kredite ist von 20 Millionen Euro im Jahr 2014 auf mehr als 70 Millionen Euro angestiegen. Die Pro-Kopf-Verschuldung stieg von 2016 bis 2018 um 2000 Euro auf 5000 Euro. 

Grund dafür sind die notwendigen Sanierungen, die in den Jahren zuvor aufgeschoben wurden. Schumann sagte im Interview nach rund drei Monaten im Amt: „Entscheidungen der Vergangenheit lassen sich schwer kritisieren, weil sie immer aus Sicht ihrer Zeit getroffen wurden. Aus dem damaligen Blickpunkt war es sicherlich richtig, die Bauunterhaltung etwas zurückzufahren. Aus heutiger Sicht würde ich es als keine gute Entscheidung bezeichnen, aber das wäre eine unfaire Schuldzuweisung.“ Sie betonte aber auch, dass es ein optimaler Zeitpunkt für einen Neuanfang sei und sich daraus auch Chancen ergeben. 

In ihre Amtszeit fiel auch das Jahr, in dem die Stadt unvorbereitet zahlreiche Flüchtlinge unterbringen musste. Sie bezeichnete das später als „enorme Herausforderung“, die aber auch gezeigt habe, wie „wie eng die Pattenser in dieser Situation zusammengestanden haben und sich nicht haben beirren lassen“. Zudem begann mit ihrem Amtsantritt auch ein mehrjähriger politischer Streit rund um die Zukunft der Grundschule Pattensen, der erst Ende 2017 mit der Entscheidung des Rats beendet wurde, das Gebäude für rund 12 Millionen Euro zu sanieren und teilweise neu zu bauen. Schumann sagte, dass sie in der Diskussion einen „sachlichen Umgang“ manchmal vermisst habe. Dabei sei es Aufgabe der Politik, abzuwägen und die Bedürfnisse möglichst vieler Menschen zu berücksichtigen, „der lauten wie auch der leisen“.

Ein besonderes Anliegen ist für Schumann zudem die Digitalisierung. Sie führt einen Facebook-Account, auf dem sie Meldungen über Aktionen in der Stadt Pattensen veröffentlicht. Als Privatperson hat sie zudem einen Twitteraccount, der allerdings auch öffentlich einsehbar ist. Im vergangenen Jahr stellte die Stadt eine neue Interseite vor. Im Interview bezeichnete Schumann die Digitalisierung als ähnlich bedeutend wie die industrielle Revolution. Gleichzeitig betonte sie aber, dass die Bedeutung persönlicher Kontakte dadurch nicht verloren gehe. 

Vier Fragen an Bürgermeisterin Schumann

Pattensens Bürgermeisterin Ramona Schumann hat Tobias Lehmann in einem Kurzinterview Rede und Antwort gestanden:

Frau Schumann, was waren für Sie die Höhepunkte Ihrer Amtszeit, persönlich und politisch?

Ich bin gerade beim Rückblick überrascht, wie viel in der kurzen Zeit passiert ist. 

Politisch: Die Einhaltung der Zeit- und Kostenrahmen der Kita Ruther Straße, der Ernst-Reuter-Schule und des Rathauses. Da haben die Beschäftigten einen tollen Job gemacht! Und ganz persönlich: die freundschaftliche Verbindung zu Axel Müller und die insgesamt positiv-konstruktive Zusammenarbeit im Leitungskreis. Ich gehe jeden Tag unglaublich gerne ins Rathaus.

War waren die eher negativen Erfahrungen Ihrer Amtszeit?

Ich habe oft mit widerstreitenden Interessen zu tun und setze dabei auf eine sachliche Abwägung der einzelnen Positionen. Ich empfinde dabei öffentlich geführte und emotionsgeladene Debatten, vor allem, wenn in der Folge reine Sachentscheidungen unmöglich werden, als ausgrenzend und damit als unangenehm. Diese Erfahrungen gehören aber bei meinem Amt einfach dazu.

Was werden die großen Herausforderungen für Pattensen in den nächsten Jahren Ihrer Amtszeit?

Die Aufarbeitung der Rückstände besonders in der Infrastruktur von Schulen und Straßen. Die flächendeckende Versorgung mit Betreuung. Die Abarbeitung der Jahresabschlüsse, das Schuldenmanagement, die Digitalisierung der städtischen Dienstleistungen, die zukunftssichere Organisation der Wasserversorgung, die Organisationsuntersuchung, eine nachhaltige Personalentwicklung - insbesondere um kein Wissen zu verlieren -, und für mich immer noch wichtig: das integrierte Stadtentwicklungskonzept.

Gibt es schon Planungen für Ihre politische Zukunft? 

Außerhalb Pattensens, meinen Sie? Nein! 

Auch in den nächsten Jahren warten noch zahlreiche Projekte auf ihre Umsetzung, unter anderem die Sanierung der Grundschule Pattensen. Messen wird man Schumann am Ende ihrer Amtszeit sicherlich auch daran, ob sie zumindest einen spürbaren Schuldenabbau der Stadt auf den Weg gebracht hat. 

Von Tobias Lehmann