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Umland Pattensen Nachrichten Mann missbraucht neunjährige Stieftochter
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00:15 21.12.2016
Von Annegret Brinkmann-Thies
Das Amtsgericht Springe.
Das Amtsgericht Springe. Quelle: Andreas Zimmer
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Pattensen

Das Mädchen war etwa 9 Jahre alt, als sich ihr heute 45-jähriger Stiefvater an ihr verging. Das war im Jahr 2007. Im vergangenen Jahr hat sich der Mann selbst angezeigt, wohl auch auf Druck der nunmehr 18-Jährigen. Als Polizeibeamte daraufhin das Haus des Pattensers durchsuchten, fanden sie auf seinem Rechner fast 50 kinder- und jugendpornografische Videos.

„Ich weiß von meiner pädophilen Neigung, seit ich 16 Jahre alt war“, bekannte der Angeklagte. Und fügte hinzu: „Ich dachte, es passiert nichts." Als allerdings vor fast zehn Jahren seine jetzige Ehefrau mit zwei kleinen Kindern bei ihm einzog, passierte es doch.

Der Pattenser habe sich damals insgesamt fünf Mal zu dem Kind ins Bett gelegt und das Mädchen intim gestreichelt, warf ihm die Staatsanwältin vor. Der Mann räumte die Tatvorwürfe ein. Drei Jahre nach diesen sexuellen Übergriffen habe er sich freiwillig in eine ambulante Therapie an der Medizinischen Hochschule Hannover begeben.

Als nach der Selbstanzeige bei der Polizei ein Verfahren gegen ihn eröffnet wurde, musste er die Therapiegruppe verlassen. Seither nehme er an einem Programm des Jugendamtes mit der Bezeichnung „Sexualisierte Gewalt“ teil und gehe dort zu Einzelberatungen, erklärte der 45-Jährige.

Die Stieftochter, die zwischenzeitlich bei ihren Großeltern wohnte, lebe seit zwei Jahren wieder bei ihm und seiner Ehefrau. Offenbar hatte ihn die junge Frau erpresst, damit er sich selbst der Polizei stellt. Kurz darauf zeigte auch sie ihren Stiefvater an.

Die Strafrichterin machte deutlich: Ohne diese Selbstanzeige wäre es schwierig geworden, dem Angeklagten seine Straftaten nachzuweisen. Das spreche für den Angeklagten. Es sei allerdings schwer verständlich, warum bei der Wohnungsdurchsuchung - viele Jahre nach dem Missbrauch und in laufender Therapie – die kinder- und jugendpornografischen Videos auf seinem Rechner gefunden worden seien.

Er habe die Videos gelöscht, gab der Mann an. Das aber stimmte nur für wenige der zahlreichen Aufnahmen, wies ihm das Gericht nach. „Das sind widerliche Bilder“, sagte die Strafrichterin.

Er bedaure die Taten, beteuerte der Mann und schloss: „Ich hoffe, dass nie wieder etwas so etwas vorfällt." Er muss 1500 Euro an den Springer Kinderschutzbund bezahlen. Als Auflage für seine dreijährige Bewährungszeit muss der Pattenser auch weiterhin an einer ambulanten Therapie für Pädophile teilnehmen.

Tobias Lehmann 18.12.2016
Kim Gallop 16.12.2016
Kim Gallop 16.12.2016