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Nachrichten Grundschule Pattensen - ein Rückblick
Umland Pattensen Nachrichten Grundschule Pattensen - ein Rückblick
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00:17 02.10.2017
Von Tobias Lehmann
Die Entscheidung ist getroffen: Die Grundschule wird zu großen Teilen am bekannten Standort neu gebaut. 
Die Entscheidung ist getroffen: Die Grundschule wird zu großen Teilen am bekannten Standort neu gebaut.  Quelle: Kim Gallop
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Pattensen-Mitte

2013

„Im Klassenzimmer tropft es.“ So lautete die Überschrift eines Artikels dieser Zeitung im Oktober 2013. Die Konrektorin der Grundschule Pattensen, Claudia Neuber, informierte darüber, dass es in einem Raum im Klassentrakt über der Stadtbücherei bereits seit rund einem Jahr immer wieder zu Wassereinbrüchen komme. „Wir müssen dort Schüsseln aufstellen“, sagte sie. Die Stadt ließ das Dach zunächst nur provisorisch abdichten, da auch zu dem Zeitpunkt bereits fest stand, dass die Schule wegen der Inklusion und des eingeführten Ganztagsbetriebs erweitert werden muss. Eine Aufstockung des Gebäudes stand im Raum. Da diese jedoch noch nicht politisch beschlossen war, wurde die Sanierung des Daches im Sommer 2014 dann doch vorgezogen.

2014

Im August des Jahres 2014 nannte der Erste Stadtrat Axel Müller erstmals die Summe von 6 Millionen Euro für die Sanierung und Erweiterung der Schule. Diese sollte 2015 beginnen und nach drei Bauabschnitten 2019 beendet werden. Im September lehnte der Rat der Stadt mehrheitlich den Ausbau der Grundschule ab. Nur die CDU-Mitglieder und der damals noch amtierende Bürgermeister Günter Griebe sprachen sich dafür aus. Griebes Nachfolgerin Ramona Schumann (SPD) war bereits als neue Bürgermeisterin gewählt, jedoch noch nicht im Amt. Sie stimmte gemeinsam mit ihrer Fraktion gegen den Ausbau. Der SPD-Parteivorsitzende Thomas Vogel sagte, dass erst die Finanzierung geklärt sein müsse, bevor das Projekt politisch beschlossen werden kann.

Im Dezember 2014 wurde einem Mitarbeiter dieser Zeitung unter der Hand ein verwaltungsinterner Bericht überreicht, der über die tatsächlichen Schäden in der Grundschule informierte. Daraus ging unter anderem hervor, dass die Eisenwerte im Trinkwasser die gesetzlichen Vorgaben überschreiten, die Abwasserleitungen asbesthaltig sind und der Brandschutz Mängel aufweise. Ein Sprecher der Region Hannover, die für die regelmäßige Überprüfung der Grundschulen verantwortlich ist, sagte, dass dennoch kein dringender Handlungsbedarf bestehe. Die Eisenwerte seien nicht gesundheitsschädlich. Der Schadensbericht bezifferte die Kosten für die Sanierung auf rund 1,6 Millionen Euro. Jährlich sei mit einer Kostensteigerung von bis zu fünf Prozent zu rechnen.

Auch der Schulleiter Norbert Feltin schaltete sich zu diesem Zeitpunkt in die Diskussion ein. Er hatte erst im Sommer sein Amt an der Grundschule angetreten. Feltin kritisierte die Politik dafür, dass Entscheidungen ausbleiben, obwohl Schäden an der Grundschule bekannt seien. Unterstützung bekam er von der Schulelternratsvorsitzenden Anja Biber, die auch erst im dem Jahr neu gewählt worden war. „Wir sind von der Politik enttäuscht“, sagte sie.

2015

Im Januar 2015 wurden Teile der Turnhalle gesperrt, weil Vertreter der Gemeinde-Unfallversicherung auf Schäden im Boden hingewiesen hatten, die zu Stolperfallen werden könnten. Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Jonas Soluk bezeichnete dies als „weiteren Tiefpunkt in der Diskussion um die Grundschule“. Die Schäden im Boden ließ die Stadt schnell beheben. Doch die Halle blieb zunächst trotzdem gesperrt, weil an einer Seite der Halle ein Prallschutz fehlte.

Im Februar schickten Jungen und Mädchen der Klasse 2a einen Brief an die Stadtverwaltung und die Ratsmitglieder. Darin boten sie an, ihr Taschengeld für die Sanierung der Turnhalle zu spenden und an den Nachmittagen auch bei den Bauarbeiten zu helfen. „Wir können nur noch die halbe Halle benutzen und langweilige Sachen machen. Darüber sind wir traurig und finden das doof“, hieß es in dem handschriftlich verfassten Brief. Der notwendige Prallschutz wurde dann in den folgenden Wochen gebaut.

Ende Februar fiel zunächst im Schulausschuss noch keine Entscheidung über die Grundschule. Die SPD hatte einen Antrag mit verschiedenen Fragen unter anderem zum Raumprogramm vorgelegt, die zuvor noch geklärt werden sollten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Horst Bötger wies auf die Dringlichkeit der Angelegenheit hin. „Wenn in der kommenden Ratssitzung keine Entscheidung fällt, möchte ich in Pattensen nicht mehr auf die Straße gehen“, sagte er. Biber überreichte gemeinsam mit ihrem damaligen Stellvertreter Georg Thomas Bürgermeisterin Ramona Schumann eine Liste mit rund 700 Unterschriften von Bürgern, die sich für die Sanierung und Erweiterung der Schule aussprachen. Die Schulelternratsvorsitzende kritisierte zudem, dass viele Beratungen über die Grundschule im nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss geführt werden. Die Transparenz der Entscheidungsprozesse sollte auch in den folgenden Jahren immer wieder Thema sein.

In der Sitzung Ende Februar stimmte der Rat mehrheitlich für die Sanierung und Erweiterung der Grundschule. Die Kosten sollten 6,3 Millionen Euro nicht übersteigen. Schumann kritisierte in dieser Sitzung, dass durch die öffentliche Diskussion und Berichterstattung die „sachliche politische Beratung unnötig erschwert“ worden sei. Schulleiter Norbert Feltin nahm später dazu Stellung und sagte, dass die öffentliche Diskussion und Berichterstattung Voraussetzung dafür gewesen seien, dass der mehrheitliche politische Wille zur Sanierung und Erweiterung nun vorhanden ist.

2016

Fast genau ein Jahr nach dem Ratsbeschluss gab es noch keine detaillierte Planung zur Sanierung und Erweiterung der Grundschule. Biber fragte im Gespräch mit dieser Zeitung: „Wie kann es sein, dass die Stadt die Sanierung angesichts der Mängel immer weiter auf die lange Bank schiebt?“ Die von ihr geforderten Planungen lagen dann im April vor und offenbarten: Die Kosten für die Sanierung und Erweiterung werden nicht bei 6 Millionen Euro, sondern eher bei 9 Millionen Euro liegen. Grund dafür waren die Ergebnisse des Bodengutachtens und der technischen Prüfung. Zudem waren die Gebäude maroder als erwartet.

Im Juni präsentierte die Verwaltung dann einen Vorschlag des zuständigen Architektenbüros LSM. Dieser sah einen Abriss der Turnhalle und anschließenden Neubau vor. Dort sollte im Erdgeschoss der neue Verwaltungstrakt und die Mensa untergebracht werden. Die neue Turnhalle sollte im ersten Stock gebaut werden. Zudem war eine Sanierung des Klassentrakts geplant. Der Schulausschuss sprach sich noch im gleichen Monat dafür aus und lobte die Pläne. Auch der Rat stimmte anschließend zu. Der Beginn sollte im Frühjahr 2017 sein.

2017

„Es ist alles wieder offen“, teilte der Erste Stadtrat Axel Müller im Februar 2017 mit. Die Untersuchung des Baugrunds an der Turnhalle hatte ergeben, dass dieser keine ausreichende Tragfähigkeit für den dort geplanten Neubau aufweist. Zudem müssten Sanierungen der technischen Anlagen wie Heizung, Elektrik und Sanitär, die zum Teil Jahrzehnte alt sind, umfangreicher ausfallen als erwartet. Zunächst sollten die konkreten Kosten ermittelt werden. Anschließend müsse der Rat erneut entscheiden.

Die Grundschule hatte bereits Pläne angefertigt, um die Schüler während des Neubaus der Sporthalle in den Hallen in Jeinsen und Hüpede trainieren zu lassen. Schulleiter Norbert Feltin ging bis dahin noch davon aus, dass die Bauarbeiten im April beginnen. Er wies jetzt auch auf die dringende Sanierung der beiden Schulhöfe hin. „Der sogenannte Wiesenschulhof steht bei Regen so unter Wasser, dass wir ihn manchmal wochenlang sperren müssen. Auch auf dem Steinschulhof sind die Pfützen manchmal so groß, dass wir dort Reis anbauen können“, sagte er.

Biber kommentierte: „Wir fragen uns, ob die Beteiligten wirklich mit aller Macht wollen, dass sich die schlimmen Zustände in der Schule so schnell wie möglich verbessern.“ Beim Neubau des Rathauses sei schließlich auch alles ganz schnell gegangen. Sie forderte die Stadt auf, „die Eltern und die Schulleitung endlich ernst zu nehmen und in die Planungen einzubinden".Vor der nicht öffentlichen Ratssitzung zu dem Thema protestierten im März zahlreiche Eltern, Lehrer und Kinder. Sie sangen den Schulsong der Grundschule mit geändertem Text. „Lernen gefällt uns hier nicht mehr, denn unsere Schule hat nichts mehr. Große Pausen sind echt doof, nur auf einem Hof.“ Bürgermeisterin Ramona Schumann nahm die Entscheidungsträger in Schutz. Versäumnisse habe es weder beim Rat noch der Stadtverwaltung gegeben. Die Politik habe sich erst über den Sachstand informieren lassen, damit die Mehrkosten realistisch eingeschätzt werden können.

Im März teilte die SPD-Ratsfraktion mit, dass sie einen Antrag zur Verschiebung der Sanierung um ein Jahr gestellt habe. In der Zeit sollte unter anderem auch die Möglichkeit eines Neubaus geprüft werden. Auch die Bündnisgrünen, die UWG/UWJ-Gruppe und die Freien Wähler sagten, dass der Rat für die Entscheidung bis 2018 brauche. Der Schulelternrat kündigte eine öffentliche Diskussion mit allen Beteiligten an. Zudem schrieb das Gremium einen offenen Brief an die Verwaltung. Darin hieß es: „Wir gehen davon aus, dass Rat und Verwaltung eine konstruktiv kritische Unterstützung dringend benötigen, um ihre eigenen Ziele in naher Zukunft umsetzen zu können. Dieser offensichtlichen Notwendigkeit kommen wir als Schulelternrat gerne nach.“

Diese Initiative stieß bei den Ratsfraktionen mit Ausnahme der CDU zunächst auf Ablehnung. Die Mitglieder kritisierten, dass die Eltern die Diskussion angekündigt haben, ohne diese zuvor mit den Ratspolitikern abzusprechen, die auf dem Podium sitzen sollten. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Ohlendorf sprach gar von einem Tribunal. Die CDU unterstützte die Pläne des Schulelternrats für eine öffentliche Diskussion. „Die Initiative des Schulelternrats gibt es schließlich nur, weil sich die Eltern nicht ausreichend informiert fühlen“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jonas Soluk. Auch Feltin sprach sich für eine öffentliche Diskussion aus. Obwohl Vertreter aller Parteien sowie der Verwaltung immer wieder eine Versachlichung forderten, wurden die Auseinandersetzungen dennoch zunehmend emotionaler.

Die Diskussion fand schließlich Ende April vor mehr als 100 Gästen im Ratskeller statt und dauerte mehr als drei Stunden. Vertreter aller Parteien nahmen dann schließlich doch daran teil. Ohlendorf sagte dort, dass er sich den Schützenplatz als möglichen Standort für einen Neubau vorstellen kann. Schumann kündigte an, dass die Entscheidung über die Grundschule in der Ratssitzung im Juni fallen soll.

In der Sitzung des Schulausschusses im Mai teilte Axel Müller mit, dass der nicht öffentlich tagende Haushaltskonsolidierungsausschuss mehrheitlich die Variante des Neubaus favorisiere. Laut der Mitglieder des Ausschusses sollen die Argumente dafür in pädagogischer, finanzieller und funktioneller Hinsicht überwiegen. Die CDU-Mitglieder enthielten sich bei der Abstimmung zu dem Thema. Ein Besucher des Ausschusses bat, den Neubau nicht auf dem Schützenplatz zu errichten. Damit werde „das kulturelle Leben in der Stadt zum Erliegen gebracht“. Auch beim Schützenfest im Juni protestierten zahlreiche Schützen mit Plakaten gegen einen Neubau auf dem Schützenplatz.

Ebenfalls im Juni teilte die Verwaltung mit, dass die Entscheidung doch erst nach den Sommerferien fallen werde. Grund dafür war, dass Schumann noch eine weitere Variante neben der Sanierung und dem Neubau der Schule in die beauftragte Wirtschaftlichkeitsprüfung aufgenommen hatte: Den Neubau im Bestand, also am bisherigen Standort. Der frühere stellvertretende Schulelternratsvorsitzende und aktuelle CDU-Ratsherr Georg Thomas hatte sich danach bei dem Architektenbüro LSM erkundigt. Schumann kritisierte, dass er dies nicht zuvor mit dem Rat abgesprochen habe.

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Jonas Soluk sagte, dass Thomas sich unverbindlich nach dieser Variante erkundigt habe. Dies sei kein Antrag gewesen. Er kritisierte jetzt wiederum Schumann dafür, dass sie diese Variante ohne Absprache mit dem Rat in die Prüfung aufgenommen habe. Das Recht dazu hatte sie, die Entscheidung fiel in ihren Kompetenzbereich. Am Ende war es schließlich diese Variante, die sich nach der Anfang September vorgestellten Wirtschaftlichkeitsstudie als beste Option herausstellte und für die sich der Rat jetzt auch aussprach.

Schulleiter Norbert Feltin wird Ende dieses Jahres in den Ruhestand gehen. Auch die Amtszeit der Schulelternratsvorsitzenden Anja Biber endet dann. Sie will nicht erneut kandidieren.

Fotostrecke Pattensen: Grundschule Pattensen - ein Rückblick
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