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Umland Pattensen Nachrichten Kein Wolf: Hund soll Reh gerissen haben 
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16:24 24.02.2018
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Pattensen/Region

 Das Tier, das am Sonntagnachmittag in Pattensen ein Reh gerissen hat, soll ein Hund gewesen sein. Da sind sich die Wolfsexperten von Land und Region sicher. Dennoch bleiben Zweifel. Und viele Fragen. Auch die nach dem Hund – wenn es denn einer war -, der am helllichten Tag in der Verlängerung des Redener Wegs in der Nähe des Klärwerks in Pattensen-Mitte streunt und ein Reh hetzt und tötet.

Der vergangene Sonntag war kalt, aber sonnig. Dies nutzte eine 37-Jährige aus Pattensen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, zum Joggen. Als sie kurz nach 15 Uhr ihre übliche Laufrunde beenden wollte und in der Nähe der Überführung der Bundesstraße 3 entlang lief, hörte sie ein Rascheln im Gebüsch. In der fahlen Wintersonne erblickte sie ein großes Tier, das für sie wie ein Wolf aussah. Das Tier machte sich gerade über ein totes Reh her, das es offenbar gerade erbeutet hatte.

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„Es hat darauf herumgekaut“, bestätigte die Joggerin. Sie habe sich kurz gefragt, wie sie sich am besten verhalten solle. Trotz des Schreckmoments hob die Frau noch ihr Handy und machte Fotos von dem fressenden Tier. Mensch und Tier waren nur durch einen dünnen Schutzzaun, der verhindern soll, dass Wild auf die B3 läuft, von einander getrennt. Der vermeintliche Wolf machte einen Schritt auf die Frau zu. Sie wandte sich ab und zog sich vorsichtig zurück. Sofort widmete sich das Tier wieder seiner Beute. Auf ihren Rückweg informierte die Joggerin nicht nur die Polizei in Springe, sondern warnte auch eine Mutter, die ihr mit einem kleinen Kind entgegen kam. „Das waren viele Menschen mit Kindern und auch mit Hunden unterwegs“, sagte sie.

Die Polizei informierte Nina Graupner, Wolfsberaterin für die Region, und den Pattenser Andreas Fricke. Fricke und sein Sohn Heinrich Fricke sind Jagdpächter des Bereichs. Andreas Fricke barg das Stück Wild – einen etwa einjährigen Rehbock mit tiefen Bisswunden am Hals und am Körper. Der Vater nahm Kontakt zum Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft, Raoul Reding, auf, sein Sohn dokumentierte die Bissverletzungen durch Fotos und sandte sie an Reding und Graupner.

Das Reh hat tiefe Bisswunden an der Kehle und am Körper. Quelle: Kim Gallop

„Das war eindeutig ein Hund“, sagte Wolfsbeauftragter Reding auf Anfrage. Die Gesichtsmaske sei heller, als bei einem Wolf. Auch dieser Kehlbiss sei eher typisch für einen Hund („Der reißt mehr.“), als für einen Wolf („Der greift nur einmal zu, braucht nur einen Biss.“). Wolfsberaterin Graupner ist auch dieser Meinung. „Das war ein Husky, oder ein Husky-ähnlicher Hund“, sagt sie. 

Die Augenzeugin hat da ihre Zweifel. „Das Aussehen und das Verhalten waren doch sehr typisch für einen Wolf“, sagt sie. Auch die Jagdpächter wollen den Vorfall nicht einfach auf sich beruhen lassen. Einerseits, meint Andreas Fricke, sieht der Kehlbiss genau so aus, wie der typische Biss eines Wolfes. „Und wenn es ein Hund war, dann war es ein Tier, dass wusste, was es tat und das schon öfter gemacht hat.“ Er will das Thema mit Vertretern von Landvolk und Landesjägerschaft besprechen.

Der Rehbock sei von einem jagenden Tier gegen den Schutzzaun gedrängt und dann getötet worden, sagt Fricke. „Das müssen wir mit den Verbänden diskutieren.“ In der wärmeren Jahreszeit stünden ganz in der Nähe Ziegen und Schafe auf einer umzäunten Weide. Und Fricke verweist darauf, dass in den vergangenen drei Wochen Wochen in Gestorf und in Vardegötzen ein Tier gesehen und auch fotografiert worden ist, das genau aussieht wie ein Wolf.

Von Kim Gallop

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