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Nachrichten Qualitätsverbesserung für Kinderbetreuung gewünscht
Umland Pattensen Nachrichten Qualitätsverbesserung für Kinderbetreuung gewünscht
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15:51 19.06.2018
Sprechen über die Folgen der Beitragsfreiheit: Ramona Schumann (von links), Belit Onay, Eleni Kyriazaki, Sandra Stets, Annette Köppel und Regina Liedtke. Quelle: Kim Gallop
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Pattensen

Darüber, dass Eltern künftig für den Kindergartenbesuch ihrer Kinder keine Gebühren mehr zahlen müssen, freut sich wohl fast jeder. Das neue Kita-Gesetz, das vom niedersächsischen Landtag in dieser Woche verabschiedet werden soll, bringt aber auch Probleme mit sich. Um vor Ort zu erfahren, wie sich das Gesetz auswirken kann, war am Dienstag der Landtagsabgeordnete Belit Onay im Mehrgenerationenhaus (MGH) in Pattensen zu Gast.

Der in Hannover lebende Onay gehört seit 2013 als Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen dem Niedersächsischen Landtag an. Er wurde begleitet von Sandra Stets (Grüne), Mitglied im Rat der Stadt Pattensen, sowie Eleni Kyriazaki (Grüne), Mitglied im Ortsrat von Pattensen-Mitte. Seine Gesprächspartnerinnen waren Bürgermeisterin Ramona Schumann (SPD), Annette Köppel, die Geschäftsführerin des MGH-Trägervereins Mobile, und Regina Liedtke, Leiterin der Kita im MGH – einer von zwei Mobile-Kitas.

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Köppel sagte, es sei richtig, „Kitas als Ernst zu nehmende Bildungseinrichtung mit den ebenfalls beitragsfreien Schulen gleich zu setzen“. Aber bei aller Freude über eine finanzielle Erleichterung für Eltern, war sich die Gesprächsrunde einig, dass das Kita-Gesetz zu eilig zusammengeschustert wurde und handwerkliche Mängel aufweist. Köppel, als Vertreterin eines Kita-Trägers, fragte: „Wie sollen wir die Kalkulation für dieses und nächstes Jahr machen? Es gab keine Informationen.“ Ihr Verein habe einen Defizitausgleich mit der Stadt Pattensen vereinbart. „Wir kommen also an unser Geld.“ Doch der Ausgleich erfolge immer im Nachhinein, der Träger müsse in Vorleistung gehen. Und durch den künftigen Wegfall der Elternbeiträge steige die Summe.

Bürgermeisterin Schumann berichtete, dass die Stadt derzeit für die Kinderbetreuung –Krippe, Kindergarten, Hort und Tagespflege – etwa drei Millionen Euro im Jahr ausgibt. Sie rechnet als Folge der Beitragsfreiheit mit einem steigenden Bedarf und mit zwischen 250 000 und 400 000 Euro an Mehrkosten im Jahr für die Stadt. „So sind zum Beispiel die wachsenden Personalkosten nicht abgedeckt.“

Laut Onay hätten sich die Grünen gewünscht, dass das Land Geld in die Qualitätsverbesserung der Kinderbetreuung investiert. Das könne einerseits durch eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels passieren. Außerdem sollte für die Ausbildung der Betreuer kein Schulgeld mehr erhoben und die Bezahlung verbessert werden. Das könnte auch die Suche nach Betreungskräften erleichtern.

Qualitätsverbesserung sei auch bei der Betreuung im Rahmen der Ganztagsschule nötig, sagten Schumann und Köppel. „Das ist ein Zwei-Klassen-Modell“, bekräftigte Köppel. Im Hort oder auch in der Kita seien für bis zu 20 Kinder mindestens zwei Fachkräfte zuständig, in der Ganztagsbetreuung könne sich eine nicht ausgebildete Betreuungskraft um bis zu 28 Kinder kümmern „Die Regelungen, die wir haben, gehen am Bedarf, am Leben, vorbei“, kritisierte Schumann. Und nannte als ein Beispiel die Regelung, dass der Hort die Schulräume nicht nutzen dürfe und die Schule nicht die Räume für einen Hort. „Das bedeutet für die Kommune, doppelte Räumlichkeiten zu schaffen. Das ist eine Riesenbaustelle.“ Sie befürchtet, dass weitere Neuerungen im Kita-Gesetz ebenfalls Probleme bereiten werden: die Verlagerung der Sprachförderung in die Kitas und der größere Spielraum der Eltern bei der Einschulung. „Das sind drei Änderungen in kurzer Zeit und alles zum 1. August“, sagte sie. „Da sind keine verlässlichen Prognosen mehr möglich.“

Onay, der auf seiner Informationstour auch Kitas in Uetze und Hannover besucht hat, dankte seinen Pattenser Gesprächspartnerinnen „für die spannenden Einblicke“ zum Thema Kinderbetreuung: Er habe einige neue Einblicke für die politische Arbeit gewonnen. Aber auch privat, ergänzte er – und erntete verständnisvolles Gelächter. Schließlich ist der Landtagsabgeordnete vor sieben Wochen Vater geworden.

Von Kim Gallop