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00:15 30.03.2015
Von Christian Purbs
Per Mertesacker vor seiner alten Eisdiele an der Marienstraße in Pattensen. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Pattensen

Ein paar Titel hat Per Mertesacker in seiner Karriere schon gesammelt. Mit Werder Bremen und dem FC Arsenal London wurde der Fußballprofi Pokalsieger, und, na klar, mit der deutschen Nationalelf im vergangenen Sommer in Brasilien Weltmeister. Einen Titel oder Pokal gab es für den 30-Jährigen Freitag in seiner Heimatstadt Pattensen zwar nicht, dafür jedoch eine Auszeichnung, über deren Bedeutung Mertesacker gar nicht hätte sprechen müssen.

Bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde von Pattensen ist Mertesacker zu Tränen gerührt. Alles dazu lesen Sie hier.

Wie sehr ihn die Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt bewegte, war bei der Feier im Vereinsheim des TSV Pattensen nicht zu übersehen. „Die Laudatoren sind sehr bedeutend für mich. Und ich liebe es auch, die Freude zu zeigen. Freudentränen mag ich ganz besonders“, sagte der ehemalige Profi von Hannover 96 nach der Feier. Dann spüre man einfach, dass es echt sei. „Es ging mir sehr nahe und deswegen bin ich sehr glücklich.“

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Von Kindergarten bis Bolzplatz: Pattensens neuer Ehrenbürger, Fußball-Weltmeister Per Mertesacker, hat der HAZ seine Heimatstadt gezeigt.

Ehrenbürger ist Mertesacker seit Freitag, ein erstklassiger Botschafter für Pattensen hingegen bereits seit langer Zeit. Normal, bodenständig, das sind die Begriffe, mit denen seine Freunde und Weggefährten ihn beschreiben. Mit seiner Frau und den zwei Kindern genießt der Fußballprofi des FC Arsenal London das Leben in der englischen Metropole und ist dennoch froh, wenn er ein paar Tage in der Heimat verbringen kann. „Die Enge und die Schnelllebigkeit in London ist manchmal auch bedrückend. Hier ist es so viel entspannter, hier läuft alles familiär ab. Pattensen ist für mich ein Rückzugsort“, sagt Mertesacker.

In der kleinen Stadt ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen, hier hat er zum ersten Mal gegen den Ball getreten. „Als Kind hier aufzuwachsen, das ist einfach klasse. In der Nähe die Großstadt, und trotzdem auf dem Land: besser geht’s doch nicht.“ Natürlich sei er heimatverbunden, sagt Mertesacker: „Auch wenn ich in Hannover geboren bin und in London lebe: Pattensen ist mein Fixpunkt.“ Seine Eltern wohnen immer noch in der Stadt, seine Brüder seien hier stark verwurzelt, erzählt der 30-Jährige. „Das ist wichtig für mich, meine Familie ist die Basis. Wenn ich mich wohlfühle, ist alles in Ordnung.“

Der Bolzplatz am Rodelberg

„Hier wurde so manche Schlacht geschlagen. Hier ist der Ehrgeiz geboren.“ Per Mertesacker steht zwischen den Fußballtoren aus Metall auf der von Maulwurfshügeln übersäten kleinen Wiese ganz am Ende des Redener Wegs, die schon damals für die Kinder aus der Umgebung der Bolzplatz war. Früher hatten die Tore Holzpfosten, und die kleine Hütte am Rand sei auch noch nicht da gewesen, sagt der Pattenser und blickt sich um. „Der Rodelberg nebenan, die Tore, der Platz: Es kommt mir alles so klein vor, früher habe ich das alles als riesengroß empfunden.“ Weit hatte er es nicht, sein Elternhaus ist nur ein paar Hundert Meter entfernt. Oft wurden hier auch Kindergeburtstage gefeiert, erinnert sich der 30-Jährige. „Dann haben wir den Ball rausgeholt, und los ging’s.“ Für den Weltmeister war der Bolzplatz auch ein Ort, an dem man sich „optimal die Zeit vertreiben konnte. Wir waren draußen in der Natur, haben gekickt und hatten Spaß. Herrlich.“ Nur an eine Tradition, die mit diesem Ort verbunden ist, denkt Mertesacker nicht allzu gerne zurück. „Der Bolzplatz war auch der Startpunkt für die sonntägliche Laufeinheit mit der Familie. Von hier aus sind wir in den Redener Wald gelaufen. Das gehörte einfach dazu, das war okay.“

Eisdiele in der Marienstraße

Diese Kombination gefällt den Grundschülern in Pattensen auch heute noch. Direkt gegenüber vom Eingang der Grundschule liegt das Eiscafe, das schon in der Kindheit von Mertesacker ein beliebter Treffpunkt für Kinder und Jugendliche war. „Das hieß früher anders. Wir haben uns nach der Schule getroffen und sind dann rüber zur Eisdiele. Eine Zeit lang sind wir hier auch regelmäßig Rollerskates gefahren“, sagt der Arsenal-Profi, der schon als Elfjähriger vom TSV Pattensen zu Hannover 96 wechselte. Deshalb blieb ihm neben dem Training und den Spielen am Wochenende nicht allzu viel Zeit, die er mit seinen Kumpels vor der Eisdiele verbringen konnte. „Der Fußball war für mich ein guter Grund, um nicht überall stehen zu bleiben, nicht immer mit den ganz coolen Jungs abzuhängen und zum Beispiel nicht mit dem Rauchen anzufangen.“ Stattdessen gönnte er sich lieber ein Eis. Lieblingssorte: Stracciatella.

Grundschule in der Marienstraße

An Aufführungen kommt man in der Grundschule kaum vorbei, zumindest eine Rolle beim Weihnachtsmärchen oder Theaterstück bleibt an fast jedem Grundschüler hängen. Mertesacker spielte sogar die Hauptrolle. „Wir haben einmal das Stück vom Hasen und Igel aufgeführt. Ich war der Hase. Ich musste viel rennen und nicht allzu viel sagen. Das hat Spaß gemacht“, erzählt der Pattenser, der schon damals viel größer war als die meisten seiner Mitschüler. „Es gab wirklich Kinder, die Angst vor mir hatten und manchmal sogar geweint haben. Das war mir sehr unangenehm.“ Hatte auch er mal Bammel, etwa vor der ersten Klassenfahrt? „Wir sind nach Torfhaus in den Harz gefahren. Das hat mich nicht geschockt, weil meine Eltern aus dem Harz kommen und ich die Gegend kannte. Insofern war es kein Problem für mich, zum ersten Mal allein von zu Hause weg zu sein. Die bergige Landschaft, die Natur, das war schon immer mein Ding.“

Kindergarten „Die Rappel Kiste“

„Da konnte man schon sehen, wo es danach hingeht.“ Auf dem Weg zu seinem früheren Kindergarten zeigt Mertesacker auf das gegenüberliegende Gebäude, die Grundschule in Pattensen. Doch allzu eilig hatte er es damals nicht, denn in der „Rappel Kiste“ fühlte er sich gut aufgehoben. „An diese Zeit habe ich gute Erinnerungen. Es gab die ersten Freundschaften, auch mit den Mädchen“, sagt der Familienvater, der zwei Kinder im Alter von drei Jahren und elf Monaten hat, und schmunzelt. An den Namen der Kindergärtnerin könne er sich noch erinnern, „das war Frau Meier, sie war für viele Kinder eine Ersatzmama. Und ich war in der Gruppe 1. Passt doch, oder?“ Kurz darauf kommt eine Kindergärtnerin mit ihrer Gruppe aus dem Gebäude. „Ja, die Gruppe 1 gab es damals. Heute heißt sie jedoch Schnecken-Gruppe“, sagt die Erzieherin. Mertesacker kann sich das Lachen nicht verkneifen. Auf dem Fußballplatz hat der Weltmeister viele Qualitäten, Schnelligkeit gehört jedoch nicht dazu. Passt doch.

Die Ernst-Reuter-Schule

Ein kurzer Blick über den Schulhof, dann biegt Mertesacker sofort nach rechts ab. Zur Turnhalle, na klar. Unten im Gang hängt an der Pinnwand ein Zeitungsausschnitt über ihn, das Bild zeigt den Weltmeister in Brasilien mit dem goldenen Pokal in der Hand. Von der Tribüne aus schaut er ein paar Kindern zu, die in der Halle aufs Tor kicken. So wie er früher bei unzähligen Hallenturnieren und Sportstunden. „Sport war ganz klar mein Fach Nummer 1. Aber ich war trotzdem ein ordentlicher Schüler. Besonders interessiert haben ihn die Fächer Werte und Normen, Geschichte und Geografie, „da hatte ich immer gute Noten, das habe ich extra nachgeschaut“, erzählt der 30-Jährige, der sein Abitur auf der KGS in Hemmingen machte, auf der KGS in Pattensen wurde die Sekundarstufe 2 erst später eingeführt. Einen Lieblingslehrer oder eine Lieblingslehrerin habe er nicht gehabt, sagt Mertesacker. „Ich habe von jedem Lehrer etwas mitgenommen, sowohl positiv, als auch negativ.“ Und nach dem Unterricht ging es ganz schnell wie möglich nach draußen. „Die Pausengestaltung war strikt auf Bolzen ausgelegt. Schnell aus dem Klassenzimmer raus, um als Erster auf dem Platz zu sein, damit man ins bessere Team kommt“, berichtet der Pattenser, der als Profi von Arsenal London mit seiner Familie in der englischen Metropole lebt. Dort bekommt er auch ab und an Besuch von Schulfreunden. „Einige haben mich ja bis zum Abitur begleitet. Da meine Eltern noch hier in Pattensen wohnen, bekomme ich viel mit und weiß, was die Jungs so machen.“

Der Sportplatz des TSV Pattensen

Mertes Acker! Auf der Wand links neben dem Eingang des Sportplatzes steht unübersehbar, worauf sie hier beim TSV Pattensen besonders stolz sind. Gespielt hat Per Mertesacker auf der Anlage des TSV Pattensen zum letzten Mal als Elfjähriger vor seinem Wechsel zu 96 in der D-Jugend, mit Fußball- oder Laufschuhen ist der 30-Jährige auf der Anlage nur unterwegs, wenn er sich im Sommer auf die Saison mit dem FC Arsenal vorbereitet. Doch das stört hier niemanden. Und Mertesacker schon mal gar nicht. „Warum sollte ich damit ein Problem haben? Es gefällt mir gut, dass mein Name hier so zelebriert wird.“ Gefeiert wird beim TSV Pattensen ab und an auch ein anderer Mertesacker: Bruder Timo spielt für den Landesligisten, wenn Per zu Besuch ist, schaut er gerne zu. An seine aktive Zeit in der Pattenser Jugend kann sich der Profi kaum erinnern. „Ich weiß nur, dass ich, weil ich größer war als die anderen, eine Jahrgangsstufe höher gespielt habe und nur zu den wichtigen Spielen wieder runter gegangen bin. Wir haben aber auch einfach so hier in der Jugend viel Freizeit verbracht. Ohne Leistungsdruck, einfach weil wir Lust hatten. Es ist für mich ein super Ort mit wunderbaren Erinnerungen.“ Und gestern, als Mertesacker im Vereinsheim des TSV zum Pattenser Ehrenbürger ernannt wurde, ist noch ein ganz besonderer Moment hinzugekommen.

Per Mertesacker hat unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf Schloss Marienburg geheiratet.
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