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Pattensen Betrüger wollte Seniorin Geld abnehmen
Umland Pattensen Betrüger wollte Seniorin Geld abnehmen
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00:18 22.04.2019
Vor dem Amtsgericht Springe wird verhandelt. Quelle: Andreas Zimmer
Pattensen/Springe

In einem groß angelegten Trickbetrüger-Komplex hat ein 29-jähriger Laatzener, der zuvor in Pattensen lebte und dort auch noch arbeitet, eine Rolle gespielt. Der Mann wollte 4000 Euro von einer älteren Dame abholen, die sie auf Anweisung von falschen Polizisten vor ihrer Haustür deponiert hatte. Der versuchte Betrug flog kurz vor der Übergabe auf, echte Beamte nahmen den Betrüger fest. Wegen Beihilfe wurde er nun vor dem Springer Amtsgericht zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt und muss 500 Euro an die Landeskasse zahlen.

Das Opfer, eine betagte Frau aus Göttungen, bekam den Trick-Anruf offenbar von dem Drahtzieher, der aus Deutschland ausgewiesen wurde und heute in der Türkei lebt. Es drohe ein Überfall auf ihre Bank, sagte der zu der erschrockenen Frau. Sie solle 4000 Geld von ihrem Konto abheben und in einem Strandkorb vor ihrer Haustür abstellen. Die Polizei würde das Geld für sie sicher verwahren, log der Anrufer. Zudem dürfe sie auf keinen Fall den Telefonanruf unterbrechen. Die Dame tat wie ihr geheißen und hob das Geld ab. Zu ihrem Glück machte aber der Akku ihres Handys schlapp, und das Gespräch brach ab.

Als sie daraufhin die Telefonnummer 110 wählte, hatte sie die wirkliche Polizei am anderen Ende, die ihr sofort Beamte nach Hause schickten. Die tauschten das Geld gegen Papier aus und legten die vermeintliche Beute in einem Stoffbeutel in den Strandkorb. Als der Betrüger die Tüte griff, gaben sich die Beamten zu erkennen. Der 29-Jährige flüchtete noch ein paar hundert Meter mit der Tasche, dann ergab er sich.

Er habe von einem Mann einer befreundeten Familie den Auftrag bekommen, Geld von einem Schuldner abzuholen, sagte der Verteidiger des Angeklagten jetzt bei der Verhandlung im Amtsgericht. Beide Familien gehörten dem jesidischen Glauben an, so der Verteidiger. Da der Auftraggeber ein Geistlicher sei und einer höheren Kaste angehöre, habe sein Mandant nicht gezögert, zu helfen. Da er selbst keinen Führerschein besitze, sei ein dritter Mann gefahren. Den Namen dieses Mannes wollte der Angeklagte im Prozess aber nicht nennen, auch andere Nachfragen des Gerichts waren nicht zugelassen. Kurz vor Erreichen des Ziels, so berichtete der Verteidiger weiter, habe es dann einen weiteren Anruf und die Mitteilung gegeben, der Schuldner sei nicht zu Hause und würde das Geld im Strandkorb hinterlegen.

Angeklagter will von Betrug nichts gewusst haben

Dass er das Geld tatsächlich genommen habe, stellte der Angeklagte nicht in Abrede, von einem versuchten Betrug wollte er aber nichts gewusst haben. Ein Ermittler aus Hannover, der als Zeuge geladen war, sprach mit Blick auf den Angeklagten von einem Bauernopfer. Die Sache sei in großem Stil organisiert, gesteuert von einem Mann in der Türkei. Inzwischen habe es schon andere Verfahren in diesem Komplex gegeben.

Die Staatsanwältin sah es als „in höchstem Maße perfide an, eine alte Frau um ihre Ersparnisse bringen zu wollen“. „Das ist eine schändliche Geschichte“, sagte sie. Ihrem Antrag auf eine achtmonatige Bewährungsstrafe folgte die Strafrichterin. Weil der Angeklagte gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt hatte, war es zu dem Verfahren gekommen. Sein Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert.

Von Annegret Brinkmann-Thies

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