Pattensen: BUND Pattensen will Randstreifen für Insekten erhalten
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Pattensen Brut- und Setzzeit endet: BUND will Randstreifen für Insekten erhalten
Umland Pattensen

Pattensen: BUND Pattensen will Randstreifen für Insekten erhalten

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16:09 06.07.2020
Weiße Pracht: Am Straßenrand blühen Schafgarbe und Wilde Möhre. Quelle: Sibylle Maurer-Wohlatz
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Pattensen/Koldingen

Die Brut- und Setzzeit in Niedersachsen dient dem Schutz von Bodenbrütern, jungen Feldhasen, Rehkitzen und auch Insekten und Pflanzen. Die BUND Ortsgruppe Pattensen fürchtet, dass nach dem Ende der dreieinhalb Monate dauernden Brut- und Setzzeit großer Schaden entstehen könnte. Denn die Ortsgruppe hat nach Auskunft von Sibylle Maurer-Wohlatz über mehrere Jahre hinweg beobachtet, dass gleich nach Ende der Schonfrist zeitgleich alle Wegraine – die Grasstreifen am Weg-, Feld- und Straßenrand – gemäht werden.

Landwirte, Stadt und Straßenbehörde im Gespräch

Der BUND will Landwirte, aber auch Vertreter der Kommunen sowie der Straßenbehörden für das Problem sensibilisieren. Deshalb lädt der BUND in der kommenden Woche in Pattensen zu einem Runden Tisch im Freien ein.

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Die Folgen der radikalen Mähaktionen seien schwerwiegend, sagt Maurer-Wohlatz, die Naturschutzbeauftragte für Pattensen ist. „Damit werden innerhalb weniger Tage die für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten wichtigen Nahrungspflanzen sowie der Lebensraum vieler Insekten wie Heuschrecken, Käfer und Raupen zerstört.“

Die Brut- und Setzzeit, die in ganz Niedersachsen am 1. April begonnen hat, endet am Mittwoch, 15. Juli. Während der Schonfrist müssen nicht nur Hunde in der freien Landschaft angeleint werden, sondern dürfen Bäume, Hecken und Wiesen nur eingeschränkt gestutzt und gepflegt werden.

Wertvolle Blühpflanzen sind selten und fehlen als Nahrung

Der BUND hat beobachtet, dass wertvolle Blühpflanzen wie Klatschmohn, Schafgarbe, Wegwarte, Wilde Möhre oder Kornblume auf den Randstreifen an Straßen und Feldern immer seltener geworden sind. Sie boten früher Insekten reiche Nahrung und boten Tierarten wie Rebhuhn, Feldlerche oder Hase Schutz und Nahrung. „Zudem sind Insekten nicht nur als Bestäuber von vielen Wild- und Kulturpflanzen von herausragender Bedeutung“, ergänzt Maurer-Wohlatz. „Ohne sie gäbe es keinen Apfel am Baum.“ Sie bieten Nahrung für viele bedrohte Vogelarten in der Feldmark sowie Schwalben und Mauerseglern.

Vertreter des BUND haben beim Abfahren vieler Wegraine festgestellt, dass nicht nur die Wildblumen verschwunden sind, sondern dass sich stattdessen eintönige nährstoffliebende Gräser ausgebreitet haben. „Auch hier sind Lösungen gefragt, damit sich die Wegränder wieder vielfältiger entwickeln.“

Die Naturschutzbeauftragte weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im Bundesnaturschutzgesetz die Pflege der Wegraine und des Straßenbegleitgrüns vorgeschrieben ist. Die Bedeutung dieses Wegenetzes für den Artenschutz dürfe nicht unterschätzt werden. „Allein in Niedersachsen gibt es an mehr als 16.000 Kilometern ländlicher Wege Randstreifen, die ein großes Potenzial für die Artenvielfalt bieten könnten“, sagt sie, „wenn sie denn entsprechend geschützt und gepflegt würden.“

Runder Tisch trifft sich im Freien

Der BUND Pattensen ruft jetzt alle Akteure – Naturschutzverbände, Landwirtschaft, Naturschutzbehörden in Landkreisen, Städten und Gemeinden und Landschaftspflegeverbände – dazu auf, zusammen zu arbeiten, um die Funktion der Wegränder wiederherzustellen und dauerhaft zu sichern.

Als erster Anstoß ist für Mittwoch, 8. Juli, 11 Uhr, in Koldingen ein Runder Tisch im Freien geplant. Dann sollen sich an der Koldinger Streuobstwiese unweit des Reitervereins Betroffene und Interessierte austauschen. Eingeladen sind der Bezirkslandwirt für Pattensen, die Vorsitzenden der Realverbände, Vertreter der Stadt Pattensen, der Straßenmeisterei in Ronnenberg, der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie der Jägerschaft.

Von Kim Gallop