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Pattensen Die Hundeflüsterin von Jeinsen gibt misshandelten Tieren neuen Mut
Umland Pattensen

Pattensen: Bei der Hundeflüsterin Carola Dierkes aus Pattensen-Jeinsen fassen misshandelte Tiere neuen Mut

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18:06 05.08.2019
Carola Dierkes hat ein großes Herz für Hunde und bietet verängstigten Tieren aus dem Ausland ein neues Zuhause. Quelle: Stephanie Zerm
Jeinsen

Carola Dierkes braucht keine Klingel. Und Angst vor Einbrechern muss sie auch nicht haben. Denn die 54-Jährige hat eine gut funktionierende Alarmanlage aus zehn hochsensiblen Hundeohren im Haus in Jeinsen. Ihre fünf Mischlinge merken sofort, wenn jemand vor der Tür steht und schlagen Alarm. Zwei Hunde gehören ihrer Mutter, zwei ihr selbst. Einen Hund hat sie vorübergehend zur Pflege aufgenommen – sie setzt sich für Hunde in Not ein und gibt denen ein Zuhause, die sonst keiner haben will.

In den vergangenen zwölf Jahren hat sie insgesamt 42 Hunde aus Notlagen gerettet. Die meisten davon hat Dierkes vorübergehend für verschiedene Tierschutzorganisationen aufgenommen und an liebevolle Besitzer weitervermittelt. Gemeinsam mit ein paar Gesinnungsgenossen aus verschiedenen Ländern hat sie die Gruppe Freunde für Tiere in Not gegründet. „Wir unterstützen Tierschützer im Ausland dabei, Hunde aus Notlagen zu befreien und sie an Familien in Deutschland zu vermitteln“, erläutert Dierkes.

Bei Carola Dierkes fühlen sich die Tiere wohl. Quelle: Stephanie Zerm

Das Leid der Hunde im Ausland ist oft sehr groß

Die meisten Tiere stammen aus Rumänien, Spanien und Kroatien. „Sie tun mir furchtbar leid, daher will ich ihnen helfen“, sagt die Jeinserin. Denn Tierschutz habe in diesen Ländern keinen so hohen Stellenwert wie in Deutschland. „Viele setzen ihre Hunde dort aus, sodass sie auf der Straße leben müssen.“ Und die öffentlichen Tierheime seien oft so überfüllt, dass es zu ernsthaften Beißereien mit schweren Verletzungen komme, weil die Tiere nicht separiert werden könnten. „Den Hunden im Ausland geht es im Gegensatz zu denen in deutschen Tierheimen sehr schlecht, sie leben oft in viel zu kleinen Käfigen und kommen nie raus.“

Hinzu komme, dass Hunde in ausländischen Tierheimen oft getötet würden, wenn die Einrichtungen überbelegt seien und sich die betreffenden Tiere nicht gleich vermitteln ließen. Dabei seien dies meist Hunde, für die es in Deutschland durchaus eine Nachfrage gebe. „Es wenden sich oft Familien an uns, die schon in allen deutschen Tierheimen in ihrer Umgebung nach einem passenden Familienhund gesucht haben“, berichtet Dierkes. „Doch sie werden dort oft nicht fündig, weil nach der bundesweiten Hundeverordnung und der Einstufung von Hunden in gefährliche Rassen dort hauptsächlich Staffordshire, Bullterriere und Co. sitzen, aber keine kleinen oder mittelgroßen Familienhunde.“

Dierkes kümmert sich um alte und ängstliche Hunde

Die Tiere, die Dierkes aufnimmt, haben in ihrem Leben schon viel Schlimmes erlebt. Sie wurden misshandelt oder ausgesetzt, von Autos überfahren oder in Tötungsstationen abgegeben. Ihr achtjähriger Rüde Arthur etwa wurde in Rumänien von einem Auto angefahren. Da sich anschließend niemand um den schwer verletzten Hund kümmerte, sind die Brüche in seinen Hinterbeinen nicht richtig verheilt. Heute humpelt er und bekommt täglich Medikamente gegen seine Schmerzen. Fremden gegenüber ist er misstrauisch, und keine zehn Pferde würden ihn dazu bewegen, jemals in ein Auto zu steigen.

„Ich kümmere mich vor allem um alte und ängstliche Hunde“, sagt Dierkes. „Bekannte bezeichnen mich schon als Hundeflüsterin, denn verängstigte Tiere tauen bei mir schnell auf und fassen wieder Vertrauen zum Menschen.“ So wie die einjährige Lumintza, genannt Lumi. Die kleine beigefarbene Mischlingshündin stammt ebenfalls aus Rumänien und wurde dort auf der Straße gefunden. Vor fremden Menschen hat sie große Angst. Bei Dierkes jedoch fühlt sie sich sicher, kuschelt mit ihr und lässt sich gern auf den Arm nehmen. Für sie sucht die 54-Jährige zurzeit ein neues Zuhause. Im Gegensatz zu den anderen vier Hunden lebt Lumi bei ihr nur so lange, bis sie der Verein, der sie aus dem rumänischen Tierheim gerettet hatte, an einen neuen Besitzer vermittelt hat.

Pflegehündin Lumi fasst zu Carola Dierkes Vertrauen. Quelle: Stephanie Zerm

Manche Pflegehunde bleiben auch für immer

Ob es ihr schwer fällt, sich von ihren Pflegehunden wieder zu trennen? „Wenn ich merke, dass die Menschen genau die Richtigen für den Hund sind und er ein tolles neues Zuhause bekommt, ist es für mich okay, ihn gehen zu lassen“, sagt Dierkes. Darüber, ob ihre Pflegehunde an einen Interessenten vermittelt werden, könne sie mitentscheiden. Und zu den neuen Besitzern hält sie generell Kontakt, um stets zu wissen, wie es den Tieren geht. Klappt es nicht, nimmt sie ihre Schützlinge jederzeit zurück.

So wie die braun-weiß-gefleckte Aila. Die kleine Hündin wurde zunächst an neue Besitzer vermittelt. Dort lief die Mischlingshündin jedoch wieder weg. „Ich habe zwei Tage lang nach ihr gesucht“, berichtet Dierkes. „Als sie dann endlich wieder aufgetaucht war, war sie so froh, mich zu sehen, dass ihr ganzer kleiner Körper gebebt hat. Da konnte ich sie einfach nicht wieder hergeben.“ Ebenso wenig wie die braune Livia, die auch zunächst nur als Pflegehund bei ihr eingezogen war. „Sie war so ängstlich, dass ich gleich ein schlechtes Gefühl hatte, sie jemandem anderen anzuvertrauen“, sagt Dierkes. „Daher habe ich sie auch behalten.“

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