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Pattensen Ende eines Gartenidylls: Region lässt Häuser abreißen
Umland Pattensen Ende eines Gartenidylls: Region lässt Häuser abreißen
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17:57 28.03.2019
Noch genießen sie die Zeit in ihrem Garten: Peter und Heidrun Ziese.
Noch genießen sie die Zeit in ihrem Garten: Peter und Heidrun Ziese. Quelle: Tobias Lehmann
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Pattensen-Mitte

 Das Ehepaar Peter und Heidrun Ziese hatte sich auf einen schönen Lebensabend in ihrem Garten an der Straße Am Pfingstanger in Pattensen gefreut. Doch daraus wird möglicherweise nichts. Die Region Hannover hat den Abriss von illegal errichteten Bauten auf 16 Grundstücken in Pattensen angekündigt. Dazu gehört auch der rund 1300 Quadratmeter große Garten, den das Ehepaar seit 20 Jahren gepachtet hat.

Keine Genehmigung für Anlagen Koldinger Straße/Pfingstanger

Betroffen sind elf Grundstücke an der Koldinger Straße und fünf Am Pfingstanger. Regionssprecher Klaus Abelmann teilt mit, dass es auf den Grundstücken eine Vielzahl von Anlagen gebe, „für die Baugenehmigungen nicht festgestellt werden konnten“. Die Region habe deshalb ein sogenanntes Beseitigungskonzept erarbeitet mit dem Ziel, sämtlichen Bauten zu entfernen.

Das Ehepaar Ziese ist entsetzt. „Auch für unseren fünfjährigen Enkel ist das hier ein toller Ort zum Spielen“, sagt Heidrun Ziese. Ihr Mann Peter hat gerade eine Krebsoperation überstanden und geht jetzt in den Ruhestand. „Wir haben den Garten bereits so gestaltet, dass ich mich hier nach der anstregenden Operation erholen kann. Es ist eine kleine grüne Oase“, sagt er. Ziese freut sich bereits auf die Singvögel, die sich jedes Jahr auf der von dem Paar angelegten Totholzhecke niederlassen.

„Nun müssen wir das gesamte Grundstück auf eigene Kosten wieder in den Urzustand versetzen“, sagt Ziese. Die Laube stehe bereits seit 50 Jahren auf dem Grundstück. „Für die müssen wir nicht aufkommen. Doch auch wir haben hier einiges installiert, unter anderem Stromleitungen und eine elektrische Wasserpumpe“, sagt Ziese.

Regionssprecher Abelmann weist darauf hin, dass das Vorhaben der Region Hannover bereits jetzt Widersprüche und Klagen ausgelöst habe. „Das Verfahren wird sich über einen langen Zeitraum hinziehen“, sagt er. Für das Ehepaar Ziese ist das allerdings keine Erleichterung. „Wir können hier nichts mehr machen. Ursprünglich wollten wir noch ein Hochbeet anlegen und Spielgeräte für unseren Enkel aufstellen“, sagt Heidrun Ziese.

Mehr als 100 Jahre alte Gebäude gelten nun als illegal

Große Hoffnung, dass die von der Region Hannover verordneten Verfügungen noch aufgehoben werden, gibt es nicht. Einige der betroffenen Grundstücksbesitzer hatten sich an die Stadt gewandt und um nachträgliche Aufstellung eines Bebauungsplans gebeten. Doch der Erste Stadtrat Axel Müller erläuterte in der Sitzung des Ortsrats Ende Februar, dass dies nicht ausreiche. Die alten Häuser entsprächen nicht mehr den aktuellen Bauvorschriften. Ortsbürgermeister Günter Bötger (CDU) sagte, dass er gemeinsam mit der Stadtverwaltung bereits nach einer Lösung gesucht habe, jedoch keine sehe. „Mir ist es auch unverständlich, dass teilweise mehr als 100 Jahre alte Gebäude plötzlich als illegal gelten und abgerissen werden sollen. Doch das Gesetz ist so“, sagte er.

Das Ehepaar Ziese ist enttäuscht: „Wir leben seit mehr als 20 Jahren in Pattensen. Doch das wäre ein Grund, wieder zurück in unsere Heimat in Mecklenburg-Vorpommern zu ziehen.“

Lesen Sie hier: So sieht es der Ortsrat

Wird dieser Garten bald aufgelöst? Quelle: Tobias Lehmann

Von Tobias Lehmann