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Pattensen Gefeiert wie ein Superstar: So sieht die Arbeit von KGS-Hausmeister Krause aus
Umland Pattensen

Pattensen: Eine Stunde in Pattensen mit Schulhausmeister Waldemar Krause

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18:08 27.12.2019
Den jungen Leuten Gehör schenken, das ist das, was Hausmeister Krause sehr gerne macht. Und dafür bekommt er weit und breit Anerkennung. Quelle: Marian Prill
Pattensen

„Herr Krause, für Sie mache ich alles”, ruft ein Mädchen und nimmt auf der Bank vor dem Eingangsbereich der Ernst-Reuter-Schule (KGS) Pattensen fürs Foto Platz. Als ihre Mitschülerinnen gefragt werden, wie sie zu jenem Mann stehen, der sich gerade auf der anderen Seite des Tisches niederlässt, wird es laut. Sehr laut.

Die Geräuschkulisse ähnelt der eines Fanauflaufs, wenn Superstars die Bildfläche betreten. In diesem Fall ist der Superstar ein Hausmeister und heißt mit vollständigem Namen Waldemar Krause. Der 63-Jährige zeigt sich sichtlich gerührt vom Zuspruch seines Gegenübers und beantwortet geduldig die Fragen der jungen Leute. Dann verabschiedet er sich freundlich und setzt die tägliche Routine im Schulgebäude fort.

Dabei erzählt er: „Morgens brauche ich etwa 30 Minuten, um hier alle Türen aufzuschließen.” Damit bahnt er etwa 100 Lehrern und 1000 Schülern den Weg zum täglichen Unterricht. Wenn er abends vor der umgekehrten Aufgabe steht, alle Türen wieder zu verriegeln, bekommt er häufig Unterstützung von seiner Frau.

Der Arbeitsplatz des Hausmeister: Aus seinem Büro hat Hausmeister Krause einen guten Blick auf das Schultreiben. Quelle: Marian Prill

Vom Sofa zum Arbeitsplatz in Sekunden

Der Weg zum Arbeitsplatz ist kaum der Rede wert. Denn vom heimischen Sofa bis zur Sporthalle benötigt Krause nur ein paar Sekunden. Eine Mauer trennt Privatsphäre und Arbeitsumgebung, Wohnzimmer und Turnhalle. Würde er ein tiefes Loch in seine Wohnzimmerwand bohren, könnte er den Sportlern bei ihren Aktivitäten zusehen.

Apropos Mauer: 1987 flüchtete Waldemar Krause mit seiner Familie aus dem polnischen Ratibor nach Westberlin. „Die politische Lage war recht angespannt”, erinnert er sich. Mit wenig Gepäck kamen er und seine Familie in der Hauptstadt an.

Hausmeister ist kein Von-Neun-bis-Fünf-Job

Als Mitdreißiger voller Elan fand Krause schnell Anschluss im neuen Umfeld – im wahrsten Sinne des Wortes. Er arbeitete einige Jahre für die Berliner Verkehrsbetriebe, merkte aber schnell, dass ein gewöhnlicher Von-Neun-bis-Fünf-Job nicht das Richtige für ihn war. Waldemar Krause, der von vielen Lehrern und Ehemaligen auch „Waldi” genannt wird, wollte mehr.

Vor allem mehr Selbstbestimmung im Arbeitsleben. Die fand er, als er im zweiten Anlauf in Pattensen eingestellt wurde. Die erste Bewerbungsrunde entschied ein anderer für sich, warf dann aber schnell das Handtuch. Durch Zufall fiel Krause bei einem Familienfest in Garbsen eine Zeitung in die Hand und eine Annonce ins Auge, die dieselbe Stelle erneut anbot. Krause meldete sich im Personalamt der Stadt Pattensen und bekam letztlich den Zuschlag.

Serie: „Eine Stunde mit ...“

Tafelhelferin, Künstlerin, Landwirt oder Polizist: In unserer Winterserie „Eine Stunde mit ...“ wollen wir die Pattenser zum Gespräch bitten, sie kennenlernen und ihre Geschichten erzählen. Wir treffen Menschen in ihrem beruflichen Umfeld und zu Hause, wollen herausfinden, wie sie leben und was sie machen. Unsere Reporter sind den ganzen Winter lang unterwegs, um eine interessante, aufschlussreiche und spannende Stunde mit ihnen zu verbringen.

Verbindung zu ehemaligen Schülern bleibt

Das Auf- und Abschließen der Schule seien nur ein Bruchteil seiner Arbeit, sagt er. Die Aufgaben sind vielfältig, die Anforderungen anspruchsvoll. 35 Anrufe täglich seien Standard: „Wo findet der Elternabend statt? Firma XY hat den Auftrag, Reparaturen durchzuführen und benötigt Instruktionen. Mein Sohn hat beim Sport den Turnbeutel vergessen. Wurde er abgegeben? Herr Krause können Sie mal hier? Waldi, kannst du mal da?”

Hausmeister Krause freut sich darüber, bei den Schülern beliebt zu sein. Diese Reputation hat er sich in knapp drei Jahrzehnten als Hausmeister an der heutigen KGS aufgebaut. Quelle: Marian Prill

Mal hat die Stadt Pattensen eine Nachfrage, mal die Region Hannover eine Bitte in Bezug auf die Calenberger Schule. Auch um diese kümmert sich Krause. Und als wenn das nicht genug wäre, trainiert Waldemar Krause Nachwuchs-Fußballer. Früher auch bei Hannover 96. Weltmeister Peer Mertesacker profitierte vom Wissen über die Viererkette, die der Allrounder aus dem Osten mitbrachte. Die Verbindung zu seinem ehemaligen Schützling hält bis heute an. Zuletzt war Waldemar Krause zur Hochzeit des Nationalspielers eingeladen.

Waldemar Krause ist Schulhausmeister mit Leib und Seele. Er kümmert sich um kleine Anforderungen und große Probleme und hat immer ein offenes Ohr für die Schülerinnen und Schüler der KGS Pattensen.

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Von Marian Prill

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