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Pattensen Seit 40 Jahren zeigt Gerhard Dettmer Kindern den Wald
Umland Pattensen

Pattensen: Seit 40 Jahren zeigt Gerhard Dettmer Kindern den Wald

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18:49 18.07.2019
Seit 40 Jahren mit Spaß dabei: Gerhard Dettmer mit seinen Monster-Masken. Quelle: Kim Gallop
Pattensen-Mitte

„Nein, im Wald zurückgelassen haben wir noch kein Kind“, sagt Gerhard Dettmer und lacht. Seit genau 40 Jahren bietet der Pattenser für den Ferienpass seiner Stadt Nachtwanderungen im Deister unter dem Motto „Treffen wir wieder Geister?“ an. Klingt gefährlich – aber noch jedes Mal seien die jeweils gut 40 Kinder im Alter ab acht Jahren aufwärts heil wieder aus dem Wald und nach Hause gekommen, versichert der dreifache Vater und inzwischen fünffache Großvater.

Alles fing 1979 mit dem allerersten Ferienpassprogramm der Stadt an. Dettmer ist engagierter Sozialdemokrat, seit Anfang der 1980-er Jahre Mitglied im Ortsrat Pattensen, stellvertretender Ortsbürgermeister und seit Jahrzehnten Kassenwart der SPD-Abteilung Pattensen. „Wir haben im Abteilungsvorstand zusammengesessen und überlegt, was wir für den Ferienpass anbieten können“, erinnert er sich. Ein Mitglied schlug die Nachtwanderung im Deister vor und stellte den Kontakt zum damaligen Forstbeamten Müller von der Försterei Wennigsen her.

Förster Müller kannte jeden Baum

Dankbar erinnert sich Dettmer an Förster Müller. „Das war die Figur, an dessen Lippen die Kinder hingen. Der kannte jeden Baum und Strauch und konnte etwas dazu sagen.“ Dass Müller immer seinen Dackel dabei hatte, gefiel den Kindern natürlich auch. Der Förster habe die Gruppe, die immer von einem halben Dutzend erwachsenen Mitgliedern der SPD-Abteilung begleitet wurde, kreuz und quer durch sein Revier geführt. „Das würde ich mir heute nicht mehr zutrauen“, sagt Dettmer. „Es ging auch zu Ecken, in die man heute gar nicht mehr kommt oder nicht mehr darf.“

Dettmer übernahm die Leitung der Wanderung

Als Müller aus dem Dienst der Forstverwaltung ausschied, übernahm Dettmer die Leitung der Wanderungen. Stets geht es mit einem von der Stadt gestellten Bus nach Wennigsen, zum Abschluss gibt es Gegrilltes oder Hotdogs. Die Kinder sehen das Naturdenkmal „Ziegenbuche“, erfahren die Geschichte des Eltendenkmals für den im 19. Jahrhundert von Wilderern erschossenen Förster und sehen die Wasserräder. Dettmer selbst geht immer wieder mit wachem Blick auch über die für ihn so vertrauten Pfade: „Man sieht den Wald über die Jahre wachsen, das ist sagenhaft“, sagt er.

Vor der Heimfahrt nach Pattensen gibt es noch mal eine Erfrischung und eine Stärkung. Quelle: privat

Wenn dann die Dämmerung angebrochen ist, wird es erst richtig spannend. „Je dunkler es wird, desto enger scharen sich die Kinder um die Erwachsenen“, berichtet der 73-Jährige schmunzelnd. Die aufgeregten Mädchen und Jungen haben alle Taschenlampen dabei, damit sie den Weg noch erkennen. Dettmers Tipp: „Viel besser ist es, im Dunkeln nach oben zu gucken, dann orientiert man sich an den Baumwipfeln links und rechts.“

Später, wenn es dunkel wird im Wald, orientieren sich die jungen Wanderer an dem Licht zwischen den Baumwipfeln. Quelle: privat

Nach Operation mit Fahrrad im Wald dabei

Hat er denn in 40 Jahren niemals ausgesetzt? Nein, niemals. Sogar in dem Jahr, als Dettmer am Fuß operiert werden musste, ist er mit in den Deister gekommen. „Ich habe mein Fahrrad mitgenommen und bin nur einen Teil der Strecke zu Fuß gegangen.“ Einmal sei allerdings die Wetterprognose so schlecht gewesen, dass die Deister-Wanderung abgesagt wurde. Stattdessen wurden die Kinder in das Maislabyrinth von Landwirt Christian Redeker geführt und hatten dort ihren Spaß.

Das Ferienpassangebot für die Nachtwanderung im Deister Anfang August ist auch diesmal wieder ausgebucht, wie eigentlich jedes Jahr. Eine Frage wäre da aber noch zu klären: Warum steht bei der Ankündigung immer „Treffen wir wieder Geister?“

Da springt Gerhard Dettmer mitten im Gespräch auf und holt zwei gruselige Gummimasken aus seinem Gartenschuppen. Und berichtet, wie er sich am Ende der Wanderung wegschleicht, sich eine Wolfs- oder Monstermaske aufsetzt und hinter einem Baum hervor springt, um die Kinder ein bisschen zu erschrecken.

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Zu den anderen „Klassikern“ im Ferienpass von Pattensen gehört das Kochen mit Matthias Friedrichs. Das Angebot für das Ferienpassprogramm, das Jugendpflege und örtliche Vereine machen, ist über die Jahre stetig gewachsen.

Von Kim Gallop

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