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Pattensen Stadt legt Blühstreifen für Insekten an
Umland Pattensen

Pattensen: Stadt Pattensen legt Blühstreifen für Insekten an

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06:15 02.08.2019
Ramona Schumann und Dustin Opitz schauen sich den Blühstreifen an der Dammstraße in Pattensen-MItte an. Quelle: Kim Gallop
Pattensen/Schulenburg

Die Stadt Pattensen ist zufrieden mit der Entwicklung der ersten Blühstreifen, die auf städtischen Flächen angelegt wurden. Diese bieten durch ihre besondere Pflanzenmischung Wildbienen und anderen Insekten Nahrung und Schutz. Außerdem werden die Bereiche optisch aufgewertet.

Im vergangenen Spätsommer und Herbst waren die Blühstreifen auf geeigneten Flächen gepflanzt worden. Es seien unterschiedliche Saatmischungen ausgebracht worden, erläuterte Dustin Opitz, Gärtnermeister der Stadt. „Wir haben zwei Mischungsvarianten verwendet – eine, die besonders Hummeln und Bienen anzieht, und eine, die vor allem für Schmetterlinge attraktiv ist.“

Stadt möchte Flächen erweitern

Die städtischen Blühflächen liegen in Pattensen-Mitte an Dammstraße, Hiddestofer Straße, Redener Weg und Kreuzberger Straße. Außerdem sind sie in Schulenburg an zwei Standorten an der Hauptstraße, in Koldingen an der Straße Am Kälbergraben, in Reden an der Pattenser Straße und in Jeinsen an der Calenberger Straße zu finden. Die Fläche an der Dammstraße, wo Mohn, Kornblume und eine Margeritenart stehen, sei ein Paradies für Hummeln und Bienen und ein optimaler Standort, weil der Bereich den ganzen Tag über in der Sonne liegt, sagt Opitz.

Roter Mohn, blaue Kornblumen und weiße Margeriten ziehen Insekten an. Quelle: Kim Gallop

Auch Pattensens Bürgermeisterin Ramona Schumann ist von der Fläche an der Dammstraße überzeugt. „Der Schutz von Insekten ist für uns existenziell. Und der kann nur funktionieren, wenn wir es vor Ort selbst machen“, sagt sie bei einem Besuch vor Ort.

Um Wildbienen und anderen Insekten Nahrung und Schutz zu bieten, hat die Stadt Pattensen Blühstreifen angelegt. Die Naturschutzbeauftragte von Pattensen begrüßt das und weist auf die Bedeutung für Schmetterlinge hin.

Die Stadt will noch mehr tun. „Wir wollen nächstes Jahr die Flächen vergrößern“, kündigt Gärtnermeister Opitz an. Allerdings müsse die Arbeit mit anderen Aufgaben wie etwa die Baumpflege in Einklang gebracht werden. Außerdem müsse bei jeder der naturbelassenen Flächen genau bewertet werden, ob etwas dagegen spricht, sie seltener zu mähen, erläutert Opitz. „Zum Beispiel muss die Avavon noch an die Trafohäuschen heran kommen.“

Naturschutzbeauftragte freut sich über die Initiative

Pattensens ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte Sibylle Maurer-Wohlatz freut sich sehr über die Initiative der Stadt: „So bekommen Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen wieder ein Angebot an Nektar und Pollen.“ Sie bedauert aber, dass sich Anwohner bei der Stadt beschwert haben, weil auf den Blühstreifen auch Disteln blühen. Sie haben Sorge, dass Distelsamen in ihre Vorgärten wehen. „Als Naturschutzbeauftragte möchte ich dafür werben, wieder mehr geordnete Wildnis auf öffentlichem Grün und in privaten Gärten zuzulassen“, sagt Maurer-Wohlatz. Denn das Insektensterben habe vor allem seine Ursache darin, dass es zu wenig blühende Lebensräume für diese bedrohten Arten gebe.

Fliegt auf die Ackerkratzdistel: Ein Schmetterling mit dem Namen Schornsteinfeger, fotografiert von Sibylle Maurer-Wohlatz an der Schille bei Pattensen-Mitte. Quelle: Sibylle Maurer- Wohlatz

So hätten Disteln für Schmetterlinge, aber auch für Wildbienen sehr wertvolle Nektarblüten, später im Jahr böten sie dem Distelfink mit ihren Samen Nahrung. Auch Brennnesseln hätten eine wichtige Funktion, betont die Expertin: Sie seien überlebensnotwendig für die schönsten heimischen Tagfalter – das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs legten ihre Eier ausschließlich an Brennnesseln ab, wo sich dann die Raupen für eine neue Generation von Schmetterlingen entwickeln.

Landwirt Dirk Meier für Insektenfreundlichkeit geehrt

Landwirt Dirk Meier aus Schulenburg hat schon länger Erfahrung mit dem Anlegen von Grün- und Blühstreifen auf seinen Flächen. Er erhielt dafür von der Jägerschaft sogar das „Goldene Rebhuhn“, eine Auszeichnung für Nicht-Jäger, die sich in besonderer Weise um den Schutz der Natur verdient gemacht haben. Für landwirtschaftliche Flächen gelten EU-weit spezielle Vorschriften, was auf den ein- oder auch mehrjährigen Blühstreifen ausgesät werden darf. „Ich hätte da gerne auch Klatschmohn und Kornblumen, aber das ist nicht erlaubt“, sagt Susanne Meier, die den Hof mit ihrem Mann bewirtschaftet. Ein Gewinn für die Beschaffenheit des Bodens seien die Blühstreifen nicht, sagt sie bedauernd. „Der Boden macht mehr Arbeit, weil man Unkraut wie Quecke und Diestel viel Raum gibt.“ Aber für die Tiere, vor allem Schmetterlinge und Vögel wie Distelfinken, sei es ein sehr beliebter Lebensraum.

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Von Kim Gallop

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