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Pattensen Viele Händler ärgern sich über Bonpflicht
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Pattensen: Viele Händler ärgern sich über Bonpflicht

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16:00 27.11.2019
In Hannover haben Bäcker am 20. November unter anderem gegen die Bonpflicht demonstriert. Quelle: Sina Schuldt/dpa
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Pattensen/Hemmingen/Laatzen

„Ärgerlich und nicht nachvollziehbar“ sei die Bonpflicht, sagt Bäckermeister Kai Oppenborn. Ab dem 1. Januar 2020 sind alle Händler verpflichtet, ihren Kunden einen Kassenbeleg auszudrucken, unabhängig davon, ob diese das überhaupt wollen. Damit will das Bundesfinanzministerium die Firmen zu mehr Nachweisen verpflichten und so Steuerhinterziehung vermeiden.

Der Ausdruck ist deswegen nötig, weil darauf zusätzliche Informationen erfasst sind. Besonders trifft das Betriebe, die viel Kleinteiliges verkaufen in Branchen, die viel Bargeld nutzen: Kioske, Friseure, Obst- und Gemüsehändler etwa, aber eben auch Bäcker.

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Calenberger Backstube: Bonausdruck schon heute möglich

Oppenborn ist gemeinsam mit seinem Bruder Axel Geschäftsführer der Calenberger Backstube in Pattensen. Neben dem Stammhaus mit Werksladen in der Ludwig-Erhard-Straße betreiben die Oppenborns in achter Generation 19 Filialen in Stadt und Region Hannover, darunter auch in Hemmingen und Laatzen. Das Unternehmen mag zwar 1756 gegründet worden sein, aber es habe moderne Kassen, sagt Kai Oppenborn. Sie seien an die Datenerfassung angebunden, sodass er an seinem Computer heute alle Belege und Verkäufe von gestern ansehen könne.

„Die Kunden könnten auch jetzt schon einen Bon mitnehmen, wenn sie das möchten“, betont der Bäcker, dann drucke die Verkäuferin eben einen aus. Der Anteil derer, die etwa für die Abrechnung im Büro einen Beleg wünschen, sei aber verschwindend gering. Eine große Vorbereitung auf die Umstellung zum 1. Januar sei nicht nötig, man müsse nur „ein Häkchen setzen im Kassensystem“, damit künftig automatisch ein Bon gedruckt wird.

Pflicht zur Belegausgabe

Die Finanzbehörden erhoffen sich von der Belegausgabepflicht, die im Kassengesetz verankert ist, mehr Steuereinnahmen. Offiziellen Schätzungen zufolge gehen dem Fiskus pro Jahr viele Milliarden Euro durch die Lappen, weil Händler „an der Kasse vorbei“ wirtschaften.

Doch was viele Händler auch deutschlandweit besonders ärgert, ist, dass die Belege auf Thermopapier ausgedruckt werden. Dieses Papier darf man nicht über das Altpapier entsorgen. Während also einerseits für Müllvermeidung gekämpft werde, würden andererseits Firmen gezwungen, Müll zu verursachen, heißt ihre Lesart. „Da machen wir uns Gedanken, wie wir die Butter verpackungsfrei aufs Brötchen bekommen, füllen Marmelade nur im Gläschen ab – und dann so etwas“, ärgert sich Oppenborn.

Bonpflicht: So sehen es andere Pattenser

Andere Pattenser Kaufleute können das Thema entspannter angehen. Metzgereien wie die von Gramann und Ahrberg sind von der neuen Regelung nicht betroffen. Bei ihnen gibt es seit Jahren ohnehin die Verpflichtung, Kunden einen Bon auszuhändigen – weil die Ware zu 90 Prozent nach Gewicht und nicht nach Stückpreis verkauft werde, erklärt Willi Gramann jun. auf Anfrage.

Ebenfalls nicht betroffen ist etwa der Friseurladen Haarschön in der Steinstraße: Chef Erik Kühne hat seit Jahren eine sogenannte offene Ladenkasse. Er muss einen täglichen Kassenbericht fertigen, der für das Finanzamt ausreicht. Eine Pflicht, elektronische Kassen zu nutzen, gibt es nicht. Auch Verkäufer auf Wochenmärkten oder Volksfesten profitieren von dieser Ausnahmeregelung oder können sich von der Belegpflicht befreien lassen.

Mehr Bons, mehr Müll

Für alle anderen aber heißt es ab 1. Januar: mehr Bons, mehr Müll. Das beschreibt auch Lars Thiele als „sehr umständlich“. Der Inhaber des Cafés Zum Dänen in der Pattenser Talstraße hat schon länger eine elektronische Registrierkasse, die bei Bedarf Bons druckt. Bei Kunden, die im Café etwas verzehren, gibt der Gastronom ohnehin einen Beleg aus. Doch beim Außerhausverkauf – der Eiskugel in der Waffel oder dem Kaffee für unterwegs – frage nur jeder 20. Gast nach einem Bon, schätzt Thiele. Bei Beträgen von 1,50 Euro sei die Bonpflicht einfach „lästig“.

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Von Katharina Kutsche

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