Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Pattensen Warum zeigen Sie kostenlos Werke von Künstlern, Frau Fink?
Umland Pattensen

Pattensen: Warum präsentieren Sie kostenlos Werke von Künstlern, Frau Fink? 

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
14:09 06.12.2019
Künstlerin Antje Fink gewährt Einblick in ihr Schaffen. Quelle: Marian Prill
Anzeige
Jeinsen

„Herzlich willkommen in meiner Werkstatt“, sagt Antje Fink, lächelt und lädt zum Rundumblick ein. Dann bietet sie ein Getränk an. „Kräuter- oder Früchtetee? Kaffee geht auch, dafür gehen wir dann rüber zum Bäcker.“ Während das Teewasser kocht, erklärt die 55-Jährige, warum sie bewusst darauf verzichtet, ihre Arbeitsumgebung Atelier zu nennen: „Das klingt mir zu sehr nach Künstlerin. Damit können viele nichts anfangen.“ Die Frage, ob sie eine Hobbykünstlerin sei, verneint Fink vehement. „Dazu ist das, was ich mache zu anstrengend“, sagt sie und erklärt, dass sie schon überdimensionale Kunstwerke an die Stadt Pattensen und andere Auftraggeber verkauft habe.

Kunstobjekte von schrill bis still

Die Jeinserin, die ursprünglich aus Karlsruhe stammt, überreicht den Tee und bewegt sich auf eine Treppe zu. Es geht vorbei an buntem Filz, an Metallskulpturen und Holz. Es scheint fast so, als gäbe es kaum Werkstoffe, die Fink nicht zu schrillen oder stillen Objekten verarbeitet. Über schmale Stufen erreicht sie die Wohnzimmergalerie, ein Raum, in dem einst die frühere Tischlerei Holz einlagerte. Die Pattenser Künstlerin macht es sich im Sessel gemütlich. „Hier präsentiere ich aktuell und immer mal wieder kostenfrei die Kunst von Leuten, die ich mag und deren Bilder mir gefallen – selbst wenn diese nur aus Spaß an der Freud’ von Hobbykünstlern entstanden sind.“

Anzeige

Auf die Frage, ob sie von der Kunst leben könne, schüttelt Fink den Kopf. „Nein, das brauche ich aber auch nicht. Ich arbeite freiberuflich als Hebamme.“ Würden sich alle 350 Menschen versammeln wollen, deren Geburt sie unterstützt hat, müssten etwa sieben Busse gechartert werden. Heute bereitet sie Geburten eher vor, stärkt werdende Mütter und begleitet diese in der Wochenbettphase, nachdem der Nachwuchs geboren ist.

Fernab von Wettbewerb und Konkurrenzdruck

„Wir Hebammen bauen zu den Müttern ein intensives, freundschaftsähnliches Verhältnis auf, nicht zu verwechseln mit Freundschaft“, erklärt die 55-Jährige. „Professionelle Nähe trifft es wahrscheinlich eher.“ Es sind die Beziehungen zu anderen Menschen, die Fink so wichtig sind. Auch deshalb organisiert sie ein paar Mal im Jahr kleine Ausstellungen. Mit Wettbewerb und Konkurrenzdruck, die in der Kunstszene nicht selten an der Tagesordnung sind, möchte sie nichts zu tun haben.

Künstlerin Antje Fink aus Pattensen kreiert in ihrem Atelier Bilder und Installationen.

Die Bilder die Fink selbst in jüngster Vergangenheit kreiert hat, bleiben Atelierbesuchern übrigens verborgen. Sie stehen zu Hause in der Dachgeschosswohnung. Düstere Eigenporträts stellen unverkennbar depressive Stimmungen dar. Der Grund: Die Krankheit von Ehemann Gerald. Vor sechs Jahren wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Im Oktober und November dieses Jahres löste ein längerer Krankenhausaufenthalt ihres Partners zunächst Panik bei ihr aus, dann eine schwere persönliche Krise. Die Künstlerin begann damit, sich und die Lebenssituation malerisch zu reflektieren.

„Es geht wieder bergauf“

Einige der Bilder sind seit dem 1. Dezember in Nordstemmen in einer Gemeinschaftsausstellung zu besichtigen. Dort thematisieren fünf Künstlerinnen, die in diesem Jahr alle 55 Jahre alt geworden sind, die Herausforderungen der Wechseljahre. Antje Fink zeigt auf ein kleines Bild mit einem farbigen Vogel. Sie schmunzelt und sagt: „Es geht wieder bergauf. Gerald fühlt sich schon besser. Und ich habe wieder ein Stück mehr zu mir selbst gefunden.“

Serie: „Eine Stunde mit ...“

Tafelhelferin, Künstlerin, Landwirt oder Polizist: In unserer Winterserie „Eine Stunde mit ...“ wollen wir die Pattenser zum Gespräch bitten, sie kennenlernen und ihre Geschichten erzählen. Wir treffen Menschen in ihrem beruflichen Umfeld und zu Hause, wollen herausfinden, wie sie leben und was sie machen. Unsere Reporter sind den ganzen Winter lang unterwegs, um eine interessante, aufschlussreiche und spannende Stunde mit ihnen zu verbringen.

Lesen Sie auch

Von Marian Prill

Die Stadt muss die Rauchmelder, Alarmanlagen und Notbeleuchtungen in ihren Grundschulen und Kindertagesstätten auf den neuesten Stand bringen. Den Nachbesserungsbedarf hat jetzt ein Sachverständiger bei einer Untersuchung der Anlagen festgestellt. Die Nachrüstung soll 105.000 Euro kosten.

29.11.2019

Der Vorsitzende des Schulausschusses, Matthias Friedrichs (SPD), unterstützt die Forderung der Elterninitiative aus Jeinsen nach einem Schulbus. Die Grundschule in Jeinsen soll 2022 geschlossen werden, die Kinder müssen auf die dann neu gebaute Schule in Schulenburg gehen.

28.11.2019

Das Amtsgericht Springe hat einen 86-Jährigen aus Pattensen zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Er war trotz Grundsicherung als Selbstständiger tätig und hat die Sozialversicherung für seine Angestellten nicht bezahlt. Rund 12.000 Euro schuldet er den Krankenkassen.

28.11.2019