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Pattensen Ernst-Reuter-Schule: Der Unterricht vor 50 Jahren
Umland Pattensen Ernst-Reuter-Schule: Der Unterricht vor 50 Jahren
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15:01 12.03.2019
Die Ernst-Reuter-Schule ist vor 50 Jahren offiziell eröffnet worden. Quelle: Andreas Zimmer
Pattensen

Wenn die ehemaligen Lehrerinnen Dagmar Burow und Christel Ederleh über den Unterricht vor 50 Jahren an der Ernst-Reuter-Schule in Pattensen berichten, wirkt das wie aus einer ganz anderen Welt. Geschrieben wurde noch mit Kreide auf Tafeln. Die Klassen waren bis zu 35 Kinder groß. Und die Lehrer haben noch gemeinsam mit den älteren Schülern auf den Gängen innerhalb der Schule geraucht.

Burow und Ederleh wollen mit ihrem Bericht auch an den im Januar verstorbenen ersten Rektor der Schule, Ewald Popp, erinnern. „Er hat für einen guten Ruf der Schule gesorgt, der auf die ganze Stadt ausstrahlte“, sagt Burow. Die Kreisrealschule Pattensen wurde im Februar 1969 offiziell eröffnet und erhielt damals den Namen Ernst-Reuter-Schule. Nach zehnmonatiger Bauzeit war der erste Bauabschnitt im August 1968 fertig geworden. Der bei der damaligen Feier anwesende Regierungsdirektor Albers sagte, dass in Pattensen jetzt die räumlichen Voraussetzungen für einen ersprießlichen Unterricht gegeben seien. Große Freude gab es über das Geschenk des Elternratsvorsitzenden Heinz Kühnapfel: „Ein Farbfernsehgerät“, wie es im Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung damals genannt wurde.

Der erste Direktor der Ernst-Reuter-Schule, Ewald Popp, ist im Januar verstorben. Quelle: privat

Beide Lehrerinnen erinnern sich gern an die damalige Zeit und sagen, dass sie ihr Berufsleben genauso noch einmal führen würden. Ederleh war von Beginn an an der Ernst-Reuter-Schule und unterrichtete dort 38 Jahre lang Mathe, Französisch und Sport. Burow kam Anfang der 1970-er Jahre dazu und war 34 Jahre an der Schule. Sie lehrte Englisch, Französisch und Religion. Beide haben unter anderem auch den späteren Fußball-Weltmeister Per Mertesacker unterrichtet. I

m Kollegium habe es einen guten Zusammenhalt gegeben, was nicht zuletzt der Verdienst von Popp gewesen sein soll. „Popp war eine kollegiale Atmosphäre immer sehr wichtig. Wir konnten uns alle aufeinander verlassen“, sagt Burow. Noch nicht üblich sei allerdings das vertrauliche Du als Anrede unter den Kollegen gewesen. „Wir haben uns noch gesiezt“, sagen die beiden Lehrerinnen.

Popp wollte immer einen Oberstufenzweig

Popp habe ein „strenges Regiment“ geführt, sei aber auch immer fair gewesen und habe niemanden bevorzugt. In den siebziger Jahren hat er den bis heute regelmäßigen Schüleraustausch mit Frankreich angestoßen. „Popp hat immer Statistiken über die Schülerzahlen angefertigt und war seine ganze Amtszeit bemüht, neben der Haupt- und der Realschule auch noch einen Oberstufenzweig in die Schule zu integrieren“, sagt Ederleh. In seiner Amtszeit sollte das jedoch nicht mehr gelingen. Popp ging 1987 im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand. Die Kooperative Gesamtschule (KGS) wurde erst 1995 mit einem Oberstufenzweig zunächst bis Klasse 10 eingerichtet. „Eine vom Rat der Stadt Pattensen eingesetzte Planungsgruppe kam damals schnell zu dem Ergebnis, dass eine Erweiterung des schulischen Angebots bei gleichzeitiger Stabilisierung der vorhandenen Schulformen notwendig ist“, teilt der heutige didaktische Leiter Ulrich Ziehn mit.

Christel Ederleh (links) und Dagmar Burow erinnern sich an die Gründungsjahre der Ernst-Reuter-Schule. Quelle: Tobias Lehmann

Im Unterricht hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles geändert. In der Schule wird keine Kreide mehr benutzt und nicht mehr auf den Gängen geraucht. Auch die Klassen sind nicht mehr so groß wie damals. Aus heutiger Sicht seltsam erscheint auch die damalige Regelung, dass die Schüler das Gebäude nur durch einen der vier Seitengänge betreten durften. Der Haupteingang war den Lehrern vorbehalten. Es wurde noch ein Prügelbuch geführt, in denen Vorfälle festgehalten wurden, in denen ein Lehrer einen Schüler körperlich gezüchtigt hatte, was damals noch juristisch zulässig war. „Doch die meisten Lehrer haben auch damals schon darauf gesetzt, dass die verbale Auseinandersetzung mit den Schülern sinnvoller war“, sagt Burow. Dabei gab es durchaus brenzlige Situationen. Manche Schüler brachten Waffen mit an die Schule, die eingesammelt und in der sogenannten Waffenschublade aufbewahrt wurden. „Einmal legte ein Schüler mitten im Unterricht ein Messer auf seinen Tisch. Am Ende hat er es mir freiwillig gegeben“, sagt Burow.

Beide Lehrerinnen können zahlreiche kuriose Geschichten aus ihrer Berufszeit erzählen. Einmal hat Burow auf einer Klassenfahrt einen Schüler mit einer Flasche Schnaps erwischt, die ihm sein Vater mitgegeben hatte. „Als wir wieder in Hannover ankamen, habe ich der Mutter gesagt, dass ihr Sohn sich gut benommen habe, aber sein Vater nicht“, sagt Burow augenzwinkernd.

Bis zu 1000 Gäste bei der Disco in der Aula

Burow erinnert sich auch noch daran, dass damals in der Aula an den Wochenenden häufiger eine öffentliche Disco ausgerichtet wurde. „Wir hatten einen in der Region bekannten DJ, der auch Jugendliche aus dem Umland anzog. Manchmal waren bis zu 1000 Gäste da“, sagt Burow. Hin und wieder musste auch die Polizei vorbeikommen, um Schlägereien zu schlichten. „Wir hatten nur einen Sanitätsraum mit einer Liege. Es kam vor, dass beide Kontrahenten nach einer Schlägerei dort gemeinsam drauf liegen mussten“, sagt Burow.

Enger als heute sei aus Sicht der beiden Lehrerinnen damals der Kontakt zu den Eltern gewesen. Burow hat häufig bei neuen Schülern auch einmal die Eltern zu Hause besucht. „Wenn ich das Umfeld der Schüler kannte, fiel es mir leichter, ihr Verhalten im Unterricht einzuschätzen“, sagt sie. Ederleh erinnert sich noch daran, dass sie eine Schülerin mit emotionalen Problemen einmal persönlich nach Hause gefahren hat. Zudem wurden die Eltern manchmal eingeladen, um in einer schulischen Situation Tests zu schreiben, wie sie die Schüler auch absolvieren mussten. „Das hat den Eltern den Blick dafür geschärft, welche Herausforderungen ihre Kinder zu bestehen haben“, sagt Burow.

Regelmäßig angeboten wurden auch damals schon Kurse zur Berufsvorbereitung. „Wir haben Trainingsgespräche geführt und Rollenspiele gemacht“, sagen die Lehrerinnen. Sogar eine Schülerfirma hat es bereits gegeben. Geschummelt wurde ebenfalls schon immer. Aber die Lehrerinnen hatten ihre Methoden, um diese Versuche aufzudecken. „Ich lies während einer Klassenarbeit manchmal laut einen Schlüssel auf den Tisch fallen. Dann gingen ein paar Köpfe hoch, einer war meistens rot“, sagt Ederleh. Dann hat sie den Schüler beobachtet. „Wenn er dann trotz dieser Warnung noch weiter schummelte, war er selbst schuld“, sagt sie schmunzelnd.

Von Tobias Lehmann

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