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Pattensen Streit um Aufträge: Geschäftsführer der Leine-VHS muss gehen
Umland Pattensen

Streit um Aufträge: Geschäftsführer der Leine-VHS in Laatzen muss gehen

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18:00 09.08.2019
Die VHS hat sich von ihrem Geschäftsführer Jürgen Beckstette getrennt. Auslöser waren Mehrkosten beim VHS-Umzug in die Senefelderstraße. Quelle: Johannes Dorndorf/Stephanie Zerm
Laatzen

Die Städte Laatzen, Hemmingen und Pattensen müssen sich schon wieder einen neuen Geschäftsführer für die Leine-Volkshochschule suchen. Nur 15 Monate nach seinem Amtsantritt im April 2018 ist VHS-Chef Jürgen Beckstette abberufen worden – aus heiterem Himmel.

Hintergrund ist ein Vertrauensverlust der Aufsichtsgremien in Beckstette. Der Vorwurf: Der Aufsichtsrat sei nicht rechtzeitig über erhebliche Mehrkosten beim anstehenden VHS-Umzug informiert worden, der Geschäftsführer habe Aufträge eigenmächtig erteilt.

Der VHS-Aufsichtsratsvorsitzende und Laatzener Bürgermeister Jürgen Köhne bestätigte auf Anfrage die Abberufung. „Herr Beckstette ist nicht mehr Geschäftsführer der Leine-Volkshochschule“, sagt Köhne. Zu den Gründen will er sich unter Verweis auf noch laufende Gespräche nicht äußern. Die Entscheidung zu dem Schritt habe der Aufsichtsrat im Juli gefällt, die Mitarbeiter seien in der vergangenen Woche darüber informiert worden.

Mehrkosten bei Umzug bringen VHS-Chef zu Fall

Nach Informationen dieser Zeitung geht es um die Kosten des Umzugs in das neue Bürogebäude an der Senefelderstraße. Dort will die VHS die bisher über das Laatzener Stadtgebiet verstreuten Schulungs- und Verwaltungsräume an einem Standort zusammenziehen. Noch im August will die Volkshochschule mit dem Umzug beginnen.

Der Aufsichtsrat hatte für den Umzug bereits im vergangenen Jahr genauso grünes Licht gegeben wie für die Höhe der zu zahlenden Miete. Erst Monate später, so schildern es Beteiligte, sei dann in den VHS-Gremien bekannt geworden, dass die Ausstattung der neuen Räume zu erheblichen Zusatzkosten führen würden. Die Mehrkosten sollen sich auf 360.000 Euro belaufen. Beckstette wird vorgeworfen, er habe Aufträge in dieser Höhe erteilt, obwohl in den VHS-Statuten klar geregelt sei, dass die Geschäftsführung eine solche Summe nicht ohne Zustimmung des Aufsichtsrats freigeben darf. „Das war eine Kompetenzüberschreitung, die so nicht hätte passieren können“, sagt ein Beteiligter.

Erinnerungen an VHS-Skandal 2011

Der Vorgang erinnert an den Skandal im Jahr 2011, als die VHS wegen Misswirtschaft nur knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammt war. Nur mit erheblichen Sonderzuschüssen der drei Trägerkommunen Laatzen, Hemmingen und Pattensen, aber auch massiven Einkommensverzichten der VHS-Belegschaft, konnte die gemeinnützige GmbH damals gerettet werden. Der damalige Geschäftsführer wurde daraufhin fristlos entlassen.

Eine solche wirtschaftliche Schieflage bestehe diesmal nicht, versichern sowohl VHS-Aufsichtsratschef Köhne als auch Verwaltungsleiter Bjoern Schoof. „Es gibt keine existenzbedrohende Lage für die VHS, eine Insolvenz ist überhaupt kein Thema“, sagt Köhne.

Auch Schoof stellt fest: „Eine Insolvenzgefahr ist nicht mal im Ansatz gegeben.“ Der Umzug in die neuen Räume sei durch die aktuelle Entwicklung ebenfalls nicht beeinträchtigt. Beckstette selbst wollte sich zu den Vorwürfen zum derzeitigen Zeitpunkt nicht äußern.

Mehrausgaben notwendig?

Zur Frage, ob den drei Kommunen durch die Situation ein finanzieller Schaden entstanden ist, äußert sich Köhne nicht. Dem Vernehmen nach sollen die Mehrausgaben notwendig gewesen und nur formale Beschlüsse umgangen worden sein. Stimmt dies, wäre der aktuelle Vorfall mit dem Finanzchaos vor acht Jahren kaum zu vergleichen: Damals hatte die VHS Leistungen bei der beruflichen Aus- und Weiterbildung viel zu preiswert angeboten und so große Defizite angehäuft. Die Verluste fielen damals zudem wegen einer teils schlampigen Buchführung viel zu spät auf.

Den deutlichen Unterschied legen auch die Worte von Aufsichtsratschef Köhne nahe, der die Trennung von Beckstette sehr bedauere: „Der Kurs der VHS ist absolut richtig. Herr Beckstette hat sich schnell in unsere Begebenheiten eingearbeitet, er hat viele Themen angepackt und war in der Stadt sehr präsent.“

Interims-Geschäftsführerin bestellt

Mit der Abberufung Beckstettes stehen die Städte Laatzen, Hemmingen und Pattensen erneut vor der schwierigen Suche nach einem neuen VHS-Geschäftsführer. Immerhin wurde bereits eine Übergangslösung gefunden: Bis zur Bestellung eines neuen VHS-Chefs wird Sybille Weiß die Geschäfte führen, die sich bislang um das Beteiligungsmanagement und die Vergabestelle der Stadt Laatzen kümmert. Weiß kennt die Volkshochschule gut: Seit mehreren Jahren kümmert sich die 44-jährige Diplom-Verwaltungswirtin um das Controlling bei der VHS.

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