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Ronnenberg Quartierstreff soll Empelder Nachbarschaft beleben
Umland Ronnenberg Quartierstreff soll Empelder Nachbarschaft beleben
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00:15 31.03.2019
An der Löwenberger Straße in Empelde baut die KSG den neuen Quartierstreff.
An der Löwenberger Straße in Empelde baut die KSG den neuen Quartierstreff. Quelle: Stephan Hartung
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Empelde

 Der Umbau des Quartiers Memeler Straße in Empelde hat an der Löwenberger Straße unübersehbar begonnen. Zwei Altbauten haben hier Platz für einen schmucken Neubau gemacht – dem so genannten Artur-Sommer-Haus, das in gut sechs Monaten fertiggestellt sein soll. Nach guten Erfahrungen in einem ähnlichen Quartier in Langenhagen-Wiesenau will die KSG Hannover in diesem Gebäude auch einen Quartierstreff einrichten. Die Wohnungsbaugesellschaft, die in Ronnenberg insgesamt rund 1400 Wohnungen besitzt, möchte in Empelde keine billige Kopie der Einrichtung aus dem Norden der Region errichten – gleichwohl aber von den positiven Erfahrungen aus Langenhagen profitieren.

Bewohnercafé und Sozialberatungsstelle entstehen

Ohnehin wird es im Ronnenberger Ortsteil alles viel größer. Der Quartierstreff in Langenhagen hat eine Größe von 120 Quadratmetern. In Empelde baut die KSG derzeit ein Veranstaltungszentrum mit 150 Quadratmetern. Hinzu kommt, was die „Vorlage“ nicht hat: ein Bewohnercafé mit 100 Quadratmetern sowie die ebenfalls dort geplante Sozialberatungsstelle der Stadt Ronnenberg. Zudem gibt es eine Küche, Wiesenau besitzt nur eine kleine Küchenzeile. Im umliegenden Gebäude entstehen 19 neue Wohnungen – aber nicht nur für alte Menschen, wie das große Plakat am Rohbau zeigt, sondern auch für sozial schwache Mieter.

So läuft es in Langenhagen

In Kürze wird der Quartierstreff der KSG Hannover im Langenhagener Ortsteil fünf Jahre alt. Am 7. Oktober 2014 eröffnete das Gebäude an der Freiligrathstraße – und hat sich seitdem zu einem zentralen Anlaufpunkt in Wiesenau entwickelt. Ein solcher Quartierstreff wirkte damals ein wenig exotisch. Leiterin Claudia Koch hat es aber mit viel Pionierarbeit geschafft, zahlreiche Helfer zu gewinnen. Auf 40 bis 45 Freiwillige schätzt Koch die Zahl der Ehrenamtlichen, die zur Verfügung stehen und ein ein breitgefächertes Programm organisieren. Mittlerweile bietet der Quartierstreff monatlich rund 80 Aktionen und Treffen an – das sind fast drei Veranstaltungen pro Tag. Für Räumlichkeiten und fachliche Unterstützung sorgt der Verein win (Wohnen in Nachbarschaften), gegründet von der KSG Hannover GmbH. Der Verein ist Mieter des Quartierstreffs. hg

Zum 1. Oktober soll das Artur-Sommer-Haus eröffnen. Bereits vier Monate zuvor, am 1. Juni, tritt die neue Leiterin Anke Sacksteder ihren Dienst an. Im Sommer wird sie zwar zunächst auch damit zu tun haben, ihren Arbeitsplatz einzurichten und für das Inventar zu sorgen. Zur Einarbeitung geht es aber nach Langenhagen zu Claudia Koch, die dort im Ortsteil Wiesenau den Quartierstreff leitet. „Wir können uns dann austauschen, wie man Veranstaltungen plant und was zu beachten ist, um einen solchen Treffpunkt zu entwickeln“, sagt Koch und erinnert sich an ihre eigenen Anfängen. „Es ist kein Hexenwerk. Aber wir haben damals im ersten Jahr viele Klinken geputzt, um in der Nachbarschaft und insgesamt in der Öffentlichkeit bekannt zu werden.“ Ihr erster Tipp für Anke Sacksteder: Sie muss raus in die Nachbarschaft, mit Leuten sprechen und zeigen, dass sie das neue Gesicht der Einrichtung ist.

Bessere Einkaufsmöglichkeiten und Ärzteversorgung

Von der Bevölkerungsstruktur und den sozialen Problembereichen her sind Empelde und Wiesenau vergleichbar. Jedoch nicht nur. „In Empelde sind wir besser aufgestellt hinsichtlich Einkaufsmöglichkeiten und Ärzteversorgung“, sagt Ulrich Schmersow. Er ist Aufsichtsratmitglied bei der KSG und zweiter Vorsitzender des Nachbarschaftsvereins win. Der Benther freut sich, „dass wir jetzt hier in einem Ronnenberger Teil eine Zweigstelle des Quartierstreffs bekommen“. Die Erfahrung aus Wiesenau zeige, dass der Ortsteil durch den Quartierstreff gewachsen sei. „Das wollen wir in Empelde auch erreichen. Die große Aufgabe wird sein, die beeindruckende Anzahl von 40 bis 45 Ehrenamtlichen zu erreichen, die Wiesenau hat.“

„Wir müssen geduldig sein“

Karl Heinz Range ist Geschäftsführer der KSG Hannover GmbH und Vorstandsvorsitzender des Vereins win (Wohnen in Nachbarschaft). Unser Mitarbeiter Stephan Hartung spricht mit ihm über Quatiersentwicklung, Pionierarbeit und soziale Herausforderungen.

Herr Range, am 1. Oktober eröffnet in Empelde das Artur-Sommer-Haus. Wird der Treff eine Blaupause des erfolgreichen Quartierstreff in Langenhagen?

In Wiesenau hat die aktive Gemeinwesenarbeit durch win zu einer sehr positiven Entwicklung für das nachbarschaftliche Miteinander geführt. Unser Ziel ist es, dass in Empelde eine ähnliche Quartiersentwicklung zur Steigerung der Lebensqualität der Menschen erreicht werden kann.

Wie sind die zeitlichen Ziele für den neuen Treff?

Hier müssen wir ähnlich geduldig sein wie seinerzeit in Wiesenau und können nicht davon ausgehen, dass alles sofort gut läuft. In Wiesenau war ein Jahr Pionierarbeit nötig. Die Voraussetzungen für ein gutes Gelingen haben wir bereits geschaffen, indem wir eine Sozialarbeiterin als Quartiersmanagerin eingestellt haben. Mit Frau Sacksteder als neue Leiterin des Treffs kommt unsere Wunschkandidatin, weil sie über mehrere wichtige Qualifikationen verfügt.

Wiesenau und Empelde weisen sicher vergleichbare Herausforderungen im Bereich einer differenzierten sozialen Gemengelage auf …

... aber darum geht es uns nicht. Wir verstehen uns mit unserer Arbeit nicht als Reparaturbetrieb, sondern erreichen durch einen aktivierenden Ansatz in der sozialen Arbeit die Wiederbelebung lebendiger Nachbarschaften durch Teilhabe am sozialen Leben. Wir zielen auf einen integrativen Ansatz zwischen den Generationen und Ethnien und wollen aktiv der Vereinsamung im Alter entgegenwirken. Für die Zukunft schließen wir nicht aus, weitere Quartierstreffs auch in den Kommunen zu errichten, wo wir über größere zusammenhängende Wohnungsbestände verfügen.

Von Stephan Hartung