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Ronnenberg Der Besuch des 97-Jährigen: Fritz Cohen kommt extra aus Chicago – für die Stolpersteine
Umland Ronnenberg

Gedenken an jüdische Mitbürger: In Ronnenberg gibt es 22 neue Stolpersteine

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10:24 25.11.2019
Peter Hertel (ganz rechts) und Wolfgang Walther (Dritter von rechts) freuen sich über die Gäste, die für sich oder Angehörige Stolpersteine erhalten haben: Fritz Cohen (von links), Elizabeth Cohen, Evelyn Baron und Sohn Daniel, Helen Hordes, Stanley Hordes sowie Gerda Philippsohn und Susanne Philippsohn. Im Hintergrund ist, an der Kreuzung Über den Beeken/Empelder Straße, das Elternhaus von Cohen zu sehen. Quelle: Stephan Hartung
Ronnenberg

Kurz vor dem offiziellen Start der Verlegung der Stolpersteine stehen rund 50 Menschen auf und an der Empelder Straße. Ein wenig Hektik und Gemurmel, die Polizei führt den Verkehr halbseitig vorbei. Doch bevor die Aktion beginnen kann, mit dem der Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg (FER) vertriebene Juden ehren will, wird es plötzlich still, alle Augen richtigen sich nur auf einen Mann. Fritz Cohen ist tatsächlich erschienen. Der Ehrenbürger von Ronnenberg, der mit seinen Eltern 1938 vor den Nazis geflüchtet und in die USA ausgewandert war, wurde zwar im Vorfeld vom FER als Gast angekündigt. Aber bei 97 Jahren und dem Reisestress aus seiner Heimat Chicago – da weiß man ja nie.

Emotionen bei Vater und Tochter

In der Straße Über den Beeken, wo sich die Straße mit Ihmer Tor und Empelder Straße kreuzt, befand sich sein Elternhaus. Direkt davor, im Fußweg eingebettet, gibt es nun Stolpersteine für Fritz Cohen sowie seine Eltern Iwan und Alice – direkt unter dem Gedenken für seine Großmutter Lina, die 1942 deportiert und 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet wurde.

Wolfgang Walther begrüßt Fritz Cohen und dessen Tochter Elizabeth. Quelle: Stephan Hartung

„Ich war zuletzt 2005 hier, als meine Großmutter diesen Stein erhielt. Es freut mich immer wieder, hier in meiner alten Heimat zu sein“, sagt Cohen gerührt beim Blick auf die Steine, während seine Tochter Elizabeth in seinem Arm weint. „Das ist mein Elternhaus, ich bin hier oft rein- und rausgelaufen.“ Mit 97 Jahren macht er einen guten Eindruck. Ein wenig setze ihm die Kälte zu, sagt der ehemalige Ronnenberger, der sich daher immer wieder in ein Auto setzt, sich aufwärmt und zur nächsten Station gefahren wird.

Viel Besuch aus den USA

Schließlich gibt es insgesamt sechs Standorte in Ronnenberg, die zu Fuß abgegangen werden, an denen der Künstler Gunter Demnig die insgesamt 22 Stolpersteine mit gravierter Messingplatte einbaut. Peter Hertel und Wolfgang Walther, die Vorstandsmitglieder des Fördervereins, hatten sich im Vorfeld mit viel Herzblut nicht nur erfolgreich um den Besuch von Cohen und seiner Tochter bemüht. Auch Helen Hordes ist mit ihrem Mann Stanley nach Ronnenberg gekommen, sie leben in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico. Hordes ist die Tochter von Else Seligmann, die 1939 in die USA flüchtete. Eine geborene Seligmann ist auch Evelyn Baron aus Atlanta, sie fand zusammen mit ihrem Sohn Daniel, der in St. Louis lebt, den Weg nach Ronnenberg.

Der 2005 errichtet Gedenkstein für Lina Cohen wurden nun um weitere Steine der Familie ergänzt. Quelle: Stephan Hartung

Am Dienstag fliegen die Cohens wieder nach Hause. Zuvor unternimmt Fritz noch einen Abstecher nach Gehrden – einen Freund aus seiner Kindheit besuchen.

Nun sind es 25 Stolpersteine

Im Jahr 2005 verlegte die Stadt Ronnenberg als erste Kommune in der Region Hannover sogenannte Stolpersteine, um drei im Holocaust ermordete Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft von Ronnenberg zu ehren. Seit Sonnabend gibt es 22 weitere Stolpersteine auf Initiative des Fördervereins Erinnerungsarbeit Ronnenberg.

Einen Gedenkstein erhielten nun frühere Ronnenberger, die während der Nazi-Zeit aus ihrer Heimat vertrieben wurden und den Terror des Regimes überlebt haben.

Die jüdische Gemeinschaft hatte in Ronnenberg vor allem im 19. Jahrhundert ihre Blütezeit – daher stand am Sonntag im Evangelischen Gemeindehaus ein Gedenkkonzert mit Musik jüdischer Komponisten des 19. Jahrhunderts auf dem Programm.

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Von Stephan Hartung

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