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Umland Ronnenberg Nachrichten Streit um Geld für Erinnerung an Naziopfer
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20:08 24.03.2015
Von Kerstin Siegmund
Die Stele mit den Namen der jüdischen Familien hat die Stadt in der Nähe des alten jüdischen Friedhofs am Weingarten aufstellen lassen.Siegmund
Die Stele mit den Namen der jüdischen Familien hat die Stadt in der Nähe des alten jüdischen Friedhofs am Weingarten aufstellen lassen. Quelle: Kerstin Siegmund
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Ronnenberg

Was kann, was sollte sich eine hoch verschuldete Stadt an freiwilligen Ausgaben leisten? Sind 7000 Euro im Jahr für die Pflege der Erinnerung an Ronnenbergs Juden und die weiteren Opfer des Naziregimes zu viel? Der Vorschlag von Bürgermeisterin Stephanie Harms (CDU), den Haushaltsansatz für die Erinnerungsarbeit auf 1500 Euro zu reduzieren, hat SPD und Grüne heftig erzürnt.

Harms wies in der Ratssitzung am Montagabend darauf hin, dass die Erinnerungsarbeit sehr wichtig sei und die Stadt Veranstaltungen zu den Gedenktagen durchführe. Weitere Veranstaltungen des Fördervereins Erinnerungsarbeit würden mit Spenden finanziert, die Ronnenbergs früherer Bürgermeister Wolfgang Walther (SPD) einnahm. „Wir leisten auch personelle Unterstützung bei der Organisation“, sagte Harms.

Diese Begründung reicht Rot-Grün nicht. „Die Stadt hat die Pflicht, die Schuld der Vergangenheit anzunehmen. Ein Verein reicht da nicht“, sagte Rudi Heim (SPD). Ruth Wenzel (Grüne) bezeichnete die 7000 Euro als „eine symbolische finanzielle Unterstützung“.

Die Fraktionsvorsitzende zitierte aus einer Rede des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU): „Wenn es ein Thema gibt, bei dem sich der Staat, die Politik, nicht allein auf die Schaffung von Bedingungen zurückziehen kann, sondern ausdrücklich oder heimlich - manchmal auch unheimlich - selber den Gegenstand dessen prägt, um was es geht, dann ist es der Bereich der Erinnerungskultur. Jeder Staat verhält sich zu seiner eigenen Geschichte, und aus der Art und Weise, in der er es tut oder nicht tut, kann man nicht unwesentliche Schlüsse auf sein Selbstverständnis ziehen.“

Carsten Mauritz warnte seine Ratskollegen davor, mit der Erinnerungskultur Stimmung zu machen. Der Verein mache doch sehr viel, sagte Mauritz. „Muss die Stadt wirklich 7000 Euro zahlen?“

Kerstin Siegmund 24.03.2015
Kerstin Siegmund 23.03.2015