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Ronnenberg Waldberg: Besitzer weist Bericht über Erdeinbrüche und Schließung zurück
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Ronnenberg: Begrünte Kalihalde: Besitzer weist Bericht über Erdeinbrüche und Schließung zurück

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12:36 09.12.2019
Erich Wolf zeigt den vor rund 20 Jahren künstlich angelegten Teich. Quelle: Ingo Rodriguez
Empelde

Viel Wirbel um ein kleines Loch, das offenbar mit bloßem Auge kaum zu sehen ist: Der Besitzer der begrünten Kalihalde in Empelde, Frank Nickel, hat einen Bericht und Gerüchte über Erdeinbrüche auf seinem rekultivierten Gelände mit Nachdruck zurückgewiesen. Zwar sei im vergangenen Sommer wegen eines Loches in der Folie eines künstlich angelegten Teichs unterhalb der Bergbühne Wasser ausgetreten und habe minimale Absackungen verursacht. „Das Problem ist aber längst gelöst, und das Gelände ist keineswegs gesperrt oder geschlossen“, betont Nickel.

Landtags-Grüne berichten von Erdeinbrüchen

Hintergrund der Gerüchte ist ein Antrag der Grünen-Fraktion im Niedersächsischen Landtag: Die Grünen hatten sich kürzlich in einem Antrag ausdrücklich gegen künftige Rekultivierungen von Kalirückstandshalden mithilfe von Bauschuttabdeckungen ausgesprochen. Eine derartige Maßnahme – wie sie derzeit auch für die Kalihalde in Ronnenberg geplant und heftig umstritten ist – sei nicht geeignet, um den Salzaustrag zu stoppen. Der Austritt und Abfluss von salzigem Abwasser aus einem Haldenkörper in die Gewässer nach Regen könne durch eine Abdeckung nicht verhindert werden und beeinträchtige die Standsicherheit der Halden, hatten die Grünen betont.

Das Problem: Um ihre Haltung zu untermauern, waren dem Antrag vom 1. Oktober eine Liste mit Kalirückstandshalden in Niedersachsen und ein vermeintlicher Sachstandsbericht beigefügt worden. Für die Kalihalde in Empelde heißt es dort – zunächst korrekt: „Die Halde ist bereits mit Bauschutt und Bodenaushub abgedeckt, begrünt und aus der Bergaufsicht entlassen. Das Gelände wird für Veranstaltungen genutzt.“ Dann aber die Falschmeldung: „Das Gelände ist derzeit aber wegen Einbrüchen geschlossen.“

Haldenbesitzer lädt zu einem Rundgang ein

Um das Gerücht komplett zu zerstreuen, lädt Nickel zu einem Rundgang und einer Ortsbesichtigung mit Erich Wolf ein. Er ist der Vorsitzende des Vereins Waldberg Empelde, dessen etwa 70 Mitglieder das begrünte Gelände als Naherholungsgebiet und für Veranstaltungen nutzen. Wolf ist über das Gerücht und den Bericht der Grünen ebenfalls amüsiert. „Den Wasseraustritt am Teich haben wir doch schon im Sommer bemerkt und deshalb nur auf der Bergbühne unmittelbar an dem künstlichen Teich vorsichtshalber keine Veranstaltungen angeboten“, sagt Wolf. Auf dem höher gelegenen Gipfel seien jedoch am Himmelfahrtstag Hunderte Besucher zur traditionellen Bergmesse gekommen. „Und auf der Bergbühne haben wir doch auch schon im August wieder mit etlichen Besuchern und ohne Sicherheitsbedenken unser Lichterfest gefeiert.“ Das gesamte Gelände sei aber nie gesperrt gewesen. „Das ist völliger Blödsinn“, sagt Wolf und schüttelt den Kopf.

Auf dem Gipfel der begrünten Kalihalde nehmen am Himmelfahrtstag etliche Gläubige an der traditionellen Bergmesse teil. Quelle: Ingo Rodriguez

Angesichts der Größe des gesamten Geländes mit inzwischen insgesamt rund 320.000 Bäumen erscheint Wolf das Gerücht wegen eines nicht sichtbaren Lochs an einem kleinen Hang absurd. „Wir haben ja das Loch nicht einmal gefunden, sondern mit Versuchen nur ungefähr den Bereich des Schadens in der Folie ermittelt“, erzählt der Vorsitzende des Vereins Waldberg Empelde. Inzwischen regele eine Pumpe den Wasserstand des Teiches so, dass die Folie im vermuteten Bereich der beschädigten Stelle nie mit Wasser bedeckt sei. Seitdem sei es unmittelbar am Teich auch nicht mehr zu den kaum sichtbaren Absackungen gekommen. „Dass es bei Wasseraustritten im ja immer noch salzhaltigen Boden zu Instabilitäten kommt, ist klar, aber die Absackungen sind ja kaum sichtbar“, betont Wolf. Von einer Beeinträchtigung der Standsicherheit der Halde könne nicht die Rede sein.

Die durch abfließendes Wasser verursachten Absackungen oberhalb des künstlich angelegten Teichs sind auf dem ersten Blick kaum wahrzunehmen. Quelle: Ingo Rodriguez

Der Schaden in der 20 Jahre alten Teichfolie könne vom Wurzelwerk der Teichrosen und anderen Pflanzen, aber auch von Wildtieren verursacht worden sein. „Das ist ja inzwischen ein Biotop, deswegen zögern wir auch, den Teich zu leeren und mit einer neuen Folie auszulegen“, sagt Wolf. Gespeist werde das künstliche Gewässer mit Oberflächenwasser, das über ein Leitungssystem abfließe. Ebenso werde auch das gesammelte Wasser regelmäßig über eine weitere Leitung teilweise abgelassen. „Damit sich das Becken neu füllt und sich das Wasser für die Pflanzen und Lebewesen regeneriert. „Das gesamte Gelände ist inzwischen zu einer grünen Lunge geworden“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Eine Pumpe regelt nun den Wasserstand so, dass das Loch in der Folie nie mit Wasser bedeckt ist. Quelle: Ingo Rodriguez

Wolf und Nickel verweisen vor diesem Hintergrund auch noch einmal die Wirksamkeit der Rekultivierung einer Kalirückstandshalde: „Zu Beginn des ganzen Projekts wurden 1976 vom Kaliberg in Empelde rund 24 Tonnen Salz pro Jahr in die Fösse eingeleitet. Inzwischen sind es nur noch sechs bis acht Tonnen pro Jahr“, sagt Wolf.

Auf einem Luftbild aus dem Jahr 2017 ist deutlich zu sehen, dass nur entlang der Westseite der früheren Kaliabraumhalde kahle Stellen übrig geblieben sind. Auch dort sind inzwischen aber kaum noch unbegrünte Flächen zu sehen. Quelle: Ingo Rodriguez

Grüne äußern Bedauern und kritisieren fehlende Transparenz

Nachdem Halden-Besitzer Frank Nickel den Bericht über Erdeinbrüche auf seinem rekultivierten Gelände als falsch zurückgewiesen hat, hat die Grünen-Landtagsfraktion auf Nachfrage dieser Zeitung über ihre Quellen informiert. Demnach beteiligen sich die Grünen regelmäßig dem Arbeitskreis Kali und Salz, in dem sich Bürgerinitiativen und Grünen-Kommunalpolitiker von Halden-Standorten austauschen. Der Antrag mit dem nun als falsch dargestellten Sachstandsbericht über die Halde in Empelde sei in Abstimmung mit diesem Arbeitskreis erarbeitet worden, teilt der Pressesprecher Andreas Möser mit. Deshalb sei eine längere Vorbereitungszeit notwendig gewesen. Dass der Sachstand zum Zeitpunkt der Antragsveröffentlichung nicht mehr aktuell gewesen sei, bedauere die Grünen-Landtagsfraktion, heißt es in der Stellungnahme.

Trotzdem bleiben die Grünen inhaltlich bei ihrer grundlegenden Ansicht: „Da weiterhin salzige Abwässer in die Fösse eingeleitet werden, ist davon auszugehen, dass unverändert Salz auch aus den abgedeckten Haldenteilen ausgespült werde. Die Auswaschungen führen zu Hohlräumen, das hat vermutlich die Einbrüche verursacht“, sagt der Grünen-Pressesprecher. Als ursprüngliche Quelle des Sachstandsberichtes nennen die Grünen den früheren Trägerverein des Veranstaltungsgeländes Bergbühne auf der Kalihalde. Dieser habe nach Informationen der Grünen Ende 2017 mitgeteilt, dass es aufgrund von Einsackungen auf der Bergbühne für 2018 noch keinen Veranstaltungskalender gebe. Dadurch seien laut Verein Verfüllungen nötig. Bei dieser Gelegenheit solle auch die Bergbühne renoviert werden.

Die Grünen-Fraktion räumt aber auch ein: Wegen der Neugründung des Nachfolgevereins Waldberg Empelde seien leider in den vergangenen Monaten kaum aktuelle Informationen auf der Homepage der Bergbühne gefunden worden. „Über den Zustand der Kalihalde Hansa und die von ihr ausgehenden Auswirkungen auf Umwelt und Gewässer wissen wir leider bisher wenig“, sagt der Pressesprecher. Die Grünen-Fraktion habe sogar eine umfassende Anfrage zu allen niedersächsischen Kalihalden an die Landesregierung gestellt. „Ein Großteil der Fragen wurde ausgerechnet für die Halde Hansa nicht beantwortet“, sagt Möser. Selbst die Grünen in Ronnenberg kritisieren laut Pressesprecher, dass es keine öffentlich zugänglichen Informationen zur Halde, den Einbrüchen und dem Zustand der umliegenden Gewässer gebe.

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Von Ingo Rodriguez

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