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Ronnenberg Experten halten Bauschuttablagerung auf Kalihalde für gefährlich
Umland Ronnenberg

Ronnenberg: Experten halten Bauschuttablagerung auf Kalihalde für gefährlich

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12:00 01.10.2019
150 Interessierte hörten im Gemeindehaus den Fachvorträgen zu. Quelle: Stephan Hartung
Ronnenberg

Welche Folgen hätte die Ablagerung von Bauschutt auf dem Gelände der früheren Kalirückstandshalde in Ronnenberg über viele Jahre für die Gesundheit? Unter anderem, um diese Frage zu klären, hatte die Bürgerinitiative RonnenbergBauschutt – Nein Danke!“ zu einem Informationsabend eingeladen. 150 Besucher hörten interessiert zu, vor allem bei den Fachvorträgen von zwei Experten. Deren Tenor: Die Kalihalde und der Abbau brächten gesundheitliche Belastungen mit sich, Lösungen seien aber möglich.

Salze gelangen ins Grundwasser

Der Burgdorfer Geologe Ralf Erhard Krupp berichtete über Kalihalden in Niedersachsen, bei denen es ähnliche Diskussionen zur Abtragung gegeben habe wie jetzt in Ronnenberg. Was aus Gründen chemischer Prozesse überall gleich ist: Es kommt zu sogenannten Erdfällen und Verkarstungen. „Damit gelangt eine Mischung aus Abdeckmaterial und Salzkörnern in das Grundwasser – und das ist nicht gut für die Gesundheit“, sagte Krupp und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Die Betreiber der Kalihalden behaupten immer das Gegenteil. Aber unsere Messungen sind eindeutig.“ Der Fachmann zeigte auf Diagramme mit nachgewiesenen Stoffen wie Magnesium und Cadmiumchlorid.

Initiative schlägt verschiedene Alternativen vor

Nach seiner Erfahrung sei eine Altlastensanierung möglich „über große Flüsse in der Nähe, die Salze aufnehmen können“, erklärte Krupp. Im westdeutschen Raum habe dies über den Rhein gut funktioniert. In Ronnenberg kommt dafür nur die vergleichsweise sehr kleine Fösse in Betracht. Die Einleitung in die Fösse, die derzeit ausgespülte Salzlake der Halde in die Leine transportiert, möchte die Bürgerinitiative (BI) aber nicht mehr ohne eine Entsalzungsanlage zulassen. Das Wegspülen des Berges über diesen Weg wäre deshalb nicht möglich.

Andere Ideen zum Umgang mit der Halde sind die weitere Abtragung des Haldenstumpfs oder eine Rekultivierung mit nicht kontaminiertem Bodenmaterial. Diese beiden Varianten würden vier bis sechs Jahre dauern. Die Firma Menke Umwelt Service Ronnenberg, die eine Abdeckung und eine Rekultivierung plant, erwägt jedoch eine Aufschüttung des Stumpfs auf mindestens 40 Meter mit Bauschuttabfällen – und das alles über rund 20 Jahre. „Das lehnen wir ab. Dieser Wahnsinn muss gestoppt werden. Nur mit unseren Ideen erfüllt Menke den Wunsch der Ronnenberger“, sagte der BI-Vorsitzender Marc Bierhance.

Ralf Erhard Krupp referiert über Kalihalden in Niedersachsen. Quelle: Stephan Hartung

Felix Feissner, Arzt an der Medizinischen Hochschule Hannover, hielt einen Vortrag über gesundheitliche Risiken. „Feinstaubbelastungen entstehen automatisch, wenn die Halde abgebaut wird oder Fahrten mit Lkws anstehen“, sagte Feissner, nach dessen Ansicht das Herz-Kreislaufsystem oder auch das vegetative Nervensystem betroffen sein könnten. Die Abhilfe: Filtersysteme. Hier könne ein Luftfilter für zu Hause helfen. „Für die Umrandung der Haldenfläche empfehle ich die Anpflanzung von Eiben“, sagte der Mediziner. „Bei Studien in den USA wurde festgestellt, dass Eiben Feinstaub am besten aufnehmen und aus der Luft herausfiltern.“

Treffen mit Minister Olaf Lies geplant

Nach der Versammlung im Gemeinschaftshaus in Ronnenberg hat der Vorstand der Bürgerinitiative (BI) in rund zwei Wochen den nächsten Termin. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies, der im Juli die Halde in Ronnenberg besichtigt hatte, hat die BI zu einem Fachgespräch nach Hannover eingeladen. Mit dabei werden auch Ronnenbergs Bürgermeisterin Stephanie Harms und Fachbereichsleiter Wolfgang Zehler sein. Ein anderes Gespräch hat die Bürgermeisterin demnächst mit der Firma Menke Umwelt Service Ronnenberg vereinbart. „Wir haben uns zuletzt oft geschrieben und nur über die Presse kommuniziert“, sagt Harms, die sich in Kürze mit Menke-Geschäftsführer Stefan Entrup treffen möchte. hg

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Von Stephan Hartung

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