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Ronnenberg Grundschüler lernen beim Klima-Imbiss: Bewusste Ernährung ist auch Umweltschutz
Umland Ronnenberg

Ronnenberg: Grundschüler lernen beim Klima-Imbiss: Bewusste Ernährung ist auch Umweltschutz

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06:51 06.12.2019
Elisabeth Seiler vom Verein Heuhüpfer erarbeitet mit den Grundschülern spielerisch, woher bestimmte Früchte, Gemüse- und Obstsorten stammen. Quelle: Ingo Rodriguez
Ronnenberg

Tomaten sind zwar frostempfindlich und brauchen viel Wärme, um gut zu wachsen. Trotzdem können sie in Deutschland auch im Winter in einem Gewächshaus produziert und geerntet werden. Elisabeth Seiler weiß das als Ingenieurin für Gartenbau natürlich auch. Trotzdem rät sie bei ihrem Besuch in der Grundschule Ronnenberg davon ab. „Man benötigt ganz viel Energie, um das Gewächshaus zu heizen“, sagt Seiler zu 15 Drittklässlern. Auf Tomaten sollten die Menschen in Deutschland ihrer Ansicht nach im Winter möglichst verzichten. „Im Winter lässt sich aber Wirsing noch ernten“, nennt Seiler eine Ernährungsalternative. Den Vorschlag eines Schülers, Tomaten im Winter aus wärmeren Ländern nach Deutschland zu holen, findet Seiler nicht so gut. Beim Transport stoße ein Auto zu viel Abgase in die Umwelt aus, sagt sie.

Ronnenberger Grundschüler haben bei einem Klima-Imbiss eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Eine bewusste Ernährung mit saisonal geernteten Lebensmitteln aus der Umgebung schützt auch die Umwelt.

Saisonale Lebensmittel aus der Nähe schonen das Klima

Die Expertin ist auf Einladung der Stadt Ronnenberg schon zum wiederholten Mal in die Grundschule gekommen, um den Jungen und Mädchen aus dem gesamten dritten Jahrgang – Klasse für Klasse – zu erklären, wie sich mit einer bewussten Ernährung auch die Umwelt schützen lässt. „Klima-Imbiss“: So nennt sich das Projekt des Vereins Heuhüpfer aus Hemmingen, mit dem die Stadt einen neuen Schwerpunkt in ihrem Klimaschutzaktionsprogramm setzt. Die Kinder sollen lernen, welche Lebensmittel sie wann verwenden können, ohne die Umwelt mit unnötig viel Energieverbrauch und Schadstoffausstoß zu belasten. Drittklässler Felix hat schon Hintergrundwissen. „Kopfsalat ist im Mai reif“, sagt er im Sitzkreis.

Die 19-jährige Sophie Rönicke gibt Melinda (9) und Ben (8) beim Schnippeln von Gemüse kleine Tipps. Quelle: Ingo Rodriguez

Dann lernen die Kinder auch noch, welche Gemüse- und Obstsorten aus welchen Ländern kommen. Darauf sollen sie beim Einkauf mit ihren Eltern künftig achten – und sich über die Herkunft der Waren auf den Schildern in den Regalen informieren. „Bei den gleichen Produkten nimmt man besser eines aus der Nähe und keins, das aus Neuseeland importiert wurde“, sagt Seiler. Eileen hat aufgepasst. „Äpfel und Birnen sind klimaschonend, weil das Obst in der Nähe wächst und deshalb keine Energie für den Transport verschwendet wird“, sagt die Drittklässlerin.

Die 19-jährige Sophie Rönicke bereitet den Klima-Imbiss zu. Quelle: Ingo Rodriguez

Beim Besuch der Klasse 3c von Lehrerin Mareike Knappe hat der Verein auch eine mobile Küche, Gemüse und die 19-jährige Sophie Rönicke mitgebracht. Die junge Frau absolviert ein freiwilliges ökologische Jahr (FÖJ) und bereitet im Klassenzimmer einen Wintereintopf vor. Die Zutaten – unter anderem Steckrüben, rote Beete, Möhren und Grünkohl – haben die Drittklässler selbst klein geschnippelt. Auch beim Essen der Suppe sollen die Kinder bewusst handeln. „Es gibt nur Probierportionen, damit auch nur Kinder, denen es schmeckt, Nachschlag nehmen“, sagt Seiler. Die 19-jährige Rönicke erklärt den Hintergrund: „In Deutschland werden pro Jahr und Person rund 82 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen.“ Es sei absolut unnötig, für diese Mülltonnen-Erzeugnisse die Energie für die vorherige Produktion und den Transport sowie für die Entsorgung zu verschwenden. „Man muss nur den Einkauf bewusster planen, sagt die junge Frau.

Leckerer Wintereintopf mit saisonalen Erntegütern aus der näheren Umgebung: Die Drittklässler probieren zum Abschluss den Klima-Imbiss. Quelle: Ingo Rodriguez

Ernährung verursacht mehr als 30 Prozent aller Treibhausgase

„Gesund für Dich, gut fürs Klima“ heißt das Motto des Projekts Klima-Imbiss, das vom Verein Heuhüpfer aus Hemmingen entwickelt wurde. Im Auftrag der Stadt Ronnenberg wird es in allen Grundschulen angeboten. Mit dem Thema Ernährung und Umwelt setzt die Stadt einen neuen Schwerpunkt in ihrem Klimaschutzaktionsprogramm. Das Projekt wird über den ProKlima-Fonds von Enercity gefördert, in dem auch die Stadt Ronnenberg seit 1999 Mitglied ist.

Verwaltungsmitarbeiterin Heidrun Brümmendorf vom Team Ökologie und Klimaschutz der Stadt nennt den Hintergrund: „Mit der Herstellung, dem Transport und der Entsorgung unserer Nahrungsmittel werden etwa 31 Prozent aller ausgestoßenen Treibhausgase produziert.“ Demnach wirken sich auch die Ernährungsgewohnheiten auf den CO2-Ausstoß pro Kopf aus. „In Deutschland werden jährlich etwa 1032 Kilogramm CO2 pro Person nur durch die Ernährung produziert“, sagt Brümmendorf. Weltweit liege Deutschland mit diesem Wert auf Platz 38. Das Land Niedersachsen komme sogar auf einen Wert von rund 1835 Kilogramm CO2 pro Person und Jahr. „Eine Verringerung der Werte ist mit der Wahl regionaler, saisonaler und biologischer Lebensmittel sowie dem Konsum von mehr Gemüse anstatt Fleisch möglich“, sagt Brümmendorf.  

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Von Ingo Rodriguez

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