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Ronnenberg Kalihalde: Land soll Abtrag des Salzberges prüfen
Umland Ronnenberg

Ronnenberg: Land Niedersachsen soll Abtrag der Kalihalde prüfen

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17:37 20.07.2021
Die Salzauswaschungen (hier die Einleitestelle in die Fösse) aus der Ronennberger Kalihalde soll dauerhaft verhindert werden.
Die Salzauswaschungen (hier die Einleitestelle in die Fösse) aus der Ronennberger Kalihalde soll dauerhaft verhindert werden. Quelle: Uwe Kranz
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Ronnenberg

Egal wie unterschiedlich die Ansichten zu anderen Themen sind, bei der Zukunft der Kalihalde sprechen die politischen Parteien in Ronnenberg mit einer Sprache. Mit zwei gemeinsamen Anträgen im Rat der Stadt wollen sie nun möglichst einen Abtrag des Salzberges erreichen – zumindest aber die Belastungen für die Anwohner im Falle einer Abdeckung so gering wie möglich halten.

Den allgemeinen Erwartungen nach steht die Firma Menke Umweltservice Ronnenberg im Auftrag der Firma Horizon als Haldeneigentümer kurz davor, beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) einen Antrag dafür zu stellen, die Halde mit Bauschutt abzudecken und später zu begrünen. Anwohner und Politiker in Ronnenberg befürchten allerdings, dass dabei die Salzauswaschungen durch Regenwasser, die bislang vor allem die Fösse verschmutzen, nicht komplett gestoppt werden können.

Ist Abtrag eine Alternative zum „Menke-Plan“?

Deshalb halten sie einen Abtrag des Berges für die bessere Lösung. Was fehlt, ist Erfahrung mit solchen Projekten, weshalb die Idee des Abtrags am Runden Tisch zur Kalihalde von Unternehmerseite als nicht umsetzbar abgelehnt worden war.

Das soll sich ändern. In seinem Antrag fordert der Rat der Stadt Ronnenberg den niedersächsischen Landtag und die Landesregierung auf, eine standortunabhängige Machbarkeitsuntersuchung und europaweite Markterkundung zur Verwertung, zum Versatz und zur Verlagerung von Kaliabraummaterial in Auftrag zu geben. Dabei soll klar werden, ob ein Abtrag des Berges nicht doch eine machbare Alternative zum „Menke-Plan“ darstellt.

In der Begründung verweisen die Politiker darauf, dass die Bewertungsmatrix des Runden Tisches die Abtragsvariante durchaus positiv gesehen habe. Neben des Stopps der Versalzung des Grundwassers seien bei einem Abtrag keine dauerhaften Unterhaltungs- und Kontrollmaßnahmen nötig und die Fläche könne für andere Nutzungen reaktiviert werden, argumentieren die Ronnenberger. Hierfür eine Machbarkeits- und eine Markterkundungsstudie durchzuführen, sei auch eine politische Verantwortung des Landes Niedersachsen.

Langjähriger Streit soll vermieden werden

Wie zu hören war, hatte sich das Ministerium als Schirmherr des Runden Tisches gegen eine Machbarkeitsstudie allein für Ronnenberg ausgesprochen, offenbar da dies als versteckte Subvention für den Betreiber gesehen werden könne. Aus dem Rat der Stadt heißt es nun, dass sich bei einer standortunabhängigen Untersuchung der zahlreichen Halden in Niedersachsen, die auch unterschiedliche Mengen wegen verschieden großer Halden betrachte, keine unerlaubte Unterstützung einzelner Unternehmen ergebe.

Dagegen sei die Verwerfung des Abtrags aufgrund einer bloßen Spekulation kein für das Thema verantwortlicher Umgang. Letztlich hätten Landtagsabgeordnete verschiedener Parteien wie auch Wirtschaftsminister Bernd Althusmann versichert, eine für die Einwohner Ronnenbergs vertretbare Lösung finden zu wollen.

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Antrag Nummer 2 befasst sich mit dem Fall, dass die Machbarkeitsstudie zu dem Schluss kommt, dass ein Abtrag tatsächlich nicht umsetzbar ist. Darin werden zwölf Bedingungen formuliert, die Menke/Horizon im Falle einer Abdeckungsvariante erfüllen sollen. Die Parteien berufen sich dabei zum Teil auf Aussagen des LBEG am Runden Tisch. Ziel ist es, die Belastungen durch Lärm, Staub und Schadstoffe während der Zeit der Umgestaltung sowie die Dauer der Arbeiten so gering wie möglich zu halten. Dieses Ziel habe auch Vorrang vor dem Plan, den Berg nach der Begrünung möglicherweise für die Öffentlichkeit frei zu geben.

Die Anträge sollen schon in der Ratssitzung am Mittwoch, 21. Juli, beschlossen werden. „Die Inhalte sind ja Forderungen, die wir am Runden Tisch gestellt haben und die jetzt vom Rat bestätigt und bekräftigt werden sollen“, sagt Jens Williges (Grüne), der die Antragstexte maßgeblich formuliert hatte. Er sieht in der Umsetzung eine Möglichkeit, einen jahrelangen Streit vor Gericht zu vermeiden.

Von Uwe Kranz