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Ronnenberg Nach Missbrauchsfall: So wollen Stadt und Vereine die Gefahr minimieren
Umland Ronnenberg

Ronnenberg: Stadt und Vereine wollen Missbrauchsgefahr minimieren

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00:25 29.06.2019
Vereine und die Stadt sind geschockt über die Missbrauchsfälle an der KGS Ronnenberg. Quelle: Julian Stratenschulte
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Ronnenberg

Der Fall sexuellen Missbrauchs an der KGS Ronnenberg hat nach seinem Bekanntwerden am Dienstag in weiten Teilen der Bevölkerung für Bestürzung gesorgt. Auch die Mitarbeiter im Empelder Rathaus seien „sehr geschockt“ gewesen, erklärt Bürgermeisterin Stephanie Harms. Inzwischen hat der Beschuldigte sechs der ihm vorgeworfenen Taten gestanden. Neben der Frage, ob und wie den Jungen im Alter von zwölf bis 18 Jahren geholfen werden kann, wird vielerorts diskutiert, wie solche Fälle verhindert werden können. Der Tenor: So etwas kann leider überall vorkommen. Doch wie kann man die bleibende Gefahr möglichst minimieren?

Ersttäter sind vorher kaum zu erkennen

Die Stadt Ronnenberg verlangt von allen ihren Mitarbeitern, die in ihrem Auftrag mit Jugendlichen zu tun haben, ein polizeiliches Führungszeugnis. „Wer das nicht vorweisen kann, ist bei uns raus“, sagt Harms, räumt aber ein, dass auch die Landesschulbehörde diese Voraussetzung von dem beschuldigten AG-Leiter eingefordert hatte. Ersttäter könne man also offenbar mit dieser Methode vorher kaum erkennen.

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Als weiteren Schritt bleibt der Stadtverwaltung nur die enge Zusammenarbeit mit Polizei und Behörden. Sollte es Hinweise auf einen Missbrauch jeglicher Art geben, würde man diesen sofort und sehr sorgfältig nachgehen. Von dem aktuellen Fall eines 51-jährigen AG-Leiters, der Jungen in einem Hotelzimmer missbraucht haben soll, habe sie aber auch erst vor am Montag und die meisten Details aus der Zeitung erfahren. Das habe als Hintergrund unter anderem, dass die Stadt als Schulträger lediglich für die Gebäude, nicht aber für das Personal zuständig sei. Für Fragen zu dem Missbrauchsfall aus der Bevölkerung müsse die Verwaltung deshalb auch an die Landesschulbehörde verweisen, erklärte Harms.

SG05-Vorstand schaut regelmäßig genau hin

Auch Dieter Mockprang, Vorsitzender der SG 05 Ronnenberg, sieht seinen Verein vor der Gefahr einer Sexualstraftat nicht gefeit. Und das betreffe nicht nur männliche Übungsleiter, theoretisch kämen auch Frauen in Turngruppen infrage, sagt er. „Deshalb gucken wir uns unsere Übungsleiter genau an“, sagt Mockprang.

90 Prozent der Übungsleiter kommen aus dem direkten Umfeld des Vereins, erklärt er. Beim Nachwuchs sind es sogar noch mehr. „Alle Jugendbetreuer sind aus Ronnenberg oder Empelde. Da kennt man auch die Familien“, sagt der Vorsitzende. Mit regelmäßigen Besuchen während der Übungsstunden versuche der Vorstand darüber hinaus, sich ein Bild von den Übungsleitern zu machen. Genau hinzusehen sei „das A und O“, sagt Mockprang. Seit 30 Jahren sei man damit bei der SG05 gut gefahren.

Führungszeugnis beim TuS alle zwei Jahre neu

Vertrauen ist auch für Maxi Hüper die Grundlage für die Zusammenarbeit mit einem Übungsleiter für Kinder und Jugendliche. Die 2. Vorsitzende des TuS Empelde hat deshalb eine „besseres Gefühl“, wenn die Übungsleiter aus der Nachwuchsarbeit des eigenen Clubs stammen. „Da hat man ein ganz anderes Vertrauensverhältnis“, sagt sie.

Dennoch verlangt auch der TuS ein polizeiliches Führungszeugnis von seinen Übungsleitern – und das alle zwei Jahre aufs Neue. Zusätzlich unterschreiben alle eine Art Ehrenerklärung, dass sie keine Hand an Kinder anlegen werden. Um auch als Übungsleiter auf der sicheren Seite zu sein, sei es in ihrer Faustballsparte zudem üblich, dass immer zwei Übungsleiter in den Trainingsstunden anwesend sind. Gegen Übergriffe, wie im aktuellen Fall, die sich außerhalb des Übungsbetriebs abspielen ist allerdings auch das alles keine Garantie, muss Hüper einräumen.

Bürgermeisterin Harms appelliert deshalb auch an die Eltern, ihre Kinder noch intensiver über mögliche Gefahren aufzuklären. Jungen und Mädchen sollten immer in der Lage sein „Nein“ zu sagen, und sich auch stark genug fühlen, zu Hause zu berichten, wenn es zu Übergriffen oder Belästigungen kommen sollte.

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Von Uwe Kranz

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