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Ronnenberg 32 Flugzeuge starten täglich über Ronnenberg
Umland Ronnenberg

Rund 32 Flugzeuge starten täglich über Ronnenberg

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17:13 20.11.2019
Ab einer gewissen Flughöhe wird die Geräuschemission von Flugzeugen als nicht mehr relevant angesehen. Quelle: Jens Büttner
Weetzen

Immer wieder haben sich Bürger in den Ortsratssitzungen in Weetzen in den vergangenen Monaten über Fluglärm beschwert und auch über Schlafstörungen geklagt. Um belastbare Informationen zu diesem Thema zu erhalten, hatte die Stadtverwaltung Reinhart Thomas, den Fluglärmbeauftragten des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums für den Flughafen Hannover-Langenhagen, eingeladen. Am Montagabend referierte er während der Ortsratssitzung über Ursachen, Intensität und Auswirkungen des Fluglärms über dem Stadtgebiet. Sein Fazit: Es gibt keine konkrete Gefährdung der Gesundheit.

Piloten erhalten über Gehrden die Freigabe für den Zielanflug

Thomas stellte in seinem Vortrag viele exakte Zahlen vor, um zu belegen, inwieweit sich das Lärmproblem in der Vergangenheit verbessert hat. Er betonte, dass die Fluggesellschaften ihre Maschinen immer weiter optimieren würden („Alles andere wäre auch bescheuert“) und stellte fest, dass die Geräuschemissionen seit 1950 um 80 Prozent zurückgegangen seien.

Auf Grafiken zeigte er Hunderte bunter Linien in verschiedenen Farben – damit werden die Routen der Starts und Landungen rund um Hannover dargestellt. In der Hauptreisezeit von Mai bis Oktober könnten das über Weetzen bis zu etwa 32 pro Tag sein, erklärte der Lärmschutzbeauftragte. Bei einem vorherigen Vortrag in Everloh hatte Thomas auf einer Folie allein 43 Nachtflüge über Gehrden präsentiert. Grundsätzlich schwenken die Maschinen nach einem Bogen über Groß Munzel auf der sogenannten Povel-Route grob in Richtung eines Funkfeuers in Sarstedt ab. Wegen der bis dahin gewonnenen Höhe erhielten die Piloten aber schon über Gehrden die Freigabe für den Zielanflug, erklärte Thomas. Eine Streuung der gewählten Routen – vornehmlich über Gehrden und Weetzen – sei die Folge. Das sei aber in Sachen Lärmbelastung ganz unproblematisch, sagte Thomas.

Geräuschpegel „ist fluglärmtechnisch irrelevant“

Die Flughöhe über Weetzen betrage nämlich bereits mehr als 3000 Meter. Für einen von Thomas ausgewählten Flugzeugtyp ergibt sich in diesem Ronnenberger Stadtteil demnach eine Lärmbelastung von 54 dB(A). „Das ist fluglärmtechnisch irrelevant“, erklärte der Experte, der aber auch einräumen musste, dass in Langenhagen durchaus auch noch lautere Flugzeugtypen starten und landen.

Konkrete Angaben zur Anzahl der Starts und die genauen Lärmwerte über Weetzen konnte er in diesem Zusammenhang nicht liefern – lediglich die Feststellung, dass auch diese nicht ins Gewicht fielen. „Es gibt keine konkrete Gefährdung der Gesundheit in Weetzen“, sagte Thomas. Einem Bürger, der erklärte, durch einzelne lautere Flugzeuge aus dem Schlaf gerissen zu werden, riet der Referent lapidar, zur Geräuschdämmung das Fenster zu schließen.

Gerade rücken wollte Thomas auch das nach seiner Ansicht falsche Bild, das bei der Nachtflugregelung für Langenhagen in der Bevölkerung gilt. Diese erlaube nicht, dass der Flughafen nachts betrieben werde, sondern reglementiere vielmehr, welche Maschinentypen in den Nachtstunden überhaupt starten und landen dürften. „Wenn keine Nachtflugregelung vorliegen würde, wäre es bedeutend lauter“, erklärte er.

Eine gute Nachricht hatte der Lärmbeauftragte dann doch für die Ronnenberger und die Bewohner der Nachbarkommunen: Die Vorgaben für die Nachtflugregelung würden zum 1. Januar 2020 verschärft, bestätigte er eine Aussage von Ortsratsmitglied Sylvie Röhrkasten. Damit fiele ein besonders lauter Flugzeugtyp aus der Liste heraus, sagte Thomas.

Am Ende gibt es sogar Applaus

Keine Auswirkungen haben allerdings alle Regelungen und Vorgaben auf die ebenfalls – allerdings in viel niedrigerer Höhe – über das Stadtgebiet fliegenden Maschinen vom Typ Airbus A400 des Bundeswehr-Fliegerhorstes in Wunstorf. „Das Militär lässt sich nicht reinreden“, sagte Thomas.

Um noch konkretere Werte für eine weitere Diskussion der Lärmbelastung zu gewinnen, bot Thomas an, über vier Wochen eine mobile Messstation in Weetzen aufzustellen. Der Ortsrat und Ortsbürgermeister Rüdiger Wilke garantierten ihre Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Standort.

Anders als bei einer ähnlichen Veranstaltung vor wenigen Wochen in Everloh erhielt Thomas in Weetzen am Ende seines Vortrags sogar Applaus von den rund 20 Zuhörern im Zuschauerraum.

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Von Uwe Kranz

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