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Ronnenberg Waldbrandgefahr: Feuerwehr probt den Ernstfall im Lokal Waldwinkel
Umland Ronnenberg

Waldbrandgefahr: Feuerwehr probt den Ernstfall im Lokal Waldwinkel am Benther Berg

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09:25 12.07.2019
Im Szenario der Feuerwehr stand ein Schuppen des Ausflugslokals Waldwinkel unter dichtem Rauch. Quelle: Patrick Schiller
Benthe

Schwarzer, dichter Rauch steigt am Fuße des Benther Berges auf, in Benthe läuten die Sirenen. Die Feuerwehr hat diese Woche bei einer außergewöhnlichen Übung den Ernstfall geprobt. Das Szenario erinnert nicht zufällig an den Waldbrand im mecklenburgischen Lübtheen. Auch im Calenberger Land erhöht die Trockenheit die Brandgefahr.

Das Café brennt

Der Brandherd ist schnell ausgemacht: Der neu eröffnete Kaffee- und Biergarten Waldwinkel am Benther Berg. Vor Ort sind die Löscharbeiten in vollem Gange. Aus einem alten Schuppen des Lokals steigt noch immer dichter, beißender Qualm auf. Feuerwehrleute rollen Schläuche aus. Sie bekämpfen die Brandquelle im Schuppen, angrenzende Bäume werden mit gezieltem Hochdruck benässt. Viel Qualm zieht den dichten Wald hinauf. Immer wieder rücken Einsatz- und Löschfahrzeuge auf dem unwegsamen Anstieg zum Lokal nach.

Rauch von Anwohnern und Autofahrern gemeldet

In all dem Trubel wirken die Pächter des erst kürzlich eingeweihten Lokals gelassen. Cara Cahusac dekoriert einen der Tische, ihr Ehemann schießt Fotos. „Ich habe gerade die Eigentümerin im Urlaub informiert. Die hat sich vielleicht erschrocken“, erzählt die Wirtin amüsiert. Mario Schrader, Stadtausbildungsleiter, deutet über sein Klemmbrett hinweg auf eine große Dieselschale. Darin liegen schwarze Brandreste. „Damit haben wir den Rauch simuliert. Die Übung soll doch auch für die Übungsteilnehmer möglichst echt wirken“, erklärt er. Dass das geklappt hat, beweisen die Warnhinweise, die von Anwohnern und Autofahrern bei der Feuerwehr eingingen.

Im Szenario der Feuerwehr stand ein Schuppen des Ausflugslokals Waldwinkel unter dichtem Rauch. Quelle: Patrick Schiller

Kein Wunder, erinnert der Anblick doch an die Bilder der schweren Waldbrände im mecklenburg-vorpommerschen Lübtheen. Vor dem Hintergrund der weiterhin erhöhten Waldbrandgefahr in ganz Deutschland simulierten die Ronnenberger Feuerwehren am Benther Berg somit ein durchaus denkbares Szenario. Ein Funkenflug könne schnell auf den dicht angrenzenden Wald übergreifen, meint auch Ronnenbergs Stadtbrandmeister Gunnar Scheele. Eine schnelle und ununterbrochene Brandbekämpfung sei deshalb unerlässlich.

Pendelverkehr wird eingerichtet

Als Problem erweist sich, dass es unweit des Waldlokals keine Wasserentnahmestelle gibt. Gegen den Waldbrand muss also Löschwasser eingesetzt werden, dass die Fahrzeuge selbst dabei haben. Die bringen es laut Schrader je nach Fahrzeugtyp auf 750 beziehungsweise 2800 Liter.

Wie schnell die verbraucht sind, kann man bei den Löscharbeiten erahnen. Gerade trifft ein weiteres, 2800 Liter fassendes Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Ronnenberg ein. „Pro Minute verbrauchen wir etwa 500 Liter Löschwasser“, sagt Scheele. Nachdem das neu eingetroffene Löschfahrzeug mit den Schlauchsystemen verbunden ist, fahren die Empelder Einsatzkräfte wieder los – zum Auftanken.

20.000 Liter Löschwasser am Einsatzort

Die nächste Wasser-Tankstelle befindet sich an der Salinenstraße, Höhe Langer Berg. Hier, in gut 500 Metern Entfernung, endet die Wasserzivilisation. Durch einen Pendelverkehr soll gesichert werden, dass alle neun Minuten ein mit frischem Löschwasser betanktes Fahrzeug bereitsteht. „Das ist auf der engen Straße mit einem hohen Aufwand verbunden“, gibt Scheele zu Bedenken.

Im Szenario der Feuerwehr stand ein Schuppen des Ausflugslokals Waldwinkel unter dichtem Rauch.

Auch wenn das alles sehr lange dauert, befinden sich die Zeiten noch geradeso im vorgegebenen Rahmen. Daher sei es wichtig, dass jede Ortsfeuerwehr schnell einsatzbereit ist, um eine schnelle Ausbreitung zu verhindern. „Ab einer gewissen Größe müssen wir natürlich größer auffahren“, erklärt Scheele. Immerhin seien am Dienstagabend mit der Pendelverkehrmethode insgesamt 20.000 Liter Löschwasser an den Einsatzort gebracht worden.

Eine weitere Option wäre es gewesen, über einen langen Schlauch Löschwasser zum Einsatzort zu liefern. Das würde allerdings wertvolle Zeit und zusätzliches Personal kosten. Im Ernstfall sei die Option aber unverzichtbar, so Scheele.

Die Bäume freut es

Am Ende der Übung konnten sich zumindest einige Bäume über die willkommene Wasserladung freuen. Der Feuerwehr brachte die Übung eine wichtige Erkenntnis: „Man kann sich im Vorfeld viele Konzepte überlegen, aber ob es wirklich funktioniert, sieht man erst, wenn man sie übt. In diesem Fall waren wir erfolgreich. “ Auch die Einwohner Benthes können aufatmen. Ihr neues Ausflugsziel steht noch.

In Gehrden leiden die Buchen

Vertraut man auf die Vorschau des Deutschen Wetterdiensts, sinkt die Brandgefahr mit den erwarteten Niederschlägen zum Wochenende. An der allgemeinen Trockenheit aufgrund der geringen Niederschlagswerte ändert das allerdings nichts.

Am Gehrdener Berg sind vor allem Buchen von der Trockenheit betroffen. Die Forstbetriebsgemeinschaft Gehrdener Berg forderte Waldbesitzer bereits dazu auf, ihre Buchen schneller zu ernten, ehe durch Insekten- oder Pilzbefall das Holz entwertet werden würde. „Die Wurzeln sind zwei bis drei Meter tief, doch in diesem Bereich ist kein Wasser mehr vorhanden“, sagt der Vereinsvorsitzende Uwe Hundertmark.

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