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Ronnenberg Ehepaar Hertel leistet viel Erinnerungsarbeit
Umland Ronnenberg Ehepaar Hertel leistet viel Erinnerungsarbeit
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00:19 26.10.2018
Bevor die Juden Deutschland verließen, mussten sie sich polizeilich abmelden. Peter Hertel zeigt eine entsprechende Urkunde. Quelle: Heidi Rabenhorst
Weetzen

Ein großer Reisekoffer aus Sperrholz, eine Schreibmaschine, zwei Likörgläser sowie unzählige schriftliche Dokumente und Fotos gehören zum historischen Erbe der Ronnenberger Juden. Peter Hertel und Christiane Buddenberg-Hertel haben es gesichert und nach Ronnenberg geholt. In Eigeninitiative sind sie im März nach Brasilien und im August in die USA geflogen. Dort haben sie zwei von den Nationalsozialisten vertriebene jüdische Ronnenberger und die Mitglieder von insgesamt vier jüdischen Familien aus Ronnenberg besucht.

Für die Wanderausstellung, die das Ehepaar im Jahr 2013 in Kooperation mit der Stadt Ronnenberg erarbeitet hat und in ihrem Buch „Die Juden von Ronnenberg“, das 2016 von der Region Hannover/Gedenkstätte Ahlem herausgebracht wurde, hatte es nur Kopien beziehungsweise Scans verwenden können. Inzwischen haben die beiden in Eigeninitiative etwa 200 Originale nach Ronnenberg gebracht.

Im März hat das Ehepaar den 104-jährigen Heinz Seligmann in Rio de Janeiro besucht und seinen mit Erinnerungsstücken gefüllten Koffer mitgebracht. Als Hab und Gut hatte er während seiner Flucht neben seinem Handgepäck diesen Koffer dabei, der nun nach 81 Jahren wieder in Ronnenberg gelandet ist. „Der Koffer steht für den Anfang der jüdischen Vertreibungsgeschichte und ist ein greifbares Symbol für die Fluchtgeschichte der Ronnenberger Juden“, erläutert Hertel.

Fünf Monate später war das Ehepaar für zehn Tage in den Vereinigten Staaten, um unter anderem den 96-jährigen Fritz Cohen, Ehrenbürger der Stadt Ronnenberg, in West-Lafayette zu treffen. Zu den originalen mitgebrachten Dokumenten gehört unter anderem das letzte Schriftstück, das Lina Cohen (ehemals Über den Beeken 15) vor ihrer Ermordung im KZ Theresienstadt verfasst hat. „Ihr könnt es Euch nicht vorstellen, wir kommen jetzt in eine neue Heimat, nach Theresienstadt“, schrieb sie – nicht ahnend, dass es für sie die Reise in den Tod bedeutet.

Von der Überlebenden Hilde Seligmann (ehemals Benther Straße 8) gibt es eine 1936 in Hannover gekaufte Schreibmaschine zu bewundern. „Auf dieser hat sie am 9. Juli 1942 in den USA vergebens Briefe an das Weiße Haus geschrieben, um ein Einreisevisum für Max Seligmann zu beschaffen. Leider ohne Wirkung, denn vier Wochen später wurde ihr Onkel nach Auschwitz deportiert und vergast“, berichtet Hertel.

Das Ehepaar Hertel hat eine Reihe von Erinnerungsstücken von seinen Reisen mitgebracht.

Ebenso liegt ein 21-seitiger Schreibmaschinenbericht des Überlebenden Julius Seligmann (ehemals Lange Reihe 11) über seine Flucht von Brüssel im Jahr 1940 durch französische Internierungslager nach Lissabon vor, wo er 1943 ein Schiff in die USA erreichte.

Die Frage „Werdet Ihr in Ronnenberg oder in Hannover zur Synagoge gehen?“ auf einer Postkarte aus dem Jahr 1937 von Else Seligmann dient Hertel als Beleg dafür, dass der Betsaal in ihrem Elternhaus – das heutige Bürgerbüro in der Velsterstraße 2 – die Synagoge der Synagogengemeinde Ronnenberg war.

Planungen zum Erinnerungsraum stocken

Die Planungen zu einem Erinnerungsraum an die ehemaligen jüdischen Bewohner Ronnenbergs und deren Schicksal im früheren Betsaal in der Velsterstraße 2 kommen nicht voran. Dem Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg fehle es an einem Auftrag, ein Konzept zu erstellen, hieß es im Bildungsausschuss des Rates von Seiten der Grünen-Fraktion. Erster Stadtrat Torsten Kölle erklärte, er habe mit allen Verantwortlichen des Vereins gesprochen und nicht den leisesten Zweifel daran gehabt, dass dieser Punkt bereits geklärt sei. Nun wolle er erneut den Kontakt zu dem Verein suchen, um mögliche Missverständnisse aus der Welt zu schaffen.

Weitere Dokumente hätte das Ehepaar gerne mitgebracht, „aber sie wurden bereits dem Holocaust-Museum Washington, dem weltweit größten Museum dieser Art, geschenkt“, sagt der frühere NDR-Journalist Hertel.

Das Ehepaar Hertel hofft nun, dass die mitgebrachten Stücke im geplanten Erinnerungsraum in dem Gebäude Velsterstraße 2 ihren Platz finden. Dort könnten auch Videoaufzeichnungen von Gesprächen mit Fritz Cohen und Heinz Seligmann gezeigt werden. Vor allem Schulklassen könnten davon profitieren.

Von Heidi Rabenhorst

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