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Seelze Insekten überwintern in Seelzes Blühflächen
Umland Seelze

Insekten überwintern in Seelzes Blühflächen 

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13:46 11.10.2019
Landwirt Christian Schomburg und zahlreiche Berufskollegen fördern die Biodiversität durch die Einrichtung von Feldvogel-Inseln und mehrjährigen Blühflächen. Quelle: Patricia Chadde
Gümmer

Wer aufmerksam durch Seelzes Feldmark streift, sieht vor allem regelmäßig strukturierte Ackerflächen. Sie werden jedoch immer häufiger von mehrjährigen Blühflächen und Feldvogel-Inseln unterbrochen. Sie sind besonders nach der Ernte gut zu erkennen, denn sie ragen dort als hoch stehende Wildblumenmischungen oder Erbsen weithin sichtbar empor.

Die Blühflächen machen einen ungewohnt wirren Eindruck mit kahlen Stellen und unterschiedlich hoch wachsenden Sorten von Dill über Malve bis Sonnenblume. Und das ist genau so gewollt. Denn hier geht es um attraktiven Lebensraum für Insekten.

Landwirte stellen Flächen bereit

Die Blühflächen werden von Landwirten wie Christian Schomburg angelegt. Er und zahlreiche Kollegen beteiligen sich an dem Projekt „Naturschutz mit der Landwirtschaft“, das die Artenvielfalt in der Region Hannover gezielt stärken will. Das Biodiversitätsprojekt wird von der Region Hannover, der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen und dem Landvolk Hannover gemeinsam realisiert. Viele landwirtschaftliche Betriebe finden die Idee, Lebensraum für Insekten zu schaffen, attraktiv – und hatten bis März 2019 rund 600 Hektar für die Maßnahmen gemeldet. Das ist ein Anstieg von 450 Hektar im Vergleich zu 2018.

Bienen brauchen den ganzen Sommer über Nektar

„Mit dem Ende der Rapsblüte versiegt eine wichtige Nahrungsquellen für Bienen“, erklärt Landwirt Schomburg den besonderen Bedarf an Pflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen. So finden Bienen und andere Insekten bis in den frühen Herbst hinein Nahrung. Neben Honigbienen tummelten sich in den vergangenen Monaten auch Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge auf Schomburgs Blühflächen. Auch Vögel finden Futter – und wer genau hinschaut, entdeckt auch verschiedene Käfer und Nagetiere, die zwischen den unterschiedlich hohen Gewächsen umherhuschen.

Naturschutz liegt im Trend

Wortkarg auf dem Trecker sitzen war gestern – inzwischen informieren auch Seelzes Landwirte über ihre Aktivitäten und werben für ihre umweltfreundliche „grüne“ Haltung. „Bienenfreundlicher Landwirt 2019“ steht beispielsweise auf dem Schild vor der mehrjährigen Blühfläche. Ergänzt durch den flotten Spruch „Wir schnacken nicht, wir packen an“ inklusive QR-Code.

Der landwirtschaftliche Laie kann wahrscheinlich Altgrasstreifen und Brachstreifen nicht einfach auseinanderhalten. Aber von der Stoppelbrache über eine Erbsenfläche in Zuckerrüben bis zum mehrjährigen Blühstreifen gibt es zahlreiche Möglichkeiten Tieren eine Nahrungsquelle und Unterschlupf zu bieten. Die geförderten Flächengrößen reichen dabei von maximal einem Hektar für einjährige Blühstreifen (Maßnahme 1) bis zur sogenannten Staffelmahd bis maximal vier Hektar (Maßnahme 8).

Schomburg hat für seine drei Feldvogel-Inseln jeweils 40 mal 40 Meter große Fenster mit Erbsen gedrillt. An 14 verschiedenen Standorten hat er Blühstreifen angelegt, zum Beispiel am Lohnder Wald. Auf 1,2 Hektar ist außerdem Schomburgs mehrjährige Blühfläche entstanden, auf der er rund 40 unterschiedliche Wildblumensorten aussäte.

Blühstreifen bieten auch im Herbst und Winter Schutz

Blühflächen werden im Herbst nicht abgeschlegelt, auch wenn nichts mehr in Blüte steht. „Die hohlen Stile der Sonnenblumen nutzen Insekten zum Überwintern“, weiß Schomburg, der auf diese Weise auch mehrere Hektar mit Insektenhotels besiedelt hat. Außerdem gehört es zur Projektidee, die Flächen sich selbst zu überlassen.

„Ich bin schon gespannt, wie es im kommenden Mai aussieht“, sagt Schomburg. Bisher kann er das Projekt aus vollem Herzen unterstützen. „Ich bin mir sicher, dass sehen meine Kollegen Thorsten Borges, Heinrich Maaß und Manfred Grages genau so“, glaubt Schomburg.

Landwirt Christian Schomburg stärkt Seelzes Artenvielfalt unter anderem mit 14 Blühstreifen und einer 1,2 Hektar großen, mehrjährigen Blühfläche. Außerdem hat er drei Vogel-Inseln eingerichtet.

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Von Patricia Chadde

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