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Umland Seelze Nachrichten Schneiderei als Beruf und Berufung
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20:02 23.01.2014
Sie sind ein eingespieltes Team: Schneidermeisterin und Inhaberin Güner Özkan Chirinian (rechts) und ihre langjährige Mitarbeiterin Renata Zawadzki. Sie wird das Geschäft auch übernehmen, wenn ihre Chefin sich im März in der Türkei zur Ruhe setzt. Quelle: Christiane Mahnke
Seelze

Ob „Hallo“, türkisches „Merhaba“ oder ein russisches „dobre djin“: In der Änderungsschneiderei am Kastanienplatz fühlen sich Kunden mehrerer Nationen gut aufgehoben.

Wie viel Zuspruch sie einmal haben würde, konnte Güner Özkan Chirinian bei der Eröffnung ihres Geschäftes im Januar 1998 nur ahnen. „Damals war es eine gute Gelegenheit, wieder selbstständig zu sein“, sagt die zierliche Damenschneidermeisterin. Und damals kam sie gerade ein weiteres Mal aus der Türkei nach Deutschland zurück. Land und Leute kannte sie bereits aus den sechziger Jahren. „Mein Abteilungsleiter aus der Textilfabrik in Bursa sprach mich 1965 an, warum ich nicht ins Ausland ginge. Kurze Zeit später bekam ich über die Arbeitsvermittlung in Istanbul tatsächlich eine Stelle in einer Uniformfabrik in Gronau“, sagt die heute 69-Jährige.

Das wissbegierige Mädchen lernte fleißig Deutsch, wohnte bei einer einheimischen Familie und avancierte zu einer der besten Scheiderinnen der Fabrik. Vier Jahre darauf heiratete sie einen türkischen Sozialarbeiter, folgte ihm nach Wuppertal. Dort kamen Tochter Oja und Sohn Memet zur Welt. Ihren Wunsch nach einer eigenen Schneiderei erfüllte sie sich dennoch. „Ich wollte mein eigenes Geld verdienen.“ Denn Schneidern ist für sie Beruf und Berufung. 1983 ging es für die Familie zurück in die Türkei. Ihr Mann wollte wieder in seine Heimat. „Dort aber galt ich nicht als Einheimische, sondern als Deutsche“, sagt sie. Die Ehe ging schief. Sie lernte ihren heutigen Mann kennen - und kam zurück nach Deutschland. Denn beide lieben das Land. So sehr, dass Chirinian im Jahr 2000 die deutsche Staatsbürgerschaft annahm.

Doch ist Deutschland auch ihre Heimat? „Heimat ist da, wo meine Familie ist“, antwortet die Schneidermeisterin kurz und bündig. Sohn und Tochter leben zurzeit in Istanbul und als Mutter hat sie natürlich ein besonderes Augenmerk auf den Nachwuchs, zumal vor drei Monaten ihr erstes Enkelkind zur Welt kam. Deshalb zieht es die quirlige Frau Mitte des Jahres, wenn sie sich zur Ruhe setzt, erneut in die Türkei. „Natürlich bleibe ich Deutsche. Warum soll ich diese Staatsangehörigkeit aufgeben?“, gibt sie sich selbstbewusst. Angst vor erneuten Anfeindungen ihrer früheren Landsleute hat sie nicht. Dort habe sich schließlich in den vergangenen Jahren vieles geändert, die Leute seien offener geworden.

Ihr Geschäft weiß Chirinian bei ihrer Mitarbeiterin Renata Zawadzki (52), gebürtige Polin und Damenschneidermeisterin, in bewährten Händen. „Renata kennt alles aus dem Effeff. Doch ein Stück von mir wird hierbleiben, und ein noch größeres Stück an Erinnerungen und Liebe der Menschen nehme ich mit“, weiß sie schon jetzt. Das werde ihr Kraft geben, wenn nicht immer alles rund laufe, in der neuen, alten Heimat.

Christiane Mahnke

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