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Nachrichten Gestorbener Streitschlichter Timo S. war krank
Umland Seelze Nachrichten Gestorbener Streitschlichter Timo S. war krank
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00:15 26.02.2015
Von Tobias Morchner
Quelle: Montage / Dillenberg /Screenshot; Facebook
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Seelze

Einen Tag nach dem tragischen Tod des 24-jährigen Timo S. aus Seelze, der beim Schlichten eines Streits vor einer Kneipe ums Leben gekommen war, ist die Leiche jungen Mannes obduziert worden. Wie die Polizei mitteilt, sind die Rechtsmediziner dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Kraftfahrer an einer Erkrankung litt, „die im Zusammenhang mit seinem Versterben steht“. Konkreter werden die Behörden nicht, doch deutlich wird: Timo S. hätte den Sturz auf dem Parkplatz wahrscheinlich überlebt, wenn er nicht gesundheitlich vorbelastet gewesen wäre.

Das Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung hat allerdings bislang keine Auswirkungen auf die Ermittlungen. Die Beamten werfen weiterhin einem 48-Jährigen aus Wennigsen Körperverletzung mit Todesfolge vor. Er hatte den Abend bei einem Dart-Turnier in einer Kneipe verbracht, in der sich auch Timo S. mit einem Arbeitskollegen aufhielt. Irgendwann geriet eine Gruppe junger Leute, die ebenfalls in der Gaststätte war, in Streit. Timo S. soll ersucht haben, einen der Beteiligten, den er kannte, zu beruhigen. Das aber gelang ihm nicht.

Die aggressive Stimmung heizte sich weiter auf, nachdem sich die Gruppe vor das Lokal begeben hatte. Einige der jungen Leute versuchten, ihren Frust an den Autos auszulassen, die auf dem Parkplatz vor dem Lokal abgestellt worden waren. In diesem Moment verließ der 48-Jährige in Begleitung seiner Freundin das Lokal. Auch er mischte sich ein, rief die jungen Leute zur Ordnung. Damit zog er den Zorn der Gruppe auf sich. Es kam zu einer Rangelei, in deren Verlauf Timo S. einen Stoß erhielt, stürzte und mit dem Kopf auf den Boden aufschlug. Im Krankenhaus erlag er seiner schweren Verletzung.

Der 24-Jährige hatte erst vor einem Dreivierteljahr einen neuen Job als Kraftfahrer bei einer Spedition in Seelze angetreten. Die Nachricht vom tragischen Tod des Kollegen verbreitete sich noch in der Nacht. „Wir stehen alle noch unter Schock“, sagt Anthanasios Alvanidis, der Personalchef von Seidel Logistik. Er beschreibt S. als zuverlässigen, fleißigen und zuvorkommenden Mitarbeiter, der nicht einen Tag krankheitsbedingt gefehlt habe. „Er hat sich schnell und gut bei uns eingelebt, hat sogar noch einige seiner Freunde nach und nach zu uns gebracht“, sagt Alvanidis.

In der Facebook-Gruppe „Du bist Seelzer“ zeigten sich gestern viele Nutzer betroffen und brachten ihr Beileid mit der Familie zum Ausdruck – auch wenn einige einräumten, Timo S. persönlich gar nicht gekannt zu haben.
Unterdessen setzte die Polizei die Befragungen der Menschen fort, die in der Nacht vor der Kneipe in der Stöckener Straße aneinander geraten waren. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, sodass sich derzeit noch kein genaues Bild des Tathergangs ergebe, teilt die Behörde mit. Der 48-Jährige Tatverdächtige war bereits nach seiner Vernehmung am Sonntag in Absprache mit der Staatsanwaltschaft entlassen worden.