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Nachrichten Gutachten zur Therme ist nicht aussagekräftig
Umland Seelze Nachrichten Gutachten zur Therme ist nicht aussagekräftig
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19:48 27.08.2014
Guter Zuspruch: Vor allem der Wellnessbereich der Therme lockt viele Besucher aus der Region an. Quelle: Treeske Hönemann
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Seelze

Wie viel die Therme in Seelze wert ist, spielt die entscheidende Rolle bei den Verkaufsgesprächen. Laut Pachtvertrag soll die Kristall Bäder AG das Bad jetzt nach Ablauf der Fünfjahresfrist für einen symbolischen Euro plus Übernahme der Restschuld erwerben können. Die Stadt muss noch zehn Millionen Euro für die Therme abbezahlen. Die Summe ist unstrittig. Wo liegt das Problem?

„Das mit der Restschuld ist eine laienhafte Betrachtung“, sagt der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Kristall Bäder AG, Heinz Steinhart. Die Therme erfülle mehrere Aufgaben. Eine sei die Daseinsfürsorge, Schüler sollen Schwimm-unterricht erhalten, Gäste zu sozialen Tarifen baden können. „Beim Hallenbad legen wir jedes Jahr rund 500 000 Euro drauf. Gemessen am Gesamtvolumen der Baukosten habe die Halle aber nur ein Drittel der Ausgaben ausgemacht“, sagt Steinhart. Die Kristall Bäder AG habe selbst noch drei Millionen Euro investiert, um die Therme attraktiv und konkurrenzfähig zu machen. Zudem stiegen die Ansprüche der Gäste. „Die Therme ist nur eine Erfolgsgeschichte für die Stadt, für uns aber nicht.“

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Die Kristall Bäder AG will das Bad kaufen und weitere drei Millionen Euro investieren, allein vor dem Hintergrund, dass Garbsen seinen Badepark in Berenbostel neu baut und auch Langenhagen ähnliche Pläne verfolgt. Ob Steinhart sich mit der Stadt einig wird, ist völlig offen. Sein erstes Angebot lag unter zehn Millionen Euro. Das war der Stadt zu wenig. Das Ertragswertgutachten besteht aus drei Seiten: eine Seite Anschreiben, zwei Seiten Inhalt. Bürgermeister Detlef Schallhorn ist das zu dürftig. „Ich möchte wissen, auf welcher Basis der Gutachter zu den Zahlen kommt“, sagt der Verwaltungschef. Ihm sei andererseits aber auch klar, dass „uns kein Mensch die Therme für zehn Millionen Euro abkaufen wird“.

Erfolgsgeschichte für die Stadt

Die Kristall-Therme ist eine Erfolgsgeschichte für die Stadt. Die Besucherzahlen steigen ständig. Dennoch würde die Stadt die Wellnesstherme an die Bäder AG verkaufen – sofern der Preis stimmt und der Bestand des Bades langfristig gesichert ist. Die Kristall-Therme ist im Dezember 2009 eröffnet worden. Bei einer europaweiten Ausschreibung hatte die Bäder AG im März 2008 den Zuschlag erhalten. Die Stadt investierte 12,1 Millionen Euro in den Neubau. Dafür wurde an gleicher Stelle, an der Grande-Couronne-Allée, die alte marode Schwimmhalle abgerissen, die seit 2005 aus Sicherheitsgründen geschlossen war. Die Stadt zahlt jährlich an Zins und Tilgung rund 700 000 Euro. Von der Bäder AG erhält sie im Gegenzug eine Pacht von 250 000 Euro. Das Defizit von 450 000 Euro entspricht dem Zuschuss, den die Stadt auch für die alte Schwimmhalle hatte aufbringen müssen.

Von Treeske Hönemann

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