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Umland Seelze Nachrichten Seife machen ist wie Kuchen backen
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00:15 26.11.2017
Pink, blau oder grün? Susanne Richter (46) stellt in ihrer Küche Naturseifen her. Quelle: Lennart Pralle
Seelze

 Susanne Richter stellt seit rund sieben Jahren handgemachte Seife her. Hauptberuflich ist sie Ausbilderin für Fachkräfte in der Abwassertechnik. Beruf und Ausbildung haben ihr bei der Herstellung geholfen. 

Handgemacht in Seelze

Sie fertigen Hüte, Seife, Babykleidung, Puppen, Geschirr und Taschen: Seelze hat ein erstaunliches Kreativ-Potenzial. In unserer Lokalserie „Handgemacht in Seelze“ stellen wir Menschen vor, die tatsächlich noch mit den Händen arbeiten. Wir zeigen Künstler an der Nähmaschine, an der Stricknadel, in der Werkstatt und an der Töpferscheibe. Sie erklären uns, wie aus einer Idee oder einem Hobby kleine Geschäftsmodelle werden können. ton

Der Weg vom Öl zur Seife

Über Jahrhunderte waren Tierfette das Ausgangsprodukt für Seifen schlechthin. Susanne Richter nutzt eine modernere Art. Sie verwendet ausschließlich Pflanzenöle. „Seife herstellen funktioniert ein bisschen wie Kuchen backen“, sagt Richter. Wie beim Backen, ist die Küche ihr Arbeitsplatz. Allerdings weit weg von allen Lebensmitteln, um die Seife nicht zu verunreinigen. 

Man nehme Natriumhydroxid und Wasser für die Lauge und mische sie mit Öl zu einer Emulsion. Wichtig ist das richtige Verhältnis beider Bestandteile: Immer mehr Öl als Lauge. Der pH-Wert darf nicht über acht steigen, sonst würde die Seife die Haut angreifen. „Seife sollte man immer nur herstellen, wenn man weiß, was man tut“, meint Richter, „pures Natriumhydroxid ist sehr gefährlich und kann bei Augenkontakt zur Erblindung führen.“ Ist die Mischung fertig, fügt Richter zum Beispiel Kakaoöl als pflegende Substanz hinzu. Fehlt noch das Überfettungsöl. Es bestimmt, welche Wirkung die Seife haben soll. Letzte Grundsubstanz ist ein ätherisches Öl. Es gibt der Seife den gewünschten Duft.

Richter gibt die Mischung zum Aushärten in Formen und wickelt sie in Zeitungspapier. „Das gibt eine schönere Farbe“, sagt Richter. Das Ganze kommt ins Eisfach, damit sie sich besser aus der Form lösen lässt. So gehärtet, bleiben die Stücke vier bis sechs Wochen liegen, damit der Wassergehalt sinkt und mit ihm auch der pH-Wert. In einem Rutsch stellt Richter so fünf bis zehn Kilogramm Seife her. 

Eine falsche Deklaration wäre eine Straftat

Die Auflagen für die Herstellung von Kosmetika seien sehr streng. Jeder, der Seife selbst herstelle, müsse dies anmelden, sagt Richter. Die Bestandteile werden regelmäßig kontrolliert. Prüfer achten darauf, ob alle Inhaltsstoffe gelistet sind und nehmen Proben. „Man muss alle Rezepte melden, die man benutzt. Theoretisch sind schon falsche Inhaltsstoffe in der Seife eine Straftat“, sagt Richter

Mittlerweile ist die Seifenherstellung ein Nebenberuf für die 46-Jährige geworden. „Früher als Jugendliche hatte ich eine sehr empfindliche Haut. Ich hatte aber eine Freundin, die oft in England war und mir Naturseifen mitgebracht hat“, erzählt Richter. Das war für sie der Anstoß, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und für sich selbst Seife herzustellen. Geholfen haben ihre Ausbildung zur Abwassertechnikerin, allein wegen der Laborerfahrung, und ihr in Schulzeiten gewecktes Interesse an Chemie. 

Freunde und Familie wurden auf ihre Produkte aufmerksam und überredeten sie, es auf Wochenmärkten zu probieren. Aus dem Kreis der Freunde wuchs in sieben Jahren eine  Stammkundschaft. Sehr zur Überraschung von Susanne Richter. „Am Anfang habe ich nie damit gerechnet, dass es jemand kauft. Jetzt läuft es so gut“, sagt sie.

Eigene Düfte und Rezepte

Inzwischen hat sie eigene Düfte und Rezepturen entwickelt, ist auf Kunsthandwerkermärkten anzutreffen und hat Kunden, die zu ihr nach Hause kommen. „Manchmal bestellen sie hier eine bestimmte Seife und wählen noch etwas aus meinem Vorrat aus“, sagt Richter. 100 Gramm Seife kosten bei ihr sieben Euro. „Ich habe den Eindruck, dass es den Leuten zur Zeit gut geht. Sie geben gerne einen Euro mehr für selbstgemachte Seife aus“, sagt Richter.

Von Lennart Pralle

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