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Umland Seelze Nachrichten Grüne und SPD: Verwaltung rechnet falsch
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17:18 10.02.2017
Wollen eine Grundschule in Seelze-Süd auf der Fläche östlich des Kirchbuschwegs (im Hintergrund): Alfred Blume (von links), Susanne Richter, Marina Rajovic mit Mariela (2), Heinrich Aller, Iris Jauert, Knut Werner und Alexander Masthoff.
Wollen eine Grundschule in Seelze-Süd auf der Fläche östlich des Kirchbuschwegs (im Hintergrund): Alfred Blume (von links), Susanne Richter, Marina Rajovic mit Mariela (2), Heinrich Aller, Iris Jauert, Knut Werner und Alexander Masthoff. Quelle: Thomas Tschörner
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Seelze

Die Stadtverwaltung hatte für den Bau der neuen Grundschule eine Fläche am westlichen Ortsrand von Harenberg den Vorzug vor einem der Stadt gehörenden Grundstück in Seelze-Süd gegeben. Denn die rund 12.000 Quadratmeter in Seelze-Süd könne die Stadt als Bauland für rund 1,8 Millionen Euro veräußern, in Harenberg müsste die Kommune für die für das Bauvorhaben benötigten 13.000 Quadratmeter rund 650.000 Euro zahlen. Weil dann auch noch 5000 Quadratmeter in Harenbergs Ortskern für 1 Million Euro verkauft werden könnten, kalkuliert die Stadt mit einer finanziellen Entlastung von etwa 2,15 Millionen Euro.

Diese Berechnung ist nach Einschätzung von SPD und Grünen falsch. Denn die Stadt müsse bei einem Verkauf in Seelze-Süd die Erschließungskosten herausrechnen, zumal der vierte Bauabschnitt wohl wieder einem Entwickler übergeben würde, sagt Grünen-Fraktionschef Knut Werner. Für die Stadt bliebe somit nur der Betrag, der dem Stadtentwickler nach Abzug seiner Kosten verblieben. Dies seien pro Quadratmeter etwa 35 Euro. Statt 2 Millionen Euro würde die Stadt damit für die 13.000 Quadratmeter lediglich circa 455.000 Euro einnehmen. Auch der Verkauf von 1000 Quadratmeter Fläche in Harenberg bringe keine 1 Million Euro, weil bei einer Entwicklung dieses Grundstücks bei der Stadt etwa 175.000 Euro verbleiben würden. Gegen die Aufgabe der bisherigen Grundschule in Harenberg spräche auch, dass zur Entwicklung dieser Fläche auch die Feuerwache abgerissen werden müsste.

"Die Frage ist, ob diese Zahlen bewusst verschwiegen worden sind", fragt Susanne Richter, baupolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Ihr Fraktionskollege Heinrich Aller bemängelt, dass die Stadt kein Gesamtkonzept habe. So fehle bei den Überlegungen auch die Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr, wenn die Schule nicht in Seelze-Süd gebaut werde. "Wenn 200 Kinder nicht zu Fuß zur Schule gehen können, müssen sie mit zusätzlich drei bis vier Gelenkbussen transportiert werden." Nach Einschätzung von SPD und Grünen sprechen die Zahlen eindeutig für den Bau der neuen Grundschule in Seelze-Süd, bei gleichzeitigem Erhalt der Grundschule in Harenberg. Am Freitag haben SPD und Grüne  in Seelze-Süd mit Verweis auf die Ratssitzung am 23. Februar Informationsmaterial verteilt und die Bürger aufgerufen, diesen Standort zu unterstützen.

Bürgermeister Detlef Schallhorn weist die Vorwürfe zurück: "Eine bewusste Falschdarstellung kann ich mir nicht leisten, und werde ich auch nicht tun", betont Schallhorn. Es sollte immer um das Wohl der Stadt gehen. Bei einem Verkauf und Abriss der alten Grundschule in Harenberg müsse mitnichten die Feuerwache ebenfalls aufgegeben werden. "Das kann man sauber abtrennen." Es sei auch nicht ungewöhnlich, eine Feuerwache an die Wohnbebauung angrenzen zu haben. Dies sei nahezu in jedem Stadtteil so. Das Schule stünde auf einem Filetgrundstück mit Blick in die freie Landschaft, das sich gut vermarkten lasse. Der Abriss werde nicht so teuer, wie befürchtet, verweist Schallhorn auf die Kosten von 50.000 bis 70.000 Euro für den Abbruch des Bodelschwingh-Hauses in Letter. Die Kritik, dass die Einnahmen der Stadt geringer als veranschlagt seien, lässt der Bürgermeister deshalb nicht gelten. Es könne sein, dass auch 200 Euro für den Quadratmeter in Seelze-Süd zu hoch gegriffen seien. "Das ist aber besser, als gleich mit Dumpingpreisen in die Verhandlungen zu gehen." Es ginge darum, das Beste für die Stadt herauszuholen. Den Wert städtischen Eigentums künstlich herunter zu rechnen, sei falsch. Zudem wisse die Stadt noch gar nicht, was mit dem vierten Bauabschnitt in Seelze-Süd passieren solle. Entscheidungen, ob ein Investor oder die Stadt das Neubaugebiet weiter entwickeln solle, seien noch nicht gefallen. Der Bürgermeister verweist auf das dem Rat unterstehende Rechnungsprüfungsamt, das den Grundschulstandort für die wirtschaftlichere Lösung halte. Der Bericht werde in Kürze vorliegen. "Letztlich ist das eine politische Entscheidung."

Von Thomas Tschörner