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Umland Seelze Nachrichten In Seelze fehlt es an Fachärzten
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20:31 02.07.2014
Von Sandra Schütte
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Seelze

„Grundsätzlich ist Niedersachsen mit Ärzten gut versorgt“, weiß auch Hans Dieter Weiss. Nichtsdestotrotz fehle es speziell in der Kernstadt an Fachärzten, sagt der Vorsitzende des Seelzer Seniorenrats. Weiss lebt in Kirchwehren, mit dem Bus nach Garbsen zu fahren, um dort einen Facharzt aufzusuchen, gleiche einem „Himmelfahrtsritt“. Die Anbindung mit der Regiobuslinie 431 sei einfach zu schlecht.

Mit dem Facharztmangel in Seelze beschäftigt sich auch die Verwaltung schon seit einigen Jahren. „Was besonders fehlt, sind ein Orthopäde und ein Augenarzt“, sagt Wirtschaftsförderin Andrea Kaemmerer, „gefühlt auch ein HNO-Arzt und ein Urologe“. Aus Sicht der KVN gibt es derzeit keine Chance, dass sich ein neuer Facharzt in Seelze niederlässt. Der Planungsbereich, der alle Kommunen der Region Hannover bis auf die Landeshauptstadt Hannover umfasst, sei in allen Bereichen überversorgt, erläutert KVN-Sprecher Detlef Haffke.

Die rechnerische Schallgrenze für die Überversorgung liege bei 110 Prozent. In den früheren Landkreiskommunen gebe es 26 Orthopäden, das entspreche einer Quote von 112 Prozent. Bei Urologen (114 Prozent), HNO-Ärzten (118 Prozent) und Augenärzten (116 Prozent) sieht es ähnlich aus. Eine neue Zulassung ist nach Angaben der KVN damit ausgeschlossen, neue Ärzte können nur Praxen von älteren Kollegen übernehmen. Einzige Möglichkeit für Seelze, einen Facharzt in die Stadt zu holen, wäre, dass ein anderswo niedergelassener Mediziner eine Zweigstelle eröffnet.

„Auch das habe die Stadt schon versucht, sagt Kaemmerer. Wir haben alle Orthopäden im Umkreis angeschrieben.“ Ohne Erfolg. Ein Orthopäde habe zwar anfangs Interesse an einer Zweigstelle bekundet, aber daraus wurde letztlich nichts. Ein Problem sei wohl der geringe Anteil an Privatpatienten in Seelze, meint die Wirtschaftsförderin. Dieser Anteil sei ein wichtiges Argument für Ärzte, sich in einem Ort niederzulassen.

Immerhin sei Seelze per S-Bahn gut an Hannover angebunden, um die Fachärzte dort aufzusuchen.Gerade aber für ältere Menschen sei es schwer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Garbsen oder Hannover zu einem Facharzt zu fahren. Der Seniorenrat will sich daher an Bürgermeister Detlef Schallhorn wenden und sich auf diesem Weg wenigstens für eine bessere Busanbindung nach Garbsen einsetzen.

Doktor Veit in Letter hat kürzlich einen Nachfolger für seine Praxis gefunden, aber in Seelze hat sich für die Räume eines Allgemeinmediziners seit rund einem Jahr kein Mediziner erwärmen können. Aus Sicht des Vorsitzenden des Seniorenrats Hans Dieter Weiss fehlen in der Stadt nicht nur Fach-, sondern auch Hausärzte, speziell in den Orten südlich der Kernstadt.

Im KVN-Planungsbereich, dem außer Seelze auch noch die Städte Hannover, Gehrden, Hemmingen, Isernhagen, Pattensen und Ronnenberg angehören, kümmern sich 429 Hausärzte um 657.335 Menschen, erläutert KVN-Sprecher Detlef Haffke. In Seelze sind zwölf Allgemeinmediziner tätig. Die Versorgungsquote im Planungsbereich liege bei 109 Prozent und damit rein rechnerisch „an der Grenze zur Überversorgung“. „Die Region ist für Neuniederlassungen gesperrt“, betont Haffke – wohlwissend, dass dies „kein Trost für die Seelzer“ ist.

Offenbar haben junge Ärzte derzeit aber auch wenig Interesse, Hausarztpraxen zu übernehmen. Gründe seien laut Haffke die hohen finanziellen Belastungen, die Budgetierung und die hohe Arbeitsbelastung als Hausarzt – vor allem in ländlichen Gebieten. Durchschnittlich arbeiteten niedergelassene Ärzte 55 Stunden pro Woche, zu viel für etliche junge Mediziner. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielt eine große Rolle“, betont der KVN-Sprecher. Dieser Aspekt sei sowohl für Frauen als auch für Männer wichtig.

In absehbarer Zeit droht auch in bislang gut versorgten Gegenden ein Ärztemangel. Das Durchschnittsalter der rund 11.800 niedersächsischen Ärzte liege bei 54,7 Jahren, sagt Haffke. Gerade erst hat der Ärzte-Berufsverband Hartmannbund die Landesregierung aufgefordert, mehr Studienplätze in Medizin zu schaffen.

Von Sandra Schütte