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Umland Seelze Nachrichten Stadt hat einen eigenen historischen Roman
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00:15 08.12.2016
Die Stadt Seelze hat bereits einen historischen Roman: Evelyn Werner von der Bürgerstiftung freut sich über das Obentraut-Buch, das neu aufgelegt wurde. Quelle: Thomas Tschörner
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Seelze

Das letzte Kapitel des 368 Seiten starken Buches spielt in Seelze. Das Ende steht fest, davon weicht auch der Autor nicht ab: Michael von Obentraut, der als General der Kavallerie im Dienste des dänischen Königs Christian IV. steht, wird bei einem Gefecht mit Truppen der katholischen Liga unter General Johann Graf Tilly verwundet, gerät in Gefangenschaft und stirbt wenig später. Zuvor schildert Harry Vosberg (1875 bis 1945) das Leben des Offiziers in der Zeit vor und während des Dreißigjährigen Krieges und vergisst auch eine Liebesgeschichte nicht, die er in Marienwerder ansiedelt.

Seelzes Stadtmarketing nutzt Michael von Obentraut (1574 bis 1625) als zentrale Werbefigur. Bei ihrer ehrenamtlichen Mitarbeit beim City-Marketing sei nicht nur das Obentrautdenkmal wieder in den Blickpunkt geraten, sie sei auch auf den Roman von Harry Vosberg gestoßen, sagt Evelyn Werner, die mit ihrem Ehemann Knut die Neuauflage herausgeben hat. "Das Buch hat mich fasziniert: Wenn wir schon Obentraut haben, dann ist es toll, auch einen historischen Roman zu haben." Damit habe Seelze gegenüber anderen Kommunen einen großen Vorteil, die erst mühsam eine Geschichte erfinden und schreiben lassen müssten. Vosberg habe seinen Obentraut-Roman vor etwa 100 Jahren geschrieben, sagt Werner. "Damit ist es in doppelter Weise ein historischer Roman." Erst einmal ginge es um das Leben des Reitergenerals aus dem Dreißigjährigen Krieg, das in Bezug auf die historischen Fakten relativ authentisch geschildert werde. Vosberg schildere aber auch die Nachwehen der von Martin Luther ausgelösten Reformation, die die Menschen zur Jahrhundertwende immer noch beschäftigten und die auch die Lager im Dreißigjährigen Krieg bestimmten. Damit sei das Buch auch im Blick auf das bevorstehende Luther-Jahr interessant.

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Autor ist relativ unbekannt: Der Roman von Harry Vosberg sei nur noch antiquarisch zu bekommen gewesen, relativ teuer und dann auch noch in Frakturschrift gedruckt, sagt Evelyn Werner. Die Stadt Seelze selbst habe kein Geld für eine Veröffentlichung, und auch alle möglichen von ihr angesprochenen Verlage hätten abgewunken, berichtet die Vorsitzende der Bürgerstiftung. Dann spielte ein Zufall dem Ehepaar Werner in die Hände. Vor zwei Jahren lernten sie bei einem Urlaub in Rumänien Beatrice Ungar, Chefredakteurin der Hermanstädter Zeitung und Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft Internationale Medienhilfe (IMH) kennen. "Wir sind zufällig auch auf das Buch zu sprechen gekommen", sagt Werner. Ungar ließ sich den eingescannten Roman schicken, übergab die ersten Arbeiten einem Praktikanten und tippte das Buch schließlich selbst ab. Vorsichtig passte sie auch die Sprache geringfügig an, die aber nach wie vor aber der damaligen Zeit entspricht. Ungar fand auch einen Verlag, die Werners einen Spender, der die Kosten übernahm. So kommt jetzt der volle Verkaufspreis von 9,90 Euro der Bürgerstiftung zugute. Möglich wurde die Veröffentlichung von zunächst 700 Exemplaren nicht zuletzt dadurch, dass die Rechte abgelaufen waren. Über Harry Vosberg sei wenig bekannt, sagt Werner. Offenbar war der promovierte Jurist nur nebenberuflich als Schriftsteller tätig. Im Internet lassen sich von dem Obentrautbuch zwei Erscheinungsjahre finden: 1918 bei Salzer in Heilbronn und 1925 bei Scherlin in Berlin. Die Neuauflage ist bei Petri & Waller erhältlich.

Fotostrecke Seelze: Stadt hat einen eigenen historischen Roman

Von Thomas Tschörner