Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Hier funktioniert Integration ohne Probleme
Umland Seelze Nachrichten

Seelze: Firma in Letter beschäftigt Gehörlose

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
00:17 24.05.2019
Jobcenter und Mitarbeiter sind froh über die Kooperation. Quelle: Sandra Remmer
Anzeige
Letter

Einen Arbeitsplatz zu haben, sichert den Lebensunterhalt – aber für viele Menschen bedeutet der Job viel mehr. Er stärkt den emotionalen Selbstwert und sorgt für Kommunikation. Und insbesondere für Menschen mit Behinderung bedeutet ein fester Arbeitsplatz auch ein Herauskommen aus der Isolation. Beim Textilreiniger Inn-Tex in Letter-Süd verstärken fünf Gehörlose das Team – und zwar ohne Einschränkung.

Aurica Cozmulici (links) und Stefanie Scherche bereiten die Wäsche zum Trocknen vor. Quelle: Sandra Remmer

Unternehmer klärt viele Fragen vorab

„Die Gehörlosen arbeiten bei uns im Betrieb genauso wie alle anderen Mitarbeiter auch. Sie erhalten lediglich fünf Tage zusätzlichen Urlaub“, erzählt Inn-Tex-Geschäftsführer Paolo Reupke. Der einzige Unterschied ist, dass sie ein spezielles Gerät bei sich tragen, das sie im Gefahrenfall alarmiert.

Anzeige

Reupke hatte 2009 die erste Bewerbung einer Gehörlosen auf seinem Schreibtisch. Beim Integrationsamt in Hildesheim hat er sich dann darüber informiert, was es überhaupt für einen Unternehmer bedeutet, Menschen mit Behinderung einzustellen. Was muss berücksichtigt werden? Welche Anforderungen können gestellt werden? Und welche Fördermittel gibt es? All diese Fragen galt es zu klären, bevor die erste gehörlose Mitarbeiterin ihren Arbeitsvertrag unterschreiben konnte.

Verständigung mit Händen und Füßen

Heute sind es insgesamt fünf Frauen und Männer, darunter auch ein Flüchtling aus dem Irak, die in der Produktion des Unternehmens tätig sind. „Wir verständigen uns teilweise mit Händen und Füßen“, berichtet Reupke. Was nicht zuverlässig funktioniert, ist, dass die gehörlosen Mitarbeiter Informationen von den Lippen lesen. Doch die Kommunikation mittels Körpersprache sei ein guter Weg, manche Arbeitsschritte würden auch vorgemacht. Und so können die Gehörlosen an den verschiedenen Stationen in der Produktion wie dem Beladen der Waschmaschinen, der Wäschemangel, den Nähmaschinen und dem Trocknertunnel arbeiten.

Trotz der guten Erfahrungen bei der Integration von Menschen mit Behinderungen, sieht Paolo Reupke für sein Unternehmen aber auch Grenzen. „Geistig behinderte Menschen können wir an den Maschinen nicht beschäftigen“, sagt der Unternehmer. „Das wäre zu gefährlich.“

Jobcenter leistet zusätzliche Unterstützung

„Nur weil jemand schwerbehindert ist, heißt das ja nicht, dass er nicht arbeiten kann“, sagt Branka Warabida-Bostanipoor vom Jobcenter der Region Hannover. Sie ist Mitarbeiterin im Beratungs-und Integrationscenter und damit gehört der Kontakt zu Menschen mit Behinderungen und ihre Vermittlung in ein geeignetes Arbeitsverhältnis zu ihren täglichen Aufgaben. Warum Menschen ihr Gehör verlieren, sei unterschiedlich. Aber: „Die wenigsten kommen taub auf die Welt“, sagt Warabida-Bostanipoor. Oftmals bleibe eine Gehörlosigkeit als Folge einer Infektionskrankheit wie Masern oder Röteln zurück.

Das Jobcenter unterstützt das Unternehmen und die Mitarbeiter zusätzlich. So konnte zum Beispiel einer Gehörlosen aus Krähenwinkel ein Führerschein finanziert werden. Sie kann nun mit dem Auto zur Arbeit fahren, was den Weg erheblich erleichtert. Auch Lohnzuschüsse sind bei Bedarf möglich.

Von Sandra Remmer

Anzeige