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Seelze Dieser Seelzer schreibt Postkarten an Unbekannte
Umland Seelze Dieser Seelzer schreibt Postkarten an Unbekannte
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15:35 15.11.2018
"Ich habe das gefunden, was mich glücklich macht": Jona Krügener aus Letter schreibt Postkarten an Unbekannt. Quelle: Linda Tonn
Letter

Jona Krügener schreibt an Gerold: „Ich sitze hier in einer urgemütlichen Gaststube und genieße den wunderbaren Ausblick auf den wuchernden Garten.“ Detailliert schildert er den Blick durchs Fenster, seine Gedanken und Gefühle, er erzählt von dem Hirsch, den er im Schnee entdeckt hat. Die Karte endet mit „Alles Gute, dein Jona“. Ob sich Gerold über die Post freuen wird? Krügener weiß es nicht, denn er schickt Postkarten an Unbekannte. Der 33-jährige schreibt stellvertretend für Menschen, die Freunden oder Angehörigen eine Freude machen wollen. Er erzählt Großmüttern, Onkeln und Bekannten fremder Menschen von seinem Leben und seinen Gedanken. Daraus hat er ein Geschäftsmodell gemacht: das Postkartenabonnement. Und Krügener ist der Absender.

Erste Karte geht nach Dortmund

Der Letteraner sitzt in einem Café und erzählt, wie aus der Liebe zum Schreiben ein Berufswunsch wurde. Vor einem Jahr entdeckte er in einer Zeitschrift einen Artikel über eine Frau, die hauptberuflich Postkarten an fremde Menschen schreibt – aus Liebe zur Handschrift und um kleine Aufmerksamkeiten per Post auf den Weg zu bringen. „Das hat mich nicht losgelassen“, sagt Krügener. Diese kuriose und doch so einfache Idee habe ihn fasziniert. Das schien wie seine Nische, nach der er schon länger gesucht hatte. „Ich hatte zu diesem Zeitpunkt angefangen Gedichte und Geschichten auf Briefumschläge zu drucken und diese zu verschicken“, erzählt er. Aber daran, an Menschen zu schreiben, hatte er noch nicht gedacht. Seine erste Postkarte schickte er nach Dortmund – an die Großmutter einer Kundin. Krügener erzählte ihr aus seinem Leben, schrieb von Begegnungen am Tag, von Erlebnissen in der Natur, schilderte Orte, die er besucht hatte. „Ich schreibe spontan und da, wo ich gerade bin“, sagt er. Seine Adressanten bekommen Post aus dem Garten, aus dem Café, von einer Parkbank und dem heimischen Schreibtisch.

Jona Krügener macht das, was viele fast verlernt haben: Postkarten schreiben. Doch der 33-jährige aus Letter schickt die handgeschriebene Post nicht an Familie oder Freunde, sondern an Unbekannte.

Seitdem der 33-jährige im Auftrag an Unbekannte schreibt, findet auch er immer wieder handgeschriebene Post im Briefkasten. „Viele schreiben mir zurück und bedanken sich. Sie erzählen mir, wie besonders es für sie ist Postkarten zu bekommen.“ Heutzutage fände man meistens Rechnungen im Briefkasten, beobachtet Krügener. Viele Menschen freuten sich zwischen kurzen Whatsapp-Nachrichten, SMS und E-Mail über handgeschriebene Zeilen zum Anfassen. Die Motive für seine festen Kartonkarten findet Krügener in der Natur. Immer wenn er unterwegs ist, hat er seine Kamera dabei. Er will Momente weitergeben, die er erlebt hat und die ihn berührt haben.

Wenn Krügener spricht, ist die Begeisterung in seinem Gesicht abzulesen. Am liebsten würde er seinen Beruf als freiberuflicher Cutter an den Nagel hängen und den ganzen Tag Postkarten schreiben. Über eine Plattform sammelt er finanzielle Unterstützer für sein Projekt und hofft, dass er eines Tages vom Schreiben seine Miete bezahlen kann. Auf seiner Internetseite www.daspostkartenabo.de bietet Krügener seine Post im Abonnement an: viertel jährlich und monatlich können Interessierte die Karten verschicken lassen. Ob es ihm schwer fällt, immer nur an Fremde zu schreiben? Nein, sagt Krügener. Denen könne man auch die kleinen Geschichten des Lebens erzählen.

Serie: Handgemacht in Seelze

Sie fertigen Hüte, Seife, Babykleidung, Puppen, Geschirr und Taschen: Seelze hat ein erstaunliches Kreativpotenzial. In unserer Lokalserie „Handgemacht in Seelze“ stellen wir Menschen vor, die tatsächlich noch mit den Händen arbeiten. Wir zeigen Künstler an der Nähmaschine, an der Stricknadel, in der Werkstatt und an der Töpferscheibe. Sie erklären uns, wie aus einer Idee oder einem Hobby kleine Geschäftsmodelle werden können. ton

Von Linda Tonn

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