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Seelze Seelze bekommt eine eigene Hymne
Umland Seelze

Seelze: Bert Appermont komponiert Hymne für Obentraut

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18:46 24.02.2020
Tom Kruse (hinten von links), Detlef Schallhorn und Norbert Saul, Frank Glaubitz, (vorn von links), Henning Klingemann, Rainer Künnecke und Anja Römisch freuen sich über das Projekt des Jbo. Quelle: Heike Baake
Seelze

Bereits während ihres Sommerkonzertes im vergangenen Jahr haben sie ihr neues Projekt angekündigt: Der Verein Jugendblasorchester (Jbo) will der Stadt eine Hymne schenken und Seelzes Geschichte mit Reitergeneral Michael von Obentraut zu einem Klangerlebnis werden lassen. Die Voraussetzungen für die neue Herausforderung seien perfekt, sagt Projektleiter Tom Kruse. Talente in den beiden sinfonischen Blasorchestern Modern Sound[s] Orchestra und YoungStars, ein vorhandener Probenraum und Musiker, die neue Wege gehen wollen, seien die besten Voraussetzungen.

Zusammenarbeit mit belgischem Komponisten

In diesem Jahr feiert der Verein das 25-jährige Jubiläum und will, so Kruse, mit dem außergewöhnlichen Projekt einen Schritt weitergehen. Alle inhaltlichen und zeitlichen Vorbereitungen sind bereits getroffen, auch der Komponist ist gefunden. „Wir haben uns gefragt, welche Personen Stücke für uns schreiben könnten, die Publikum und Orchester begeistern“, sagt Dirigent Henning Klingemann. Auf der Suche nach dem perfekten Partner habe er mit fünf Personen Kontakt aufgenommen. Letztendlich fiel die Entscheidung auf den Belgier Bert Appermont, der nun Seelzes Geschichte in Noten umsetzt.

Vereinsvorstand, Stadtarchivar Norbert Saul, Rainer Künnecke als Obentraut-Darsteller und Bürgermeister Detlef Schallhorn stehen voll und ganz hinter dem Projekt. „Das Jbo ist ein Aushängeschild für unsere Stadt“, lobt Schallhorn. Er sehe für die Hymne viele Einsatzmöglichkeiten bei Veranstaltungen und einen Imagegewinn für Seelze. Auch sicherte er eine finanzielle Beteiligung in Höhe von 3000 Euro zu.

Stadt, Kulturregion und Avacon unterstützen

Das sei wichtig, sagte Kruse, denn allein könne der Verein es nicht schaffen. Außerdem stehe die Förderung jugendlicher Musiker im Vordergrund der Vereinsausrichtung. Bevor also der Vertrag mit dem Komponisten unterzeichnet wird, mussten die Verantwortlichen die finanzielle Seite abklären. „Immerhin werden Kosten in Höhe von bis zu 17.000 Euro auf uns zukommen“, berichtet Kruse. Auch die Stiftung Kulturregion Hannover und die Avacon Netz GmbH haben ihre Beteiligung am Projekt zugesagt. „Der Antrag ließ uns aufhorchen, es hat ein hohes Niveau mit Kompositionen einen eigenen Weg zu gehen“, sagt Anja Römisch, Geschäftsführerin der Stiftung. Die Langlebigkeit einer Hymne, aber auch die Jugendarbeit des Jbo hätten sie überzeugt, in das Projekt 5000 Euro zu investieren. Frank Glaubitz von der Firma Avacon begrüßt es, dass die Stadtgeschichte und der Reitergeneral Obentraut Grundlage des Projektes sind. „Schön ist es, wenn etwas für die Heimat getan wird“, lobt er und sicherte eine Unterstützung in Höhe von 3000 Euro zu.

Obentraut kam in Seelze ums Leben

Michael von Obentraut wurde am 2. Oktober 1574 in Heddesheim bei Kreuznach geboren. Obentraut beginnt zunächst ein Jurastudium, bevor er als 18-Jähriger ein Leutnantspatent erwirbt. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) kämpft Obentraut, selbst von Haus aus Calvinist, auf protestantischer Seite. Angeblich sollen spanische Söldner, gegen die er im Winter 1620/21 einen Kleinkrieg führte, ihn respektvoll als „Miguel Aleman“ (Deutscher Michel) bezeichnet haben. Im Juli 1625 trat Obentraut in das Heer des Dänenkönigs Christian IV. ein. Als Generalleutnant bei der Kavallerie war der Offizier zwischen Hannover und Nienburg zunächst erfolgreich. Dann wendete sich sein Kriegsglück und er wurde in Seelze bei einem Scharmützel tödlich verwundet. Er starb am 25. Oktober 1625. Seit 1630 erinnert die 5,80 Meter hohe Sandsteinpyramide an Obentraut, die der hannoversche Bildhauer Jeremias Sutel im Auftrag von Obentrauts Bruder errichtete.

Die Stadt Seelze nutzt seit dem 18. Mai 2008 die Bekanntheit des Reitergenerals: Die Präsentation der Imagefigur Michael von Obentraut und des Begriffs „Obentrautstadt Seelze“ war der Startpunkt für eine Vielzahl von Aktionen und Angeboten. Darunter sind neben einem historischen Roman unter anderem Lesungen, Stadtführungen und Segwaytouren sowie die jährliche Obentraut-Zeitreise im Bürgerpark, der Obentraut-Markt und diverse Auftritte von Michael von Obentraut. tom

Mit diesen finanziellen Grundlagen können die Organisatoren planen und jetzt auch den Vertrag mit dem Komponisten eingehen, der nach Minuten abrechnet. Um seine Komposition auch authentisch erarbeiten zu können, seien Besuche in Seelze geplant, erklärt Kruse. Dann würde Appermont den Reitergeneral persönlich kennenlernen und auch die wichtigen Punkte der Stadt, wie das Obentrautdenkmal, besuchen. Rainer Künnecke, der bereits seit zehn Jahren den Reitergeneral verkörpert, freut sich, dass auch er einen Beitrag zur Verwirklichung der Hymne leisten kann. Er sei zwar nicht musikalisch, fände es aber spannend zu erleben, wie ein Komponist arbeitet und denkt.

Paten für Seelzes Hymne gesucht:

Bürger und Musikliebhaber sinfonischer Blasmusik haben die Möglichkeit, sich als Paten einzubringen. Mit einer einmaligen Zahlung in Höhe von 350 bis 500 Euro können sie sich an dem Projekt beteiligen. Dieses Geld sei neben den anderen Zuwendungen nötig, so Kruse, um Flyer, aber auch die Reisen und den Aufenthalt des Komponisten zu finanzieren. Appermonts Komposition wird später zwar in den freien Verkauf gehen und Seelze in vielen Regionen bekannt machen, jedoch verdient damit nicht das Jbo, sondern nur der Komponist. Wer sich für das Projekt interessiert, erhält alle nötigen Informationen auf der Homepage des Vereins unter www.jbo-seelze.de.

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Von Heike Baake

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