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Seelze Elterntaxis: Darum bringen Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule
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Seelze: Elterntaxis: Darum bringen Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule

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09:59 13.09.2019
„Stopp Elterntaxis“: Vor der Regenbogenschule in der Humboldtstraße haben die Schüler Plakate gegen Elterntaxis aufgehängt. Quelle: Linda Tonn
Seelze

Gerade vor den beiden großen Grundschulen in Letter und Seelze zeigt sich morgens vor Schulbeginn das gleiche Bild: Zahlreiche sogenannte Elterntaxis – also Eltern, die ihr Kind mit dem eigenen Fahrzeug zur Schule bringen – verstopfen die Straßen. Durch die vielen haltenden und anfahrenden Autos entstehen unübersichtliche Situationen, die gerade für jüngere Schüler, die zu Fuß zum Unterricht kommen, gefährlich werden können.

Nach Schulschluss wiederholt sich der rege Verkehr vielerorts. „Wie kann man gegen die Elterntaxis vorgehen“, wollte die Stadtverwaltung wissen und hat sich gemeinsam mit Schulen, Eltern und Polizei auf die Suche nach Lösungen gesucht.

Polizeikontrollen nützen nichts

Im November 2017 hatte die SPD in einem Antrag gefordert, den Verkehr zu den Hol- und Bringzeiten einzuschränken, um so für mehr Sicherheit zu sorgen. „Die Polizei hat immer wieder vor Schulen kontrolliert und Eltern verwarnt, die zu lange im Halteverbot standen“, sagt Michael Pietsch, Teamleiter Grundschulen bei der Stadt Seelze. „Situativ konnte man kleine Veränderungen feststellen, langfristig hat sich die Zahl der Elterntaxis aber nicht verändert.“ Sobald keine Polizei mehr vor Ort sei, würden die Eltern wieder gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen und länger als erlaubt die Bereiche vor den Schule blockieren.

Auch andere Versuche, etwa den Verkehr durch Schülerlotsen zu regeln, schlugen fehl. „Die Eltern haben solche Lotsen gefordert“, sagt Betty Ahrens, Schulleiterin der Brüder-Grimm-Schule in Letter. Aber niemand habe sich bereit erklärt, mitzuhelfen und selbst Lotse zu sein. „Es ist wirklich ein hausgemachtes Problem. Die Eltern gefährden ihre eigenen und andere Kinder.“

Als „gesamtgesellschaftliches Problem“ bezeichnet Pietsch die Elterntaxis. Um wirksam dagegen vorgehen zu können, müsse man wissen, warum eher das eigene Auto genutzt wird, statt die Kinder mit dem Bus fahren zu lassen oder zu Fuß auf den Schulweg zu schicken. Mithilfe eines Fragebogens wollten Stadtverwaltung und Polizei das herausfinden.

Wie ist die Verwaltung vorgegangen?

Im Februar wurden 1217 Fragebögen an allen Seelzer Grundschulen verteilt. „Die Rücklaufquote lag bei knapp 52 Prozent“, so Pietsch. Am höchsten war die Beteiligung an der Astrid-Lindgren-Schule in Lohnde. Hier nahmen 60 Prozent der Eltern an der Befragung teil.

Was wurde gefragt?

Auf dem Fragebogen haben die Eltern angegeben, welche Klasse ihr Kind besucht. Zudem wurden sie nach der Länge des Schulwegs gefragt, und wie das Kind Hin- und Rückweg in der Regel zurückliegt. Zur Auswahl standen „zu Fuß/mit dem Roller/Fahrrad“, „mit öffentlichen Verkehrsmitteln“, „durch Beförderung im privaten Pkw“. Außerdem sollten Eltern, die das eigene Auto nutzen angeben, warum sie das tun.

Wie sehen die Ergebnisse aus?

„Aus den 630 eingegangenen Fragebögen geht hervor, dass etwa 15 Prozent der Seelzer Grundschüler mit dem privaten Auto gebracht werden“, sagt Pietsch. Es herrsche insgesamt mehr Verkehr vor Schulbeginn als zum Schulende. Dieser sei auch gefährlicher, weil sich die Elterntaxis am Nachmittag durch Betreuung und unterschiedlichen Schulschluss etwas entzerre. „Grundsätzlich besteht an der Astrid-Lindgren-Schule, der Grundschule Harenberg und der Grundschule Dedensen weniger Gefahr durch Elterntaxis als an den größeren Grundschulen, Regenbogenschule und Brüder-Grimm-Schule“, so Pietsch.

Warum nutzen die Eltern das Auto?

Die Hälfte aller Eltern (50 Prozent) gaben an, dass sie ihr Kind mit dem Auto zur Schule bringen, weil sie auf dem Weg zur Arbeitsstelle liegt. Sie kreuzten an: „Der Einfachheit halber nehme ich mein Kind mit.“ Die zweithäufigste Antwort (19 Prozent) war die als mangelhaft empfundene Beförderung etwa durch den Bus, 15 Prozent der Eltern gaben einen unsicheren Schulweg an. Nur etwa 5 Prozent glauben, dass das Kind den Weg nicht alleine bewältigen kann. „Uns hat überrascht, dass nicht die Sicherheit der Kinder als Hauptargument genannt wurde, sondern Komfort und Organisation“, sagt Pietsch.

Was wurde bemängelt?

Die meiste Kritik äußerten die Befragten an der Beförderung der Kinder durch den öffentlichen Nahverkehr, also die Linien der Regiobus. „Das reichte von nicht überdachten Bushaltestellen, unpassend getaktete Verbindungen, zu volle Busse bis hin zum Wunsch nach reinen Schulbussen mit einer pädagogischen Begleitung“, sagt Pietsch. „Es liegt allerdings eine große Diskrepanz vor zwischen dem, was man verlangen kann und dem, was möglich ist.“ Zudem wurden mehr Fußgängerüberwege, Ampeln und breitere Gehwege gefordert.

Welches Fazit zieht die Stadtverwaltung?

„Da viele Eltern den Komfort und nicht die Sicherheit oder eine mangelnde Beförderung durch den Bus angegeben haben, wird es schwierig sein, passende Maßnahmen zu ergreifen“, sagt Pietsch. Ein Umdenken werde wohl nur bei wenigen stattfinden. Deshalb werde man beim Neubau oder der Umgestaltung von Schulen sogenannte Kiss-and-Ride-Zonen – also sicher anzufahrende Haltezonen – mitdenken müssen. „Das würde zumindest den Verkehr organisieren“, so Pietsch. Man dürfe allerdings nicht die Beförderung mit dem Auto noch weiter unterstützen.

Was wird weiter gegen Elterntaxis unternommen?

Die Stadt hat die Ergebnisse der Umfrage an die Grundschulen, die Polizei und die Region Hannover als Trägerin der Beförderung durch die Busse weitergeleitet. „Konkret werden wir weiter überlegen, was wir tun können, um die Kleinsten zu schützen“, sagt Pietsch. Als erstes werde man die in der Umfrage genannten Gefahrenpunkte auf den Schulwegen überprüfen und gegebenenfalls verbessern. „Wir werden aber auch akzeptieren müssen, dass es immer eine Anzahl an Eltern geben wird, die die Kinder mit dem Auto bringen.“

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