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Seelze Häusliche Gewalt: In Seelze steigen die Zahlen
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Seelze: Häusliche Gewalt: In Seelze steigen die Zahlen

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17:01 26.11.2019
Als sichtbares Zeichen gegen häusliche Gewalt hissen Polizei und Mitarbeiter aus Verwaltung, Region und den Beratungsstellen die blaue Fahne. Quelle: Sandra Remmer
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Seelze

„164 Fälle von häuslicher Gewalt sind uns im vergangenen Jahr gemeldet worden – das ist vergleichsweise wenig“, sagt Polizeioberkommissarin Katrin Baum. Für dieses Jahr allerdings lägen ihr schon weit höhere Zahlen vor, die erst zum Jahresende endgültig ausgewertet werden. Mehr als 150 Beratungen meldet dieFrauenberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bislang für dieses Jahr.

Plakate für anonyme Orte

„Wir wollen weiter für dieses Thema sensibilisieren und auch weitere Hilfsangebote schaffen“, sagte Seelzes Gleichstellungsbeauftragte Gabriela Giesche bei einem Pressetermin zum Tag der Häuslichen Gewalt vor dem Seelzer Rathaus. Aus diesem Grund haben die Städte Seelze und Garbsen in Kooperation mit dem Land Niedersachsen, der Region Hannover und der AWO ein Plakat gestaltet, dass auf dieses Thema hinweist und außerdem mit einer Hilferufnummer versehen ist. Aufgehängt werden sollen diese Plakate nun an möglichst anonymen Orten wie etwa Damentoiletten.

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Katharina Krüger von der AWO-Beratungsstelle zeigt das Plakat, das künftig in Damentoiletten aufgehängt werden soll. Quelle: Sandra Remmer

Grenzen sind fließend

Die Grenzen sind oft fließend. „Viele von den Frauen, die zu uns in die Beratung kommen wissen gar nicht, dass sie von häuslicher Gewalt betroffen sind“, schildert Katharina Krüger von der Frauenberatungsstelle der AWO. Häusliche Gewalt müsse nicht nur körperlich ausgeübt werden. „Manche Frauen berichten auch von zunehmender Isolation, sie dürfen sich nicht mehr mit Freundinnen treffen. Es gibt auch Männer, die drohen damit, den Kindern etwas anzutun, wenn die Frau sich trennen will“, schildert Krüger Beispiele aus der Praxis. Was sie zunehmend auch erlebe, sei häusliche Gewalt bei älteren Menschen. Überforderung – zum Beispiel bei der Pflege – spiele häufig eine Rolle. Auch von Gewalt von Kindern gegenüber ihren älter und pflegebedürftig werdenden Eltern höre sie regelmäßig in der Beratungsstelle.

Häusliche Gewalt zieht sich durch alle Schichten

„Häusliche Gewalt zieht sich durch alle Schichten, vom Bildungsbürgertum bis in die sozialen Randschichten“, sagt Giesche. Häufig zu beobachten aber sei, dass die Frauen finanziell von ihren Männern abhängig sind.„Daher erleben und ertragen sie lieber Gewalt in der Beziehung als sich zu trennen, denn das würde oft einen totalen finanziellen Absturz bedeuten“, ergänzt Krüger.

Verdachtsmomente melden

Zumindest, was die Angst vor einer Anzeige angeht, kann Polizistin Baum Mut machen. „Wenn die Frauen die Hemmschwelle überwinden und sich zu uns trauen, können wir Vertrauen aufbauen, sie begleiten und engmaschig unterstützen“, sagt sie. Nachbarn oder Freunden, die Fälle von häuslicher Gewalt im unmittelbaren Umfeld vermuten, raten Giesche und Baum unisono, die Polizei lieber einmal zu viel als zu wenig anzurufen. „Verdachtsmomente sollten gemeldet werden“, unterstreicht Giesche.

Von Sandra Remmer