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Seelze Lathwehrener singen seit 70 Jahren im Männergesangverein
Umland Seelze

Seelze: Heinrich Bremer und Werner Bornemann singen seit 70 Jahren im Männergesangverein

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18:57 30.01.2020
Haben viele schöne Vereinserinnerungen nicht nur im Fotoalbum: Heinrich Bremer (links) und Werner Bornemann sind seit 70 Jahren im Männergesangverein Lathwehren aktiv. Quelle: Gabriele Gerner
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Lathwehren

„Es waren andere Zeiten damals“, sagt Werner Bornemann mit Blick auf seine Jugendzeit. „Da hat nicht jeder für sich auf der Tanzfläche gezappelt. Wir haben zusammen Walzer getanzt und die Mädchen richtig angesungen.“ Damals – das war vor 70 Jahren. Da waren Bornemann und sein Freund Heinrich Bremer 18 Jahre alt und sind dem Männergesangverein (MGV) Lathwehren beigetreten. Nun wurden sie für 70 Jahre Mitgliedschaft im MGV Lathwehren geehrt.

„Sobald man ein gewisses Alter erreicht hatte, ging man in den Männergesangverein“, erzählt Bremer. „Es gab nicht viel anderes zu tun für die Jugend hier. Der Gesangverein war der Träger des kulturellen Lebens im Ort.“ Chorleiter war damals Lehrer Heine, der die Sänger bei den Proben in der Schule auf der Geige begleitete. Zu jedem Dorffest und an jedem Feiertag traten die sangesfreudigen Lathwehrener Männer auf. Man sang zu Erntedank, zu Weihnachten und am Volkstrauertag. Man sang auf Hochzeiten, Jubiläen und Beerdigungen. Jedes gesellschaftliche Ereignis im Ort wurde vom Männerchor musikalisch flankiert.

Fotos und Zeitungsartikel zeigen Stationen des Vereins

In Pappkartons und Fotoalben hat Heinrich Bremer, der mehr als 30 Jahre lang den Verein als Vorsitzender leitete, unzählige Dokumente des MGV Lathwehren aufbewahrt. In Zeitungsartikeln, Fotos, Protkollheften und Kassenbüchern sind die Stationen des Vereinslebens festgehalten. „Das war das 100-jährige Jubiläum des Vereins“, sagt Bremer und zeigt auf Fotos aus dem Jahr 1985. „Alle Vereine des Dorfes sind damals beim Festumzug mitgelaufen“, sagt der 88-Jährige und zeigt auf die verschiedenen Gruppierungen. „Da waren das Rote Kreuz, die Feuerwehr, der Sportverein.“

Seit 70 Jahren ist der Männergesangverein für Bornemann und Bremer ein wichtiger Teil ihres Lebens. Kaum eine Chorprobe ließen sie ausfallen. Bei unzähligen Auftritten standen sie mit auf der Bühne. Höhepunkte in den vergangenen sieben Dekaden waren für sie die Sängerfeste, bei denen andere Chöre in Lathwehren zu Gast waren. „Da wurde drei Tage gefeiert, von Sonnabend bis Montag“, erzählt Werner Bornemann.

Sogar Margot Käßmann saß im Publikum

Ein besonderes Ereignis war zweifelsohne im Jahr 2005 der Auftritt in der Dreieinigkeitskirche in Kirchwehren, zu deren Gemeinde auch Lathwehren gehört. Anlass war das 250-jährige Jubiläum der Kirche. Prominente Zuhörerin der Darbietung des MGV war die damalige Landesbischöfin Margot Käßmann, die damals auch die Predigt hielt.

Doch nicht nur Auftritte prägten das Vereinsleben des MGV. Die Gemeinschaftsfahrten, bei denen Sänger und ihre Frauen und Kinder einen schönen Tag miteinander verlebten, erfreuten sich jahrelang großen Zuspruchs. Dabei ging es in den Harz oder in die Heide, ins Weserbergland oder zum Ith. „Bei manch einer Fahrt mussten wir zwei Busse chartern“, sagt Bornemann. „Da fuhren mitunter 120 Leute mit – ein Viertel der Dorfbevölkerung!“

Mit strahlenden Augen berichtet er auch von dem Besuch der Kirchengemeinde in Moritzburg bei Dresden, der Partnergemeinde der hiesigen Kirchengemeinde. „Wir haben den dortigen Chor kennengelernt und mit ihm zusammen in der Kirche gesungen“, erinnert sich der 88-Jährige. „Da hatten wir eine schöne Zeit. Und wir haben gute Freundschaften geknüpft.“ Noch heute telefonieren die Lathwehrener mit ihren Sangesbrüdern in Moritzburg.

Heinrich Bremer: „Singen hält geistig mobil“

Die Freundschaften und die gute Gemeinschaft, die trugen maßgeblich dazu bei, dass Bornemann und Bremer dem Gesangsverein so viele Jahre treu geblieben sind. „Wenn mal einer Hilfe bei etwas brauchte und dies bei der Chorprobe erzählte, standen am Wochenende die Chorkollegen bereit“, schildert Bremer, der auch mehr als zehn Jahre lang als Ortsbürgermeister die Geschicke des Dorfes lenkte. „Außerdem macht singen Spaß und hält gesund“, ergänzt er. „Man bleibt geistig mobil dabei und trainiert die Lungen und den Kopf.“

Beide Jubilare bedauern es, dass sie die Jugend nicht mehr für das Singen im Chor begeistern können. Die meisten MGV-Mitglieder sind über 70 Jahre alt, nur zwei sind um die 50. Die 19 aktiven Sänger haben immer noch ein halbes Dutzend Auftritte pro Jahr. Zu ihrem Repertoire gehören nicht nur Kirchen- und Weihnachtslieder, sondern auch Stücke von den Toten Hosen und Abba. Bei Liedern wie „Ich war noch niemals in New York“, „Griechischer Wein“ oder „Der Luther pries die Weiber“ springe regelmäßig der Funke zum Publikum über.

Weiterhin üben die Sänger des MGV regelmäßig, jeden zweiten Montag im Dorfgemeinschaftshaus in Lathwehren und jeden zweiten Mittwoch in Dedensen zusammen mit dem Dedenser Chor. Ein festes Ziel haben sie dabei vor Augen: Zur 800-Jahr-Feier der Dreieinigkeitskirche in Kirchwehren wollen sie im kommenden Jahr unbedingt singen – und möglicherweise wieder vor Margot Käßmann auftreten. Sie ist als Gast für die Feier angefragt.

Seit 1950 sind Werner Bornemann und Heinrich Bremer aktiv im Männergesangverein Lathwehren. In dieser Zeit haben sie mit der MGV-Gemeinschaft viel erlebt – was auch zahlreiche Dokumente belegen.

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Von Gabriele Gerner

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