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Seelze Kirche trägt den Namen einer Märtyrerin
Umland Seelze Kirche trägt den Namen einer Märtyrerin
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14:03 19.07.2018
Erst 1971 bekam die Kirche ihren heutigen Namen. Quelle: Linda Tonn
Harenberg

Die Heilige Barbara war schon da – lange bevor die rote Backsteinkirche im Zentrum von Harenberg nach ihr benannt wurde. Mit einem Kelch in der rechten Hand, steht sie aufrecht neben der hölzernen Maria am Altar. Früher trug sie noch ein Schwert. Um Barbara herum scharen sich die Heiligen Jakobus, Johannes und Katharina. Als Harenberg 1959 selbstständige Gemeinde wurde, stellte sich plötzlich die Namensfrage. Vorher wurde sie einfach als „Kapelle von Harenberg“ geführt, das reichte nicht mehr aus. Alle mittelalterlichen Bauten mussten einen Namen tragen. „Warum die Wahl auf Barbara fiel, weiß niemand ganz genau“, sagt Angela Nienburg vom Kirchenvorstand der Gemeinde.

Man habe abstimmen lassen und irgendwie habe es nahe gelegen, einen Heiligen zu nehmen, der bereits in der Kirche vertreten war. Nienburg kann allerdings eine Parallele zur Geschichte der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, erkennen: die dreigeteilten Fenster. „Barbara lebte im dritten Jahrhundert als Tochter eines reichen Kaufmanns in Nikomedien, in der heutigen Türkei“, erzählt Nienburg. Weil sie so schön war, sperrte der Vater sie ein. Barbara ließ sich heimlich taufen und dreigeteilte Fenster in den Turm einbauen – als Zeichen für die göttliche Dreifaltigkeit. „Der Vater hat ihr später mit einem Schwert den Kopf abgeschlagen“, sagt Nienburg. „Sie war schön, gläubig und musste sterben.“ Die Fenster in der Harenberger Kirche erinnern noch heute an die Märtyrerin, obwohl ihre Geschichte nur wenige kennen.

Was passiert in der Geschichte von Sankt Martin, wer war die Heilige Barbara? In unserer Serie begeben wir uns auf die Spuren der Namenspatrone von Seelzer Kirchen. Heute: Die St.-Barbara-Kirche.

Ein typischer Hase-Bau

Bei einem kleinen Rundgang durch die gemütliche Kirche, die im Knick der Harenberger Meile liegt, und schon von weitem zu erkennen ist, wird deutlich, wie viele Geschichten sich hier verbergen. „Die Kirche ist wie viele andere Kirchen und Kapellen in der Region ein Hase-Bau“, erklärt Kirchenvorstandsmitglied Knut Werner. Conrad Wilhelm Hase baute sie im Jahr 1882 in nur fünf Monaten. 9000 Mark kostete der Bau. Typisch für Hases Bauwerke, zu denen auch die Christuskirche in Hannover und die Kirche in Dedensen gehören, ist die Schlichtheit: Das Mauerwerk ist unverputzt, das Steingewölbe massiv, sein bevorzugter Baustoff sind rote Ziegelsteine. „Hase hatte eine Vorliebe für Naturmaterialien“, sagt Werner und lenkt den Blick empor zur hölzernen Decke der Kirche. Die sogenannte Sargdecke sorge für eine ganz besonders weiche Akustik, sagt er.

Woher kommen die Kirchennamen?

Was passiert in der Geschichte von Sankt Martin, wer war die Heilige Barbara und sind „Dreieinigkeit“ und „Dreifaltigkeit“ gleichzusetzen? Die Kirchennamen in Seelze sind vielen vertraut, doch was steckt tatsächlich hinter „Zum barmherzigen Samariter“ und „St. Maria Rosenkranz“? Wie viele spannende Geschichten sich in den alten Gemäuern verbergen, zeigen wir in einer kleinen Serie. Wir stellen die evangelischen und katholischen Gotteshäuser in Seelze vor und begeben uns auf die Spuren der Namenspatrone. ton

Auch im Altarraum entdeckt man kleine Details, die auf die lange Geschichte der Kirche hinweisen. „Diese Schiefertafel ist ein Überbleibsel aus der ökumenischen Zeit der Barbarakirche“, sagt Werner. Zu Beginn habe es in der Nachbargemeinde Ahlem keine katholische Kirche gegeben, daher seien die Gläubigen auch in die neue Kirche in Harenberg gekommen. Eine Flasche Schnaps sei der Taufstein wert, erzählt Nienburg. „Er ist eingetauscht worden.“ Und auch um die eher kleine Orgel, die Organist Christoph Slaby regelmäßig zum Klingen bringt, rankt sich eine Geschichte: „Sie ist wirklich einzigartig“, sagt Werner. Der Erbauer Herbert Kruse verunglückte kurz nach der Fertigstellung 1957 mit seinem Motorrad. Die Inschrift „Omnia ad majorem dei gloriam“ bedeutet „Alles zur größeren Ehre Gottes“. Vieles, was früher einen Nutzen hatte, ist heute nur noch Museumsstück, so wie das mechanische Uhrwerk neben der Tür oder die leicht angestaubten Klingelbeutel an langen Stäben. „Die stammen bestimmt noch aus der Anfangszeit“, sagt Werner.

Beliebt für Hochzeiten

„Unsere Kirche ist zwar klein, aber sehr beliebt“, sagt Nienburg. Derzeit könne man sich vor Anfragen von Hochzeitspaaren kaum retten. „Der Raum ist perfekt für eine kleine Gesellschaft.“ Doch müssten die Kirche und auch die umliegenden Grünflächen gepflegt werden – „uns fehlen derzeit Menschen, die auch mal die Hacke in die Hand nehmen“, sagt sie. Schließlich solle die St.-Barbara-Kirche auch noch lange in ihrer Schönheit bestehen bleiben.

Konzerte, Lesungen und besondere Gottesdienste

„Die Holzdecke in unserer Kirche sorgt für eine ganz besondere Akustik“, sagt Evelyn Werner. Auch deshalb kämen viele Musiker und Sänger immer wieder gerne für Konzerte nach Harenberg. Für die zweite Jahreshälfte hat der Kirchenvorstand wieder ein vielseitige Programm zusammengestellt – mit Konzerten, Lesungen und besonderen stimmungsvollen Gottesdiensten.

Am Freitag, 7. September, ist die St.-Barbara-Kirche für die Lange Nacht der Kirchen geöffnet. Im vergangenen Jahr war sie die einzige teilnehmende Kirche außerhalb Hannovers, es kamen 250 Menschen. Ab 18 Uhr gibt es ein Programm zum vorgegebenen Thema Freiräume. Ohne Unterbrechung können die Besucher unter anderem Geschichten von Heike Baake und einem Kurzkonzert des Kirchenchores unter der Leitung von Bärbel Steding lauschen. Der Magier Carsten Sygusch stellt in Experimenten das rationale Denken infrage und Musiker Leo Keita spielt eigene Kompositionen und Traditionelles aus Mali. Zu Gast ist zudem der Neue Chor mit Lieder von den Sechzigerjahren bis heute. Zärtliche und erotische Liebeslieder aus dem Hohelied Salomons präsentieren die Schauspieler Christiane Ostermayer und Christoph Linder, begleitet von mystischen Klängen an der Sunpan, einem Instrument, das einer Klangschale ähnelt. Den Abschluss bildet um 21.35 Uhr ein Konzert des Gospelchores Chorofun. Das Programm ist frei gestaltet – jeder Besucher kann nach Belieben kommen und gehen. „Zur Stärkung stellen wir wie im vergangenen Jahr Käse, Stullen und Getränke bereit“, sagt Werner.

Für den Reformationstag am 31. Oktober hat sich der Vorstand etwas Besonderes ausgedacht. Im Gespräch mit einem Zeitzeugen diskutiert der Historiker Prof. Carl-Hans-Hauptmeyer von der Leibniz- Universität mit dem ersten hannoverschen Bürgermeister nach der Vertreibung des Patriziats. Rainer Künnecke, bekannt als Reitergeneral Obentraut, schlüpft in die Rolle des Ratsherrn Anton von Berckhusen. Das Interview ist überschrieben mit „1533 –Reformation und Revolte in Hannover“. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt kostet 16 Euro.

Nachdenklich wird es am Buß- und Bettag, Mittwoch, 21. November. Der hannoversche Autor Kersten Flenter liest nach einer kurzen Andacht um 18 Uhr Texte und Kurzgeschichten aus seinem Buch „Wenn wir zum Ende kommen“ (Flenter/Monecke, Blaulicht, 15 Euro). Die anrührenden und teils fröhlichen Texte beschäftigen sich mit Friedhöfen, dem Tod, mit Trauern und Abschiednehmen. Dazu gibt es das traditionelle Pufferessen.

Weiterhin läuft die Reihe „12xk“ mit Konzerten jeweils am 12. jedes Monats. Für Sonntag, 12. August, konnte das Trio Sixty1strings, bestehend aus Gitarre, Harfe und Mandoline gewonnen werden. Konzertbeginn ist um 19 Uhr, der Eintritt kostet 16 Euro.

Von Linda Tonn

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