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Seelze Naturschutzbeauftragter sorgt sich wegen Südlink um Wälder
Umland Seelze Naturschutzbeauftragter sorgt sich wegen Südlink um Wälder
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00:21 01.03.2019
Willi Raabe sieht Seelzes Laubwälder durch den Südlink gefährdet. Quelle: Thomas Tschörner
Seelze

Willi Raabe sieht die Wälder im südlichen Bereich der Obentrautstadt durch den Südlink gefährdet. Der ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte der Region Hannover für das Gebiet der Stadt Seelze verweist auf die geplante Ausweisung des Almhorster Waldes und des Kirchwehrener Holzes als Naturschutzgebiet, die mit den Plänen für die Stromtrasse nicht in Einklang zu bringen sei.

Besondere Wälder sollen geschützt werden

Die Region plane die Unterschutzstellung besonderer Wälder, sagte Raabe. In Seelze werde derzeit die Vorlage „Laubwälder südlich Seelze“ in den politischen Gremien behandelt. „Alle haben sich große Gedanken gemacht, die kommunenübergreifende Zusammenarbeit ist hervorragend.“ Für Seelze seien naturbelassene Waldstücke kartiert worden. Es gebe Biotope in Feuchtgebiete, diverse Tiervorkommen wie Reh- und Schwarzwild, aber auch seltene Arten von Fledermäusen. Es gebe viele Tiere, die alte Wälder und Feuchtgebiete als Lebensraum benötigten. „Deshalb bin ich entsetzt, dass das Unternehmen Tennet nun umgeschwenkt ist und die Stromleitung im Westen der Region bauen will.“ Betroffen sei letztlich auch das Wassergewinnungsgebiet Esloher Forst.

Naturschutzbeautragter widerspricht Südlink-Planung

Bislang war der Stand nach vielen Diskussionen, dass Südlink im Osten gebaut wird. „Die Westtrasse ist für die Natur eine Katastrophe.“ Zwar ist der Planungskorridor rund einen Kilometer breit, die Leitung werde während der Bauzeit letztlich eine Schneise von 55 Metern und nach Fertigstellung von 30 Metern beanspruchen. Doch dies sei schon zuviel. Die Trasse führe mitten durch den Almhorster Wald und zerschneide auch das Kirchwehrener Holz, in dem neben Fledermäusen auch unterschiedliche Eulenarten zu finden seien. „Man kann diese Gebiete so schön genießen – es ist eine Schande, das zerschlagen zu wollen.“ Als Naturschutzbeauftragter könne er den Plänen deshalb nur widersprechen. Raabe sieht durch den Südlink auch seine persönliche Arbeit in der Stadt in Frage gestellt. Denn wie solle er den Bürgern vermitteln, die Natur zu schützen, wenn ein Unternehmen sich im großen Stil nicht um seltene Pflanzen und Tiere kümmere.

Lohnder Ortsratsmitglied ist besorgt

Ähnlich äußert sich auch Frank Schwarz aus dem Lohnder Ortsrat. Dass der Südlink nun doch im Westen von Hannover zwischen Lohnde und Gümmer verlaufen soll, habe er als Ortsratsmitglied „mal eben von jetzt auf gleich durch die Presse serviert“ bekommen. In nahezu jeder Lohnder Ortsratsitzung habe die Frage im Raum, ob es etwas Neues von der geplanten Stromtrasse gebe. Als Antwort sei stets „Nein, nichts Neues“ gekommen , stattdessen wurde den Ortsräten die Vorlage zum Schutz der Laubwälder präsentiert, die im Einzelnen schon jetzt als Naturschutzgebiet geführt würden, sagt Schwarz. „Wer eins und eins zusammenzählen kann, erkennt beim genauen Hinschauen, dass dieses Gebiet, wenn dem Beschluss abschließend mehrheitlich im Stadtrat zugestimmt wird, wie eine Bahnschranke dem Südlink in den Weg gelegt wäre.“ Dies wäre die perfekte Lösung, diesen massiven Eingriff in die Natur abzuwehren. Entschieden werde aber erst Ende März im Rat. „Bei Ablehnung dieser Beschlussvorlage wird sich die ,Raupe’ namens Südlink ungebremst durch die aktuell vorgeschlagene, extrem schützenswerte Natur ,fressen’“, warnt Schwarz.

Mahnke: Schulstandort wäre betroffen

Unterdessen widerspricht Lohndes CDU der Einschätzung von Ortsbürgermeister Wilfried Nickel, dass die Südlinktrasse das Grundstück für ein Pflegeheim oder die mögliche West-Grundschule nicht berühre. Er habe mit Carsten Bardischewski die entsprechenden Flächen ausgemessen, sagte der CDO-Vorsitzende Jörg Mahnke. Grundlage seien die von der CDU-Bundestagsabgeordneten Maria Flachsbarth zur Verfügung gestellten aktuellen Südlink-Pläne, auf denen bereits ein konkreter Trassenverlauf in dem festgelegten Korridor gekennzeichnet sei. Das Ergebnis sei, dass die Stromtrasse lediglich circa 40 Meter vom geplanten Alten-und Pflegeheim verlaufe. „Wir gehen davon aus, dass das nicht im Sinne aller Verantwortlichen sein kann. Darüber hinaus hätte sich dann auch ein eventueller Standort für die West-Grundschule erledigt, denn man wird wohl keine Schule auf beziehungsweise direkt neben der Starkstromtrasse bauen beziehungsweise genehmigen“ , ist Mahnkes Fazit. Von daher fordere die CDU Lohnde weiterhin, dass der Südlink unbedingt weiter westlich verlaufen müsse. Mahnke betont, dass die CDU Lohnde die Trasse ebenfalls nicht wolle. Es bringe aber nichts, nur die Ablehnung zu äußern, ohne ortsspezifische Tatsachen vorzubringen.

Von Thomas Tschörner

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