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Seelze Polizei kontrolliert meist einsichtige Radfahrer
Umland Seelze Polizei kontrolliert meist einsichtige Radfahrer
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15:28 25.04.2019
Kai Zerbe (rechts) und Marius Schumacher kontrollieren im Seelzer Stadtgebiet das Verkehrsverhalten von Fahrradfahrern. Quelle: Patricia Chadde
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Seelze

Fahren auf dem Gehweg oder in der falschen Richtung auf dem Radweg, Rotlichtverstöße und unerlaubte Handynutzung sind bislang die häufigsten Verstöße, die sich Radfahrer in der Obentrautstadt zuschulden kommen lassen. Noch bis Sonntag läuft die Radfahraktionswoche der Polizeidirektion Hannover. Dabei sollen nicht nur Regelverstöße von Radfahrern festgestellt werden, sondern auch Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer gegenüber Radfahrern aufgezeigt werden. An der Aktion beteiligen sich eine gute Handvoll Beamte des Polizeikommissariats Seelze. Mit ihren Diensträdern sowie speziellen Radfahr-Uniformen sind auch Polizeioberkommissar Kai Zerbe und Polizeikommissar Marius Schumacher in Seelze unterwegs.

Die Resonanz bei den Bürgern sei positiv. „Wir werden oft angesprochen, dass das eine gute Sache ist“, sagt Zerbe. Dies gelte auch für die betroffenen Radfahrer. „Wenn ich als Fahrradfahrer aufzeige, wo die Gründe für eine Verwarnung sind, steigt die Akzeptanz“, ergänzt Schumacher. Bestimmte Gefahrenmomente könnte ein Radfahrer besser verdeutlichen als die Kollegen, die kurz mit ihrem Streifenwagen anhielten.

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Ein Problem in Seelze sei das Befahren der Gehwege durch Radfahrer, sagt Zerbe. Weil die Ortsdurchfahrt in Seelzes Innenstadt nur relativ schmal sei, wichen vor allem ältere Radfahrer aus Unsicherheit oft auf die Gehwege aus. Dies wiederum könne zu Konflikten und schlimmstenfalls auch Unfällen mit Fußgängern kommen, die etwa beim Verlassen von Geschäften keinen an ihnen vorbeisausenden Zweiradfahrer erwarten würden. In Letter seien Radler häufig auf der falschen Seite des Radweges unterwegs, wodurch es besonders an Einfahrten zu Grundstücken schnell zu gefährlichen Situationen kommen könne. Weitere Verstöße seien das Missachten von Rotlicht zeigenden Ampeln gewesen sowie die Nutzung von Handys während der Fahrt.Die motorisierten Kollegen hätten sich vor allem um die gefährlichen Ausfahrten des Fachmarktzentrums an der Hannoverschen Straße gekümmert, wozu auch die Tankstelle gehöre. Dieser Bereich wird in der Unfallstatistik auch als ein Unfallschwerpunkt geführt (siehe Kasten). Dort würden Autofahrer häufig das Stoppschild missachten und dadurch Radfahrer gefährden.

In den meisten Fällen sei ein Verwarngeld zwischen 10 und 20 Euro verhängt worden, sagte Zerbe. Rotlichverstöße seien aber deutlich teurer: So seien 60 Euro zu zahlen, wenn die Ampel gerade umspringe, und 100 Euro sowie für Führerschein-Inhaber einen Punkt in Flensburg würden fällig, wenn das Rotlicht bereits länger als eine Sekunde zu sehen sei. Die verbotene Nutzung eines Handys würde mit 55 Euro geahndet. Zwischen Dienstag und Donnerstag hat die Polizei 30 Verstöße von Radfahrern festgestellt, dazu kämen zehn Fälle von Fehlverhalten von Autofahrern gegenüber Radlern wie etwa Missachtung von Stoppschildern und Parken auf Radwegen. Tagsüber seien es eher die älteren Radfahrer, die die Regeln missachtet hätten, sagte Zerbe. „Das ist merkwürdig, weil gerade die älteren Bürger sich beschweren.“ Zwar habe die Polizei bislang während der Aktionswoche keine betrunkenen Radfahrer erwischt. Ab 1,6 Promille würden Radfahrer in jedem Fall eine Straftat begehen. Bei Ausfallerscheinungen wie unsicherer Fahrweise gelte bereits ein Wert ab 0,3 Promille. Dies würden Autofahrer, die wegen ihres Alkoholkonsums auf das Rad umsteigen, oft nicht bedenken.

2018 gab es fünf schwer- und 43 leichtverletzte Radfahrer

Im vergangenen Jahr sind 5 Radfahrer (2017: 5) bei Unfällen schwerverletzt worden, weist die polizeiliche Unfallstatistik aus. Alle waren ohne Helm unterwegs. In drei Fällen wurden die Radler zudem als Verursacher des Unfalls ermittelt. Von 37 auf 43 ist dagegen die Zahl der leichtverletzten Radfahrer gestiegen. Ein Pedelec nutzten 4 der Verunglückten, 40 hatten keinen Helm auf. Ralf Hantke, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes, rät auch ohne Helmpflicht zum Tragen des Kopfschutzes, weil dieser die Gefahr von Kopfverletzungen deutlich verringere. Auch eine Warnweste oder wenigstens helle Kleidung sei sinnvoll. Allerdings sind nur in 12 Fällen die leichtverletzten Radfahrer auch die Verursacher des Unfalls gewesen. In der Statistik gelten diejenigen als schwerverletzt, die mindestens 24 Stunden im Krankenhaus verbringen müssen. Wer nur ambulant behandelt wird oder einen kürzeren Krankenhausaufenthalt hat, wird entsprechend als leichverletzt eingestuft.

Von Thomas Tschörner