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Seelze Unterwegs mit der Sonde: Seelzer findet Stücke aus der Eisen- und Bronzezeit
Umland Seelze

Seelze: Unterwegs mit der Sonde: Seelzer findet Stücke aus der Eisen- und Bronzezeit

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19:24 28.11.2019
Olaf Stolze mit einigen seiner Fundstücke aus Seelze. Quelle: Thomas Tschörner
Seelze

Der Frührentner Olaf Stolze ist mit seiner Metallsonde öfters auf Feldern in Seelze unterwegs. Große Ansprüche hat er dabei nicht. Er hofft, eine alte, gut erhaltene Münze oder einen schön verzierten Uniformknopf oder vielleicht auch ein verlorenes Schmuckstück zu finden. Hin und wieder landet er aber echte Glückstreffer. Zum Beispiel ist er auch schon auf einen Schildbuckel aus der vorrömischen Eisenzeit oder ein Randleistenbeil aus der Bronzezeit gestoßen.

Frührentner hat ein nicht alltägliches Hobby, für das er neben Geduld auch etwas Glück braucht.

Genehmigung ist für Suche erforderlich

Ursprünglich hatte sich Stolze für Schlachtfeldarchäologie interessiert und sich in Seelze auf die Spuren von Michael von Obentraut begeben. Doch auf Schlachtfeldern sei tatsächlich am wenigsten zu finden, sagt der 60-Jährige. „Sie wurden meist besonders gründlich abgesucht.“ Alles Brauchbare sei dabei mitgenommen worden. Deshalb lasse er sich jetzt vom Zufall leiten. Stolze betont, dass es streng verboten ist, einfach so mit einer Metallsonde auf die Suche zu gehen. Erforderlich sei vielmehr eine Genehmigung des Landesamtes für Denkmalpflege. Genehmigungen habe er für den Bereich zwischen Mittellandkanal, Almhorst und Döteberg sowie für Areale in Wunstorf und die Gemarkung Sachsenhagen.

Enkelin verhilft zu Glücksfund

Seinen letzten großen Fund verdankt Stolze seiner neunjährigen Enkelin Eva-Maria, die ihn in Sachsenhagen besucht hat. „Sie guckt sich dann immer alte Münzen in meiner Vitrine an – das Rittergeld, wie sie es nennt.“ Und das Mädchen sei auch immer neugierig, ob etwas Neues dazu gekommen ist. Weil Eva-Maria unbedingt einmal bei einer Suche dabei sein wollte, sei er mit ihr losgezogen. „Sie war meine Glücksfee“, sagt Stolze. Denn der Einfachheit halber sei er mit seiner Enkelin auf einen Acker in der Nähe Sachsenhagens gegangen, den er bereits zweimal erfolglos abgesucht hatte. Doch diesmal fand er eine Beilklinge aus der Bronzezeit.

Fundstück wird genau untersucht

Umgehend informierte Stolze den zuständigen Kommunalarchäologen bei der Schaumburger Landschaft, Daniel Lau. Nach dessen erster Einschätzung handelt es sich um ein geschweiftes Flachbeil, das von der ausgehenden Steinzeit (um 3000 vor Christus) bis zur Mitte der Bronzezeit (um 1300 vor Christus) gefertigt wurde. Lau habe ihm zudem bescheinigt, dass das Beil besonders interessant sei, weil es im weiten Umfeld keine entsprechende Fundstelle gebe. Derzeit wird das Fundstück untersucht, um die genaue Zusammensetzung der Legierung und die Herkunft des Materials zu bestimmen.

Beil aus Seelze ist Weiterentwicklung

„Dass ein Sondengänger einen solchen Fund macht, ist schon selten“, sagt Stolze. Zweimal ins Schwarze zu treffen, sei aber sehr außergewöhnlich. Denn der 60-Jährige hat bereits in Seelze ein Beil aus der Bronzezeit gefunden – und zwar eine Weiterentwicklung. Das sogenannte Randleistenbeil lässt sich stabiler schäften und ist neueren Baujahrs. Nach Einschätzung von Experten stammt es aus der Zeit um 1000 vor Christus. Bei beiden Fällen ist nicht klar, ob es sich um Opfergaben, Grabbeigaben oder einfach nur Verluststücke handelt. In Seelze hat Stolze auch einen Schildbuckel aus der vorrömischen Eisenzeit (800 bis 100 vor Christus) gefunden. Genaue Fundorte darf der Sondengänger nicht nennen, um etwaige weitere archäologische Untersuchungen nicht durch Schatzsucher zu gefährden. Beide Beile werden wahrscheinlich in einem Museum in Rinteln landen.

Nicht alles lässt sich zuordnen

Die Sonde kann Eisen, Bunt- und Edelmetalle in einer Tiefe von bis zu 30 Zentimetern aufspüren. „Ein Kronkorken hat dasselbe Signal wie eine Münze“, sagt Stolze. Ein Großteil der Funde sei „schlicht Schrott“. Andere Gegenstände seien schwieriger einzuordnen. So hat Stolze neben Fingerringen aus Kupfer und Bronze auch größere Ringe gefunden, deren Sinn nicht sofort erkennbar ist. „Es könnten Ringe sein, mit deren Hilfe Utensilien am Gürtel befestigt wurden oder auch Teile von Pferdegeschirren.“ Doch dies sei Spekulation. Stolze bezeichnet die Gegenstände deshalb als Ufo – undefiniertes Fundobjekt.

Stolzes Hobby ist zeitaufwendig

Sein Hobby kann der Sucher, der in seinem Berufsleben als Bergmann gearbeitet hat, nur zu bestimmten Zeiten ausüben. Äcker müssen abgeerntet und dürfen nicht frisch eingesät sein. Stolze schätzt, dass er etwa 400 bis 800 Stunden im Jahr mit der Sonde unterwegs ist.

Denkmalschutz muss beachtet werden

Die Suche nach archäologischen Objekten mit Metalldetektoren ist nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz genehmigungspflichtig. Wer in den Genuss einer derartigen Erlaubnis kommen will, darf nicht gegen die Ziele des Denkmalschutzes verstoßen und muss seine Sachkenntnis bei einem zweitägigen Kurs nachweisen. „Danach kann man bei der Unteren Denkmalschutzbehörde, also etwa der Stadt Seelze, die Genehmigung für ein bestimmtes Gebiet beantragen“, sagt Olaf Stolze. Auch der Grundstückseigentümer müsse sich mit der Suche einverstanden erklären. Seine Funde stecke er nicht einfach ein und mache sie zu Geld, betont Stolze. Alle Stücke würden dokumentiert und dem Landesamt für Denkmalpflege zur Verfügung gestellt. So könne die Wissenschaft aus einzelnen Teilen das im Boden liegende Puzzle zusammensetzen.

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Von Thomas Tschörner

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